Konzertberichte

Evening Hymns – Pension Schmidt, Münster, 19. September 2016

Evening Hymns - Pension Schmidt, Münster, 19. September 2016

Der 35 jährige Kanadier Jonas Bonnetta, alias Evening Hymns, darf im nächsten Jahr ein rundes Jubiläum feiern. Denn dann ist es schon ganze zehn Jahre her, dass er seine erste EP „Let’s All Get Happy Together“, und auch sein erstes Album, „Farewell To Harmony“, veröffentlichte. Sein größter Erfolg folgte jedoch erst fünf Jahre später mit „Spectral Dusk“. Ein Album, auf dem er in ruhigen, tief-traurigen und elegischen Songs, den Tod seines Vaters verarbeitete und das sich 2013 auf der Longlist für den Polaris Music Prize wiederfand. 2013 war auch, bis auf vereinzelte Shows, das letzte Mal, dass er mit Evening Hymns in Deutschland auf Tour war. Damals sahen wir ihn in vollem Haus beim Hans Dampf Festival in Münster. Seitdem ist viel passiert, er fand ein neues Label, schrieb neue Songs und veröffentlichte im letzten Jahr mit „Quiet Energies“ sein nunmehr viertes Album. Seitdem war er insbesondere in Nordamerika wieder auf einigen Konzerten live zu sehen. Auf einen Besuch von Evening Hymns in Europa warteten wir allerdings bisher leider vergebens. Das änderte sich zum Glück jetzt im September, denn der Kanadier machte sich endlich mal wieder mit seiner Band für eine ausführlichere Tour auf nach Europa. Dabei schaute er, nach dem großen Erfolg 2013, auch wieder in Münster vorbei.

Die Kneisterei, in der Evening Hymns vor mehr als drei Jahren noch spielten, gibt es durch den Bahnhofs-Neubau in Münster schon eine Weile nicht mehr und so war die Band nun für die Pension Schmidt gebucht. Dort war die Band für 20 Uhr angesetzt und die drei Musiker ließen auch nicht lange nach 20 Uhr auf sich warten. In der derzeitigen Live-Besetzung sind Evening Hymns auf dieser Tour neben Jonas Bonnetta noch Caylie Runciman, die unter dem Namen Boyhood musiziert und für Drums und Backing-Vocals zuständig war, sowie Phil Charbonneau, der Frontmann des kanadischen Trios Scattered Clouds ist und an diesem Abend unter anderem Keyboard, Loopstation und andere Effekte steuerte. Gemeinsam begannen die drei Musiker ihr Set zunächst ganz ruhig und in sich gekehrt mit einem Stück, das vor allem von der sanften Stimme von Jonas Bonnetta lebte, der den Song zu großen Teilen mit geschlossenen Augen vortrug. Diese Insichgekehrtheit legte der Kanadier aber direkt nach dem Stück und dem folgenden Applaus ab und begrüßte das Publikum, um sich direkt für seine Stimme zu entschuldigen, weil er erkältet sei.

Davon war nicht viel zu hören, denn bei jedem Stück überzeugte er mit klarem Gesang, ohne abzubrechen, oder sich häufiger als andere Musiker zwischen den Songs zu räuspern. Stattdessen nutzte Jonas Bonnetta die Songpausen, um ausführlich von seinen Erlebnissen rund ums Touren, Musizieren und Begleitumstände zur Entstehung von Songs zu erzählen. So kam er auch häufiger auf die Hintergründe zum Eingangs erwähnten „Spectral Dusk“, das er an einer Stelle seine „sad dad record“ nannte, zu sprechen. Vor einem Stück des letzten Albums „Quiet Energies“ erläuterte er dazu zusätzlich, dass er nach „Spectral Dusk“ dachte, den Tod seines Vaters verarbeitet zu haben und er inzwischen Platz für neue Themen hätte, die Arbeiten an den damaligen Stücken hätten ihm jedoch gezeigt, dass es ihn immer noch tief bewegt und beschäftigt und er wohl künftig weiter Songs darüber schreiben werde. Wie sehr ihn der Tod seines Vaters noch beschäftigt, sah man dann auch am Ende des Songs, als er mit den Tränen rang und das Stück leise ausklingen ließ, um beim anschließenden, äußerst lauten Applaus, wieder Kraft zu tanken und sich kurz zu sammeln.

Natürlich bestand das Set von Evening Hymns nicht nur aus traurigen Songs und Geschichten. Auch für einige Lacher waren die Erzählungen gut, als er vorm Hit „Dead Derr“ zum Beispiel erzählte, dass viele Leute meinen, er würde darin über die Beziehung zu seinem Vater singen, wobei er den Song für eine Ex-Freundin geschrieben habe und er auch Metaphern für Sex nutzen würde. Neben kleinen Geschichten und ruhigen, nachdenklichen Songs, bei denen der Kanadier teils allein auf der Bühne stand, gab es natürlich auch Songs, die in voller Bandmontur und ansatzweise rockig, wie bei „All My Life I Have Been Running“, immer zu fesseln wussten.

Die Mischung aus kleinen Anekdoten und mitreißenden Songs gelang den drei Musikern dabei so kurzweilig, dass das einstündige Set leider viel zu schnell vorbei war und sie sich unter lautem Applaus von der Bühne begaben. Allzu lange ließ sich Sänger Jonas Bonnetta dann aber nicht bitten, für eine Zugabe zurück auf die Bühne zu kommen. Einleitend erklärte er vor der Zugabe noch, dass er den Song für ein befreundetes Pärchen geschrieben habe, das sich damals scheiden ließ, weil die Frau einer neuen Liebe auf einen anderen Kontinent folgte. Da er nicht gewusst habe, wo genau sie hin sei, nahm er an, dass sie nach Berlin gegangen sein muss, weil da alle so hip sind. Deshalb käme im Song auch „Berlin“ vor, auch wenn er in der Zwischenzeit erfahren habe, dass sie nach Hong Kong gegangen war. Da er Hong Kong aber nicht gut für den Song fand, beließ er es bei Berlin. Das anschließende Stück spielte Jonas dann ganz allein am Klavier, um sich im Anschluss noch einmal herzlich beim Publikum für den schönen Abend zu bedanken, welches es sich nicht nehmen, unter lautem und langem Applaus wiederum für einen mehr als gelungenen Montag Abend zu danken.

Photo by Ariane WhiteTapes

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