Konzertberichte

Final Fantasy, Würzburg, Cairo, 01. Juni 2009

Wie war das mit dem Propheten und dem Berg? Wissen wir jetzt auch nicht so genau, was wir jedoch wussten, war dass Owen Pallett, auch bekannt als Final Fantasy, das erste Mal seit, hmm, sagen wir seit sehr langer Zeit, endlich einmal wieder ein paar Deutschland-Konzerte gab. Problem daran, der Termin in unserer Nähe ist das Haldern Pop Festival. Ein tolles Event, aber zwei Monate nach den anderen Terminen. So lang konnten wir dann nicht warten und machten uns auf in die Berge zum Propheten. Genau genommen nach Mainfranken ins beschauliche Würzburg. Dort im Schatten der alten Stadtmauer und in einer Art mittelalterlicher Befestigungsanlage hat vor einigen Jahren eine Jugendherberge mitsamt angeschlossenem Jugendzentrum Räume bezogen. Das Cairo genannte Jugendzentrum erstreckt sich über mehrere Stockwere in einem mittelalterlichen Gebäude, eine wunderschöne Umgebung also für ein Final Fantasy Konzert. Nur an Klimaanlagen glaubten die Menschen damals im Mittelalter wohl noch nicht, so war es dann im zweiten Stockwerk des Cairo recht schnell unerträglich heiß, während die Außentemperaturen langsam Richtung 14 Grad sanken. Aber wenn wir schon eine vierstündige Hinfahrt in Kauf nehmen, wollen wir nicht über die Temperaturen jammern.

Jammern im Zusammenhang mit dem vergangenen Konzert, wäre auch, als würde ein frisch gebackener Oscar-Gewinner bedauern, seine Arbeit würde nicht gewürdigt. Es war nämlich erwartet traumhaft. Der Beginn des Konzerts im Cairo war für 21 Uhr angesetzt, verzögerte sich aber um 15 Minuten, damit der Saal von proppevoll auf brechend voll anwachsen konnte. Als Owen sich dann leise und zögernd durch die ca. 200 Menschen zählende Menge nach vorn zur Bühne kämpfte, dort seinen Wein öffnete und sich und seiner „Overhead-Projektor-Spielerin“ Stephanie Comilang einschenkte, verstummten alle andächtig und warteten auf das was Owen sagen würde. Der sagte nichts, sondern begann direkt sein Set mit „Horsetail Feathers“. Visuell untermalt wurde das wie beinahe alle anderen Stücke von Folien, die Stephanie nach und nach zu einer Geschichte auf und über den Overhead-Projektor wandern ließ. Das unterstrich mal die Aussage des Textes, erzeugte treffende Dramatik, sorgte für visuelle Effekte und war häufig hübsch anzusehen. Überhaupt dürfte Final Fantasy die einzige „Band“ der Welt mit einer „Overhead-Projektor-Spielerin“ sein. Mit fortschreitender Dauer des Sets taute Owen dann auch immer mehr auf, was auch an den Temperaturen gelegen haben könnte, und begann mit dem Publikum zu plaudern. Seine Ansage nach dem dritten Song, er würde heute ganz uns gehören und zu allem bereit sein, schien also ernst gemeint.

Erstaunlich war auch, wie es ihm spielerisch gelang, sich auf sein Geigenspiel zu konzentrieren, zu singen und gleichzeitig die ca. 30 Knöpfe seiner Loop-Pedals zu bedienen, über die er verschiedene Geigensequenzen wiederholte, um so den vollen Sound seiner Songs zu erzeugen. Immer klappte das leider auch nicht und so passierte ihm der ein oder andere Verspieler. Diese waren ihm immer so peinlich, dass er es meist gar nicht wagte, danach ins Publikum zu schauen, sondern sich beschämt entschuldigte und zum nächsten Versuch ansetzte. Natürlich nahm ihm das niemand übel, machte es Owen doch noch um einiges sympathischer. Auch sein seliges Lächeln, wenn es dann endlich doch gelang war schon gold wert.

So zog er mit seiner ganz eigenen Art und seinen zauberhaften Songs das gesamte Cairo für 70 Minuten in den Bann. Vor den letzten beiden Stücken kündigte er noch an „I’m gonna play two more songs now, no encores. But we can talk afterwards“ und erzählte eine Geschichte von seinem Kumpel, der eine Ein-Mann-Band hat, nur er und sein iPod, von dem er auf der Bühne Songs spielt und dazu Dinge erzählt. Nach den beiden letzten Songs kam dann auch ohne große Aufforderung direkt noch ein Song, nach dem sich Owen kurz mit Stephanie an den Bühnenrand zurückzog. Danach sollte einer der Höhepunkte des an Highlights nicht gerade armen Sets folgen. Owen spielte einen Song seiner befreundeten Band The Blankket’s namens „Failure Is A Game“, in Anspielung auf seine vielen Fehler an diesem Abend. Alle Anwesenden dürften die Premiere des rappenden Owen Pallet erlebt haben. Danach war aber noch lange nicht Schluss, denn beinahe unaufgefordert stimmte Owen direkt einen weiteren Song an, bevor er sich mit dem anschließenden „Song Song Song“ nach zauberhaften 90 Minuten von der Bühne verabschiedete. Was blieb waren viele verschwitzte, aber über alle Maßen glückliche Konzertbesucher, die vermutlich eines der Konzerte des Jahres, wenn nicht sogar das Konzert des Jahres erlebt haben.

Fotos: Ariane WhiteTapes

Discussion

Comments are closed.

Archive