Konzertberichte

Eurocityfest Münster, 22. – 24. Mai 2009

Alljährlich verwandelt sich die Münsteraner Innenstadt in eine Party- und Konzertmeile. Auslöser ist ein von Udo Lindenberg Mitstreiter und Münster-Legende Steffi Stefan ins Leben gerufene Eurocityfest, das mit einer großen Anzahl Bühnen und immerhin einer handvoll guter Bands immer gute Unterhaltung bietet. Die Headliner waren wie gewohnt auch in diesem Jahr nicht besonders beeindruckend, dennoch zogen Revolverheld, Klee und Alphaville sicherlich viele Menschen vor die Hauptbühne auf dem Domplatz. Etwas hinter dem Dom, direkt im Schatten der sogenannten Überwasserkirche (die heißt wirklich so, auf Anfrage erklären wir gern warum) gab es dagegen jeden Abend ein kleines Highlight. Das größte direkt am Eröffnungstag. Nach den Damen von Pristine stürmten nämlich unsere ganz besonderen Münster-Lieblinge von Miyagi die Bühne, die als letzte Band an diesem Abend so etwas wie die Headliner der Bühne waren. Die legten dann auch Punkt 23 Uhr gut gelaunt und Energie geladen los. Beim Heimspiel muss schließlich ja auch alles sitzen. Da verwöhnt man auch gerne die Fans mit ein paar Runden Bier. Holen mussten sie das zwar selbst, auf Sänger Stefan ging es trotzdem, Band-Pass sei Dank. Aber neben jeder Menge Bierkonsum, der ja auch zum guten Ton auf Stadtfesten gehört, gab es vor allem auch jede Menge gute Songs von der Band. Das Set eröffneten sie mit dem Album-Titeltrack „Hydraulic Son“, der mit Stefan am zweiten „Schlagzeug“ nahtlos in die aktuelle Single „How To Do It“ überging, die dann rein instrumental vorgetragen wurde. Da waren auch schon alle Dämme gebrochen und die ersten Reihen tanzten ausgelassen, wie auch bei einem normalen Miyagi Konzert in Club-Atmosphäre. „Wow, cool dass ihr alle hier seid. Wollt ihr nicht lieber Revolverheld gucken?“ spaßte Stefan dann auch gut aufgelegt. Natürlich waren sich aber alle Anwesenden einig mit Miyagi die richtige Wahl getroffen haben, denn bei denen gab es Indie-Disco vom Feinsten. Als besonderer Kracher entpuppte sich dabei auch die „How To Do It“ B-Seite „Sideways“, die schon lange Bestandteil des Live-Sets ist und immer wieder abgefeiert wird. Auch toll die kleinen Hits „Misery / Battery“ und „Bad Penny“, sowie immer schon der Bandklassiker „Whatever 2.0“, der eigentlich in keinem Set von Indie-DJs fehlen darf.In einem Miyagi Set aber natürlich auch nicht. Entsprechend ausgelassen dabei auch die Stimmung.

httpv://www.youtube.com/watch?v=TnSfe_21Xno

(Weitere Videos hier, einfach zu den Favoriten scrollen). Nach knapp einer Stunde und der üblichen Zugabe „Ice Cream“ mussten Miyagi dann auch bereits die Bühne verlassen, da das Ordnungsamt ab Mitternacht den Nachbarn zuliebe Nachtruhe verordnet hatte. Ob sie nicht doch lieber noch ein wenig länger Miyagi gelauscht hätten blieb leider ungeklärt.

Klar dagegen unser Highlight für den zweiten Tag. Da standen auf der gleichen Bühne nämlich die frisch gebackenen Rock Am Ring Teilnehmer Videoclub auf dem sonst an Höhepunkten eher armen Programm. Der Auftritt des Clubs hatte es dafür umso mehr in sich. Die hatten nun nämlich auch noch zwei Trommeln zur Unterstützung mit aufgebaut, die einigen Songs den entsprechenden zusätzlichen Druck verleihen sollten. Mit einem druckvollen Set aus frickeligen Songstrukturen, verschachtelten Melodien und treibenden Rhythmen zauberten die dann auch ein unterhaltsames 45minütiges Set aus dem Hut. Irgendwo spielte parallel auch eine Beatles Coverband, die richtige Wahl war aber natürlich wieder die kleine Bühne an der Überwasserkirche. Besonders der Band-Hit „Dorian“ mit gehörigen Ohrwurm-Qualitäten ging dabei in die Beine und bewies, warum die Band bei der Coke-Soundwave Tour ganz vorn mit dabei war und sich für Rock Am Ring qualifiziert hat.

httpv://www.youtube.com/watch?v=fr65Ws0i7SM

Zum Abschluss des Eurocityfest am Sonntag gab es dann auf der versteckten Bühne ein weiteres Highlight. Elias aus Münster feierten nämlich Live-Premiere. Benannt aus einem Insider-Gag und mit zwei Vertretern des Videoclub war eine große Fanbase von Anfang an gelegt und so waren auch trotz früher Stunde nicht wenige anwesend, um die Live-Premiere der Jungs zu begutachten. Zu bieten hatten auch die einiges, neben den vier Tracks ihrer Debüt-EP „German Angst“ nämlich noch eine Reihe weiterer sehr unterhaltsamer Indie-Pop-Perlen. Besonders überzeugte live dabei das einschmeichelnde „Neuigkeiten Vom Südpol“, bei dem die Sonne noch ein wenig heller zu stahlen schien. Ein sehr schöner Abschluss für ein tolles Fest also. Irgendwo trat im Anschluss noch eine Metallica Cover-Band auf, für uns war das Eurocityfest aber an seinem Höhepunkt angekommen und Cover-Bands halten wir für so spannend wie die Paarungsgewohnheiten von Galapagos-Schildkröten. Ok, die sind sogar noch interessanter. Bleibt also die Vorfreude auf’s nächste Jahr und ein paar schöne Erinnerungen.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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