Konzertberichte

Fat Cat Tour 2011: We Were Promised Jetpacks + The Twilight Sad + Mazes, Gebäude 9, Köln, 20. September 2011

Seit wir im Juni die Tour des britischen Kultlabels Fat Cat ankündigen durften, bei der sich die Newcomer Mazes, die Düster-Rocker The Twilight Sad und die Indie-Sensation We Were Promised Jetpacks gemeinsam auf Europa-Tour begeben sollten, waren wir voller Vorfreude.

Ein wenig Zeit strich ins Land, Mazes veröffentlichten ihr Debüt „A Thousand Heys“, We Were Promised Jetpacks gaben mit einem Gratis-Download und einem Video einen ersten Vorgeschmack auf ihr neues Album „In The Pit Of The Stomach“ und The Twilight Sad steigerten unsere Vorfreude durch ab und zu auftauchende Coverversionen von Depeche Mode. Am Dienstag war es dann endlich soweit und das Fat Cat Trio machte nach Stopps in Berlin und Hamburg auch in Köln halt. Da an diesem Abend drei Bands auf dem Plan standen, wurden auch extra Einlass und Beginn im Gebäude 9 ein wenig nach vorn verschoben, so dass Mazes schon recht früh auf der Bühne standen.

Mazes (Photo by Chiara WhiteTapes)

Wegen des tollen Line-Ups des Abends war die Halle aber auch schon früh recht voll, so dass das britische Trio vor gut gefülltem Haus spielte.  Mit ihrem Album hat die Band jede Menge Lorbeeren eingeheimst und spielte auf der mit neuem Teppich bezogenen Bühne der alten Industriehalle beschwingt los. Die Besucher des Gebäude 9 ließen sich vom Set zumindest zu ein wenig mitwippen und schunkeln hinreißen. Richtige Tanzstimmung wollte allerdings nicht aufkommen. Mazes, die wirkten, als wären sie direkt aus einem amerikanischen Plattenladen auf die Bühne gestürmt, spielten ihr Set zwar auch gut gelaunt und mit dem Drive, den man vom Debüt kennt, aber aus irgendeinem Grund schien es eine große Distanz zum Publikum zu geben, die nicht nur in den knapp fünf Metern bestand, in der sich die erste Reihe befand. Ihr dreißigminütiges Set spielten sie natürlich dennoch beinahe routiniert runter, präsentierten auch ein paar Hits ihres Albums, richtig glänzen konnten sie allerdings leider nicht.

Für Glanzpunkte war dafür umso mehr Zeit. Denn nach kurzer Umbaupause stand um kurz nach neun mit The Twilight Sad auch schon die Band auf der Bühne, auf die wir uns an diesem Abend am meisten gefreut hatten. Gleich als Opener spielten die Schotten das Stück „Kill It In The Morning“, das als erste Vorbote für ihr im Februar erscheinendes drittes Album „No One Can Ever Know“ ausgewählt wurde. The Twilight Sad (Photo by Chiara WhiteTapes)Der Nachfolger zum 2009er „Forget The Night Ahead“ scheint die Band deutlich elektronischer und in so etwas wie in einem Industrial-Sound zu zeigen. An diesem und den anderen neuen Stücken zeigte sich auch, dass dieser Sound sehr gut in die dunkle Klangwelt von The Twilight Sad passt. Auch die Stücke von den ersten beiden Alben fanden natürlich Beachtung im Set und gerade der Wechsel zwischen Industrial- und dem typischen Shoegaze-Sound der Band sorgte für große Vielfalt und ließ eine dichte Stimmung entstehen, von der auch ein Großteil des Publikums sich einfangen ließ. Sänger James verbrachte die meiste Zeit des Sets damit möglichst nicht zu viel Augenkontakt zum Publikum aufzubauen und wanderte viel von links nach rechts, ging in die Knie und reckte sich empor. Je nachdem, was gerade besser zum Song passte. Den meisten Eindruck machten die Schotten wohl mit dem ruhigen „Cold Days From The Birdhouse“, bei dem James zunächst fast allein sang und nach und nach die ganze Band einsetzte. Nach leider gerade einmal vierzig Minuten war das Set der Jungs allerdings auch schon vorbei und sie mussten Platz machen für We Were Promised Jetpacks.

Deren Umbaupause sollte glücklicherweise auch nicht zu lang dauern und so musste man nicht lange auf das schottische Quartett warten, das mit seinem zweiten Album „In The Pit Of The Stomach“ in den Startlöchern steht. Der Opener „Circles & Squares“ sollte dann auch direkt Opener des Konzerts sein. Das mittlerweile proppevolle Gebäude 9 nahm das rockige Stück direkt positiv auf und feierte We Were Promised Jetpacks ab der ersten Note. Viel Zeit zum durchatmen ließen sie dem Publikum auch nicht, sondern hauten direkt als zweiten Song „Quiet Little Voices“ raus, das von der Meute lauthals mitgesungen wurde. Den folgenden Teil des Sets bestritten We Were Promised Jetpacks mit einer ausgewogenen Mischung zwischen „These Four Walls“ und dem in knapp einem Monat in Deutschland erscheinenden Nachfolger.

We Were Promised Jetpacks (Photo by Chiara WhiteTapes)

Schade war nur, dass der Großteil der Pausen – insbesondere nach neuen Stücken – vom Publikum dafür genutzt wurde „Quiet Little Voices“ zu fordern, das ja bereits zu Beginn des Sets verpulvert wurde. Die Band, die nach eigener Aussage nach langer Zeit auf Tour ein wenig die Freude an ihren älteren Stücken verloren hatte (Interview folgt bald), versuchte es mit Humor zu nehmen und beließ es meist bei einem Lachen. Wenig überraschend war es deshalb auch, dass die Band sich bei ihren neueren Stücken deutlich mehr ins Zeug legte und versuchte auch das Publikum mit ihrem deutlich rockigeren und lauteren Sound mitzureißen. Da die Songs aber auch etwas weniger zugänglich sind, als noch auf dem Debüt, wollten einige nicht direkt zünden. So mussten sich We Were Promised Jetpacks damit abfinden, dass sie zwar verdammt tolle neue Stücke im Gepäck hatten, die sich nach ein paar Durchläufen des Albums auch zu richtig packenden Rocksongs entwickeln, diese aber an diesem Abend nicht direkt beim Publikum den größten Anklang finden wollten. Das war den meisten Anwesenden aber auch egal. Die beschränkten sich darauf die Indie-Hits wie „Roll Up Your Sleeves“ und „It’s Thunder And It’s Lightning“ zu feiern und immer wieder „Quiet Little Voices“ zu fordern.

Das ging knapp eine Stunde so und war wohl vor allem für das schottische Quartett ermüdend, dass sich nach „It’s Thunder And It’s Lightning“ und der letzten geschrienen Zeile des Songs „I’m Leaving“ unter großem Applaus von der Bühne verabschiedete. Die Hoffnungen auf eine Zugabe wurden durch das schnell von den Technikern eingeschaltete Licht zunichte gemacht und die knapp fünfhundert Besucher verließen erschöpft und glücklich die Halle. Der verdiente Headliner des Abends wären zwar The Twilight Sad gewesen, die mit ihrer enormen Intensität und ihrer großen Bühnenpräsenz sicherlich für einen noch unvergesslicheren Abend gesorgt hätten, aber auch so war es ein schöner Abend eines großartigen britischen Labels, das uns in Zukunft hoffentlich noch mehr solcher Künstler und auch Abende beschert.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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