Konzertberichte

Enno Bunger + Jonas Künne (Black Rust) – Kleine Freiheit, Osnabrück, 05. April 2012

Jonas Künne (Black Rust)

Knapp einen Monat nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Wir sind vorbei“ machte sich Enno Bunger, das Dreiergespann aus dem hohen Norden, auf den Weg Deutschland zu betouren. Nachdem ich in der letzten Zeit fast nur noch diese Platte gehört hatte, konnte ich es kaum erwarten die Band mal wieder live zu erleben. Am zweiten Tag ihrer Tour machten sie Halt im schönen Osnabrück.

Als Support hatten sie Jonas Künne eingeladen, auch besser bekannt als Sänger und Gitarrist von Black Rust, der ja auch gerne mal auf Solopfaden wandelt. Leider musste Jonas mit seinem Auftritt anfangen bevor die Veranstaltung offiziell begonnen hatte, was zur Folge hatte, dass nur wenige Menschen seinen Songs überhaupt lauschen konnten. Die Kleine Freiheit ist ja nicht wirklich so klein, was leider in diesem Fall die Stimmung doch arg drückte. Jonas gab sein Bestes, spielte Black Rust Titel, genauso wie einige Coverversionen zum Beispiel der Editors. Außerdem hatte er auch noch einen Aerobatics Song auf seiner Setlist, worüber ich mich wirklich sehr gefreut habe. Eine Überraschung konnte Jonas auch noch verkünden. Er wird im Sommer sein erstes Soloalbum veröffentlichen und er hatte am Nachmittag mit den Black Rust Jungs zusammen festgestellt, dass sie genau vor 10 Jahren das erste Mal als Black Rust einen Auftritt hatten. Ein Jubiläum also. Schneller als man gucken konnte, musste Jonas auch schon wieder die Bühne räumen. In der Zwischenzeit hatte sich die Kleine Freiheit doch noch etwas gefüllt.

Enno Bunger betraten die Bühne, allerdings nicht wie gewohnt zu dritt, sondern sie hatten tatsächlich eine Überraschung dabei, wie sie es in unserem Interview auch erwähnt hatten. An wechselnden Instrumenten durfte sie ein Herr namens Onno Dreier begleiten, den sie erstmal als Briten vorstellten. Es fiel mir schwer das zu glauben, aber Enno und seine Jungs sind ja immer wieder für ihre Späße auf der Bühne bekannt.

Enno BungerWomit lässt sich ein Konzert besser einleiten als mit einem akustischen Auftakt. Dieser nennt sich im Fachjargon „Präludium“ und genau diesen Titel trägt der letzte Song des neuen Enno Albums. Welch ein Wunder, dass diese Einleitung dann auch für den Auftakt gewählt worden war. Es ging direkt weiter mit „Euphorie“, „Leeres Boot“ und dann mit einem meiner Lieblinge auf „Wir sind vorbei“… dem wunderbaren Song „Roter Faden“. Live hat die Band seit meinem letzten Konzertbesuch vor etwas mehr als einem Jahr auf jeden Fall ordentlich dazugelernt. Ich weiß gar nicht genau, ob es nur dem neuen Album zuzuschreiben ist, dass die Jungs sehr viel gesetzter und erwachsener rüberkommen. Sie strahlen eine Bühnenpräsenz aus, wie sie selten bei noch recht jungen Bands zu finden ist. Dem fröhlichen Deutsch-Pop haben sie ja Gott sei Dank den Rücken zugekehrt. Natürlich durften aber auch die altbekannten Titel von „Ein bisschen mehr Herz“ nicht fehlen. „Weltuntergang“ und „Herzschlag“ mussten natürlich sein. Enno erzählte zwischen den Songs wieder Geschichten aus seinem Leben. Die wohl beste brachte er im Zusammenhang mit „Hier & Jetzt“, der anscheinend immer wieder gerne für Hochzeiten oder Ähnliches benutzt wird. Auch seine damalige Freundin vermutete einen Antrag als sie den Song das erste Mal hörte, dabei hatte Enno während des Songwritings eigentlich nur Fußball im Kopf. Er wollte eine Hymne schreiben, die die Spieler beim Lauf aufs Spielfeld begleiten kann. Heraus kam „Hier & Jetzt“. Da bemerkt man wieder ein Mal wie zweideutig Worte sein können.

Nach dem fröhlichen Ausflug zum alten Album, folgten mit „Astronaut“ und „Die Flucht“ die beiden experimentellsten Titel auf „Wir sind vorbei“. Eine musikalische Richtung, die die Band laut eigener Aussage auch gerne in Zukunft verfolgen würde. Darauf freue ich mich jetzt schon.

Den vorläufigen Abschluss des Abends machte „Regen“, der sich nach und nach als mein Lieblingssong verfestigt hat. Am Liebsten wäre es mir gewesen, wenn sie den Abend mit diesem Titel hätten ausklingen lassen, aber nun gut… es folgte noch „Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung“. Da dieser Abend aber wirklich einzigartig war und definitiv in meiner Hitliste für die besten Konzerte 2012 aufgenommen werden wird, soll ihnen dieser Fauxpas nochmal verziehen werden.

Enno Bunger sind live wirklich ein Genuss. Zwischen den Songs witzig, und ja… es gab auch Ostfriesenwitze, während der Lieder konzentriert und einfach mittendrin. Die Viererkombination war live absolut interessant und ergab Mischungen, die es vorher zu dritt einfach nicht gab. So wechselten sich die Musiker an ihren Instrumenten ab, selbst eine Fahrradfelge samt Speichen kam zum Einsatz um den Songs den letzten Schliff zu verpassen. Schade, dass Enno Bunger nur so selten vorbei kommen. Ich weiß auf jeden Fall, warum ich den weiten Weg vom Ruhrgebiet bis nach Niedersachsen auf mich genommen habe. Gelohnt hat es sich alle Mal.


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Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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