Konzertberichte

Fest Van Cleef, Essen, Delta Park, 12. Juli 2009

Wenn ein Label aus Festivaltournee geht, hört sich das nach jeder Menge Alkohol, vielen Frauen und wilder Party an. Stellt man sich vor, dass das Fest van Cleef auf Tour geht, passen diese Bilder nicht so richtig in den Kopf. Der erste Blick mag täuschen, ein Feuerwerk, wenn auch ein etwas Anderes wurde trotz alledem abgefeuert. Essen war der letzte Halt nach drei Tagen und der Delta Park wurde endlich mal zu einem guten Indieclub umfunktioniert.

Das Wetter ist bekanntlich immer für einen guten Scherz zu haben. Auch an diesem Tag spielt es gerne Streiche. Bei den Killians trägt so manch einer die Sonnencreme auf, bei Why? Wird man leider nicht von der Musik weggespült. Wer Unterschlupf sucht, der findet ihn auch im Weiten des Delta Parks. Aber übers Wetter reden ist so ziemlich das Langweiligste, wird Thees an diesem Abend noch sagen, über das Wetter schreiben übrigens auch. Nun also zu den einzelnen Auftritten.

Gyspert zu Knypshausen betrat als erster Künstler die Bühne. Eine verspätete Anfahrt machte es uns unmöglich, den Auftritt zu verfolgen. War bestimmt gut.

Dann, nach herrlichem Gedicht, dass Thees Uhlmann vorgetragen hat, betraten Muff Potter die Bühne. Wohl das härteste und ruppigste was je ein „Fest van Cleef“ Publikum vorgetragen bekommen hat. In den seltensten Fällen liegt es an der Band, aber oftmals bestimmt es ihren Auftritt: Der Sound. An einigen Stellen ein wenig schwächelnd, aber man wusste ja, was sie wollen. Kurz gebunden waren sie leider, 40 Minuten Spielzeit ließen wenig Platz für Fantasie, brachten dennoch einen guten Mix aus allen Alben. „Wir sitzen so vorm Molotov“, „Alles nur geklaut“ und „Die Guten“ sind nur ein kleiner Auszug aus den Nettigkeiten. Lediglich zwei Songs vom aktuellen Longplayer „Gute Aussicht“ wurden gespielt. Neben dem Titelsong fand auch die neue virtuelle Single „Niemand will den Hund begraben“ den Weg ins Set.

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Die Killians hatten Quasi-Heimspiel. Und waren wohl am Meisten auf das Medium Festival eingestellt. Sie forderten Leute zum Tanzen, Springen und Klatschen auf. Schade, dass die Meisten nicht so wirklich mit machen wollten. Der Sound erinnert stark an The Strokes, auch Sänger Simon den Haartog tut sei übriges mit seiner Stimme hinzu. Ein wenig schmeckt es hier noch nach Schülerband, aber dass die Kilians ihren Weg machen werden, da lege ich mich hier fest.

Why? Waren die einzige Band aus dem Ausland. Ein starker Regensturm während des Auftrittes machte das Konzert für viele zum reinen Hörvergnügen, da sie lieber Unterschlupf suchten, als vor der Bühne zu stehen. Aber irgendwie passte das Wetter zur Band. So wirklich verstehen muss man Why? nicht. Entweder man fühlt es und genießt es oder man erhält keinen Zugang zu dieser Musik. Man nehme Mars Volta und lege eine Schippe Hip Hop und „Durchgeknalltheit“ drauf und bitteschön: Why?

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Tomte sind mit Kettcar zusammen die Dinos des Van Cleef Labels. Und schon zum dritten Mal spielen sie auf der hauseigenen Tour. Wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal. Eine Stunde Thees Uhlmann, es heisst soviel wie eine Stunde Lachen, Trauern, Weinen, sich wohl fühlen und Dinge aus einem Winkel betrachten, der so alltäglich ist und dennoch so verborgen. Thees Uhlmann nimmt alle mit. Selten schafft es ein Sänger mit soviel Charme die Leute zu begeistern. „Die Schönheit der Chance“ mit vorher angestimmten „Human“-Cover (The Killers), „New York“, „Korn und Sprite“ und „Ich sang die ganze Zeit von dir“ waren Teil des schönen Auftrittes, der, wenn es noch geregnet hätte, spätestens dann die Sonne wieder hervorgelockt hätte.

Element of Crime zum Abschluss des Tages. Sven Regener, der Herr mit der wunderschön herrlichen rauen und ehrlichen Stimme versetzte alle noch einmal am Ende des Tages in eine wundervolle Atmosphäre. Es war weder wild, noch laut, noch gab es Unmengen an Rock and Roll, aber es war einfach die Dinge, die einem Gerne im Kopf bleibt und an die man noch in Jahren gerne zurück denkt.

Wenn das im nächsten Jahr die deutsche Version der „Warped Tour“ wieder seine Kreise zieht, so werden wir sicherlich wieder dabei sein.

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