Konzertberichte

Evening Hymns, Hans Dampf Festival, Kneisterei, Münster, 27. April 2013

Evening Hymns, Hans Dampf Festival, Kneisterei, Münster, 27. April 2013

Kanadische Folk-Pop-Bands und Deutschland, das passt irgendwie. So tingeln in den letzten Jahren immer wieder bärtige Kanadier mit Hut und Holzfällerhemden über deutsche Bühnen, verzaubern junge Studentinnen und erzeugen Lagerfeuerambiente für bierseelige Indie-Freunde. Auch Jonas Bonnetta profitierte davon in den letzten Jahren und war mit seinem Projekt Evening Hymns immer wieder auf deutschen Bühnen zu sehen. So auch bei der zweiten Auflage des Hans Dampf Festivals, das am 27. April 2013 in diversen Locations in ganz Münster statt fand. Zu Punkt 21 Uhr war der Auftritt des Kanadiers und seiner Liveband aus Bassistin und Drummer angekündigt und pünktlich stand der groß gewachsene hagere Kanadier, der nur wenige Tage zuvor 32 Jahre alt geworden war, auf der Bühne. Sein großer Hut hing ihm zunächst tief ins Gesicht. Zusammen mit seinen langen Haaren und dem Vollbart konnte er seine Mimik dann auch erst einmal gut verstecken. Auf der Bühne in der Bahnhofskneipe wirkte die Band dann auch ein wenig deplatziert. Durch die Holzvertäfelung und den etwas improvisierten Aufbau hat die Kneisterei mehr von einem ländlichen Jugendheim, als von einem Club mit Indiecharme. Jugendheimcharakter war allerdings dennoch angesagt in den knapp 50 Minuten des Auftritts von Evening Hymns.

Das Publikum schien nämlich mehr in seine Gespräche vertieft, als in die Musik der drei Kanadier und so hörte man neben ruhigen Folk-Pop-Songs vor allem jede Menge Geschnatter. Dabei ging es weniger um die Eindrücke von den bisher gesehenen Bands, als vielmehr um jede Menge privaten Kram, den man in dieser Lautstärke vielleicht nicht während derart emotionaler Songs vortragen sollte. Bonnetta ließ sich davon jedoch nichts anmerken und trug seine Songs souverän vor. Die handeln auf dem zweiten Album „Spectral Dusk“ vor allem vom gestörten Verhältnis des Musikers zu seinem toten Vater und seinem Bruder und zeigen den Songwriter häufig von einer sehr privaten und verletzlichen Seite. Wegen des Grundrauschens gingen die besonders ruhigen und berührenden Momente leider etwas unter.

Das Highlight des Abends erzielte dennoch seine volle Wirkung. Dabei handelte es sich nämlich um „Dead Deer“ vom Debüt „Spirit Guides“. Nach ruhigem Beginn bauschte die Band das Stück wunderbar auf und ließ es einmal richtig rocken. Die schnelleren und etwas lauteren Stücke waren im knapp 50 minütigen Set überhaupt die stärkeren Momente, was wohl vor allem der Tatsache geschuldet war, dass es Evening Hymns damit gelang das Schnattern zu übertönen. So blieb die Erkenntnis, in ruhigerer, nicht ganz so vollgequetschter und gemütlicherer Atmosphäre sind Evening Hymns sicherlich eine grandiose, berührende Liveband. Die Songs und die Spielfreude dafür haben sie allemal.

Foto: Ariane WhiteTapes

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