Konzertberichte

Field Music + Milagres – Blue Shell, Köln, 17. Mai 2012

Field Music

Fast auf den Tag zwei Jahre nach ihrem dritten Album „Field Music (Measure)“ veröffentlichten die Brewis Brüder mit ihrem Projekt Field Music Mitte Februar ihr nunmehr viertes Album „Plumb“. Und weil sie 2010 auch relativ kurz nach dem Release auf Deutschland-Tour kamen taten sie das nun auch zum Release von „Plumb“ und fanden sich ein wenig mehr als zwei Jahre nach ihrem letzten Besuch an der Luxemburger Straße in Köln wieder einmal für ein Konzert in der Domstadt ein. Bei diesem Anlauf allerdings nicht wie 2010 im Luxor, sondern im einen Steinwurf entfernten und nur halb so großen Blue Shell.

Statt Bar-Betrieb mit Vatertagsjüngern hatte man sich an diesem Abend dazu entschlossen ein paar Typen aus Nord-England auf die Bühne zu stellen. Im Vorprogramm hatten die noch die amerikanischen Newcomer von Milagres dabei. Die veröffentlichten im Januar auf der Field Music Label-Heimat Memphis Industries mit „Glowing Mouth“ ihr erstes Album auf einem Label. Ein Bandname, der an Christi Himmelfahrt natürlich ganz gut passte, ist Milagres doch neben dem Namen einer brasilianischen Stadt auch das portugiesische Wort für Wunder.

Milagres

Kein Wunder war es allerdings, dass die auch in Deutschland für ihr Label-Debüt gefeierten Newcomer dafür sorgten, dass auch schon beim Start ihres Sets die kleine Kneipe bereits gut gefüllt war. Zwar war im Bereich vor der Bühne noch viel Platz, dennoch verfolgten die in der Bar verteilt sitzenden und stehenden Gäste aufmerksam das Geschehen auf der Bühne.

Sänger Kyle Wilson, der viele der Songs auf „Glowing Mouth“ schrieb, als er wegen eines Kletterunfalls bettlägerig war, bildete mit seiner Präsenz eindeutig das Zentrum der Show. Mit seinem Vollbart und seinem Kurzhaarschnitt ähnelte er ein wenig Dave Martin von I Like Trains. Allerdings ist seine Falsettstimme und seine Körpersprache doch ziemlich weit entfernt vom dunklen Bariton und der Zurückhaltung vom erwähnten Düster-Rocker aus Leeds.

Der Milagres Frontmann wirkte wie verwachsen mit seiner Gitarre und zuckte häufiger im Takt oder ließ sich nach unten sacken. Die Melodien, die das Quintett erwachsen ließ, wirkte mit ausufernden Strukturen und vielen elektronischen Einspielungen, wie eine Mischung aus Wild Beasts, Grizzly Bear, Arcade Fire und Patrick Watson. Gerade die Ähnlichkeit zu Wild Beasts und Grizzly Bear war stellenweise derart frappierend, dass man das Gefühl hatte, ein Cover besagter Bands zu hören. Trotz deutlicher Überschneidungen mit anderen Bands, gestaltete sich das knapp 45 minütige Set der Band aus Brooklyn ziemlich kurzweilig und ganz unterhaltsam. „Glowing Mouth“ fand sich aufgrund des Sets in den letzten Tagen jedenfalls wieder häufiger den Weg über unsere Autolautsprecher.

Field Music

Nach relativ kurzer Umbaupause, bei der eine ganze Armada an Keyboards links und rechts auf der Bühne aufgestellt wurden, betraten dann die Sunderlander Brüder Peter und David Brewis sowie zwei weitere Musiker die Bühne. Pünktlich um 22 Uhr legten sie dann auch mit ihrem Set los und spielten vor einer bis nach ganz vorn gut gefüllten Kneipe. Ob es viel mehr waren, als vor zwei Jahren im Luxor lässt sich schwer sagen, wegen der deutlich kleineren Location wirkte es natürlich aber voller.

Peter Brewis, der wie sein jüngerer Bruder David immer zwischen Drums, Gitarre und Keyboard wechselte und an jedem Platz zusammen mit David sang, dankte dem Publikum für das zahlreiche erscheinen: „thank you for making it to our concert today“ sagte er. Auf einen Zuruf aus dem Publikum „on fathers day“ meinte er „yeah, we saw a lot of people in fathering age in the audience“ und erntete dafür natürlich entsprechendes Gelächter.

Das knapp einstündige Set von Field Music war wie bereits vor zwei Jahren geprägt von anspruchsvoller Melodieführung und dem markanten, häufig in hohe Sphären abdriftenden Gesangsstil des Duos. Dabei spielten sie Stücke aus allen Schaffensphasen der Band und legten dabei keinen großen Fokus auf das neue Album „Plumb“. Dennoch ließen sie ihr neuestes Album natürlich nicht unerwähnt, bevor sie einmal eines der neueren Stücke anstimmten.

Besonderes Highlight an diesem Abend waren aber wohl vor allem ältere Stücke, wie „A House Is Not A Home“, das großartige „If Only The Moon Were Up“ und das Stück „Rockist“, mit geloopten Vokalübungen, bei dem vor allem David Brewis an Gitarre und Gesang im Vordergrund steht. Kein Wunder, stammt das Stück doch von seinem School Of Language Album, das er in der Field Music Pause veröffentlichte. Nach knapp 45 Minuten verabschiedeten sich die vier Musiker dann leider auch schon von der Bühne und bedankten sich artig für den Abend. Nicht aber, ohne noch einmal für zwei Stücke auf die Bühne zurückzukehren. Danach machten sie dann Punkt 23 Uhr Schluss. Leider wohl, um für die anschließende Party Platz zu machen.

Beim nächsten Besuch in Köln dürfen Field Music gern wieder 90 Minuten spielen und wenn es nach uns geht, müssen es bis zum nächsten Mal nicht wieder zwei Jahre sein, bis die Band aus Sunderland wieder bei uns vorbeischaut.

Fotos: Ariane WhiteTapes
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