Konzertberichte

Frankie & The Heartstrings + Scams, Molotow, Hamburg, 8. April 2011

Mit „Hunger“ legten die Sunderlander von Frankie & The Heartstrings im März ein Debüt-Album hin, dass zweifelsohne zu den Highlights des Jahres gezählt werden darf. Vorallem eines, mit dem sie einen großen Durchbruch verdient hätten. Und zumindest in ihrer britischen Heimat sieht es mit einem Charteinstieg in den Top 40 beim Albumrelease schon einmal nicht schlecht aus. Deutschland scheint jedoch nicht auf die Band gewartet zu haben und so tingelte die Band letzte Woche leider eher unbemerkt und auch nur für zwei Termine durch unsere Nation.

Keiner davon führte Frankie & The Heartstrings nach NRW, also nutzen wir die Gelegenheit der Reeperbahn einmal einen Besuch abzustatten. In Anbetracht der bisher mäßigen Berichterstattung rund um die Band, fürchteten wir einen leeren Club, wurden aber schon bei der Vorgruppe eines besseren beleert. Denn bei Scams aus Leeds, die den Support stellten, war das Molotow bereits randvoll. Aber da das Konzert in der Meanie Bar im Molotow und nicht im Club im Keller stattfand, brauchte es dafür auch nur schätzungsweise 70 Besucher. Die waren aber ab der erste Minute auch beim Support guter Dinge. Kein Wunder, haben doch Scams ihr Debüt komplett in der Hansestadt aufgenommen.

Mit viel Energie jagten die im Dreiminuten-Takt durch zackige Indie-Rock-Stücke. Die Gitarren hübsch zackig, die Drums polterten und ab und zu fiepste etwas Elektronik. Das war zwar alles nicht originell, aber es genügte zur gekonnten Einstimmung an einem Freitagabend und reichte auch, um junge weibliche Vertreter des Publikums in eine Verzückung zu versetzen, als würde da dort die nächste britische Boygroup-Sensation auf der Bühne stehen. Beim ersten Stück machten sie allerdings den Fehler das Publikum zum mitklatschen bewegen zu wollen, das allerdings bis auf die bereits erwähnten Mädels noch nicht so recht warm mit dem Quartett geworden war. Dennoch wurden Scams nach knapp 45 Minuten mit viel Applaus nach ihrem Set noch einmal zu einer Zugabe gebeten. Nun kann man sich darüber streiten, ob der Supportband eine Zugabe zusteht oder nicht, Scams spielten ein solides Set mit einem gewissen Unterhaltungsfaktor für einen Freitagabend.

Nach kurzer Umbaupause ging es dann etwas weiter Richtung englischem Norden-Osten und Frankie & The Heartstrings betraten die kleine glutrot ausgeleuchtete Eckbühne. Trotz wenig Raum zum tanzen nutzte Frontmann Frankie jeden ihm zur Verfügung stehenden Quadratzentimeter der Bühne für Tanzbewegungen, die sogar einen Morrissey blass aussehen lassen. Mit viel Spielfreude fegten die Nord-Engländer durch ihre verspielten Indie-Pop-Nummern mit dem gewissen Retro-Flair. Auch wenn es etwas schade war, dass man von Bassist Steven Dennis nicht viel sah, da er wegen der kleinen Bühne links hinter dem Mischpult Platz nehmen musste. Den Start in ihr Set machte die Band mit ihrer am 9. Mai erscheinenden neuen Single „That Postcard“ und legte einen Ohrwurm nach dem anderen nach. Der infektiöse Sound ging dann auch nicht spurlos am Publikum vorbei, das zwar nicht ausgelassen tanzte, aber mehr als wohlwollend im Takt mitnickte und vor allem ein mit jedem Song immer größer werdendes Grinsen entwickelte.

Irgendwann hielt es Sänger Frankie nicht mehr auf der Bühne aus und verlegte sein Revier vor die Boxen, um die Fläche einzunehmen, die drei Besucher frei gemacht haben, die wohl offensichtlich nur für Scams dort gewesen waren. Dort konnte er dann auch wieder ausgelassen auf einem Bein tanzen und einen Arm in die Luft recken. Zwischen den Stücken war er auch noch zu einigen Späßen aufgelegt und erzählte, dass sie natürlich die Zeit in Hamburg genutzt hätten, um die Reeperbahn zu erkunden. An einer Ecke hatte ein Mann auf offener Straße einen Blow-Job bekommen. Aus dem Fenster ihres Hotels schauend, hatten sie einen anderen Mann in Lack und Leder gesehen, der von seinem Meister an einer Leine geführt wurde. „That’s Hamburg“ fügte er noch hinzu und zuckte leicht verwirrt mit den Schultern.

An anderer Stelle nutzte er auch die Gelegenheit „Fred & The Molotows“ dafür zu danken, sie für einen tollen Abend gebucht zu haben, um im Anschluss einen Dank ans Publikum zu richten, das im Gegensatz zur Berlin-Show, zu der angeblich nur 10 Mann gekommen waren, so zahlreich erschienen war. Der Dank war natürlich ganz unsererseits und der Applaus nach knapp einstündigem Set, in dem Frankie & The Heartstrings ihr gesamtes Debüt und ein neues, uns bisher unbekanntes Stück spielten, entsprechend groß. Leider war danach keine Zeit mehr für eine Zugabe, denn Punkt 23 Uhr war bereits die nächste Party im Molotow angesetzt. Aber auch ohne war es ein toller Abend und der Name Frankie & The Heartstrings macht nun hoffentlich so weit die Runde, dass die Band bald für eine größere Tour nach Deutschland zurück kehrt.

Foto auf Startseite: Andy Wilshire
Foto im Artikel: Ariane WhiteTapes, vom Konzert in Brüssel

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