Konzertberichte

Enno Bunger + Aufbau West, AMP, Münster, 25. Februar 2011

Endlich durfte ich mal wieder meinem Lieblingsclub wegen eines Konzerts einen Besuch abstatten. Aufgerufen hat mich eine Band namens Aufbau West. Die sind noch ganz neu und kommen aus Geseke bei Paderborn. Moment, Geseke? Kommen da nicht auch Flo Walzer her? Korrekt. Die Band ist Flo Walzer, aber irgendwie auch nicht. Es ist eine Weiterentwicklung davon. Florian und Pascal (Ex-Flo Walzer) haben sich nämlich mit Jendrik und Martin noch die Hälfte von Just us and Jonas aus Münster an Bord geholt und wollen nun gemeinsam den Weg ins Musikbusiness bestreiten.

Am letzten Freitag im Februar gaben die vier Jungs ihre Livepremiere und das auch noch im Vorprogramm von Enno Bunger, die das letzte Mal Ende 2009 im Amp zu Gast waren. Damals spielten sie als Support einer schwedischen Band vor sehr viel weniger Menschen. Die Freude darüber, dass die Tanzfläche des Amp so gut gefüllt war, war dem entsprechend natürlich groß. Die knapp 100 Gäste waren allesamt ziemlich begeistert von dem, was uns auf der kleinen Kellerbühne präsentiert wurde.

Und tatsächlich gab es doch Einige, die nur wegen Aufbau West den Weg ins Amp gefunden haben. Zwischen vielen neuen Songs gab es auch für diese Menschen ein paar altbekannte Flo Walzer Titel zu sehen und zu hören. Die klangen schon anders, aber trotzdem vertraut. Und so hörte man genau wie sonst bei den Flo Walzer Konzerten, schon ein paar Stimmen aus dem Publikum, die jedes Wort mitsingen konnten, zumindest bei den alten Songs.

Ich muss ja zugeben, dass ich ins Amp ging, ohne vorher auch nur einen Titel von Aufbau West zu kennen. Die halten sie nämlich immer noch strikt unter Verschluss. Im Studio waren sie… natürlich bei Dennis Scheider von Richard-Mohlmann-Records. Wo auch sonst? Wirklich gespannt bin ich auf die Veröffentlichung der aufgenommenen Songs. Und ich hoffe, dass sie sich damit nicht mehr allzu lange Zeit lassen, aber ich hörte, dass das nicht der Fall sei.

Der Name an sich und auch die musikalische Herkunft der vier impliziert natürlich, dass hier auf Deutsch gesungen wird. Flo hat seine akustische gegen eine E-Gitarre ausgetauscht, Jendrik bedient wie damals auch bei Just us and Jonas den Bass, genau wie Pascal die Drumsticks. Auch neu ist Martin hinter einem oder gleich zwei Keyboards stehen zu sehen. Bei einem Song wechselte er allerdings auch wieder zurück an die Gitarre.
Ich kann nur sagen, dass sie mich live wirklich überzeugen konnten und dass wohl niemand bemerkt haben dürfte, dass sie tatsächlich erst seit ein paar Monaten zusammen spielen.

Nach dem Auftritt hoffte ich inständig auf eine Zugabe, aber die drei sympathischen jungen Herren von Enno Bunger wollten ja auch noch an die Reihe kommen. Und das durften sie natürlich.

Nach einer kurzen Umbaupause ging es weiter mit deutschsprachiger Musik. Und bereits nach den ersten Klängen war ich äußerst positiv überrascht. Da ich nicht unvorbereitet das Konzert besuchen wollte, mir der Name Enno Bunger zwar geläufig war, ich aber nicht genau wusste, was sich dahinter verbirgt, verbrachte ich am Tag vorher ein paar Minuten auf einer der Internetpräsenzen der Band. Danach mein etwas vorschnelles Urteil: Zu Deutsch, zu poppig, zu ruhig.

Aber die drei Ostfriesen schafften es in kürzester Zeit mich eines Besseren zu belehren. Mit „Herzschlag“ starteten sie direkt in ein absolut energiegeladenes Set. Gar nicht zu ruhig, auf keinen Fall zu poppig und na ja, man kann tatsächlich auch auf Deutsch singen ohne gleich in einer Kitsch-Schlager-Ecke positioniert zu werden. Das Pianospiel ließ in meinem Kopf Verknüpfungen zu Coldplay entstehen, allerdings ist das, was Enno, Bernd und Nils machen, für mich um Einiges ehrlicher, weniger pathetisch, einfach echt. Enno klopfte gehörig den Staub aus den alten Teppichen des Amp. Ich habe noch nie gesehen, dass es einer der Musiker auf der Bühne geschafft hat diese Teppiche zu bewegen. Enno schon – und das auch noch sitzend am E-Piano.

Zwischen den Songs unterhielt er uns mit lustigen Anekdoten aus seinem Leben. Wir bekamen auch noch eine interessante Version von einem Song eines Herrn Namens Hans Peter Irgendwas zu hören. Der Gute wuchs ebenfalls in Leer auf und von daher lag diese Hommage natürlich nahe. Ich glaube dieses Lied nannte sich „Hyper Hyper“ und soll wohl in den 90ern ein Hit gewesen sein.

Neben den Titeln, die auf dem Album „Ein bisschen mehr Herz“ vertreten sind, spielten die drei auch noch einige ihrer neuen Songs, die in Kürze auf einem zweiten Album zu finden sein werden.
Natürlich können die drei Ennos, wie sie einige liebevoll nennen, auch ruhigere Klänge anstimmen. Und so meinte ich schon bei dem ein oder anderen fast ein paar Tränen fallen zu sehen. Aber… warum muss denn auch alles so kompliziert sein? Diese Frage hat sich wohl jeder schon mal gestellt und von daher ist es auch kein Wunder, dass diese Ehrlichkeit dann auch mit echten Gefühlen belohnt wird.

Dem Publikum gefiel es auf jeden Fall scheinbar sehr und so forderte dieses auch lautstark eine Zugabe als die Jungs nach einer positiv gefühlten Ewigkeit die Bühne verließen. Zwei Titel bekamen wir dann noch zu hören, bevor der Vorhang geschlossen wurde und die Fieber Tanzparty begann.

Selbstverständlich verließ ich das Amp nicht ohne den Silberling von Enno Bunger, den ich an dieser Stelle allen Freunden von guter deutschsprachiger Musik ans Herz legen möchte.

Fotos: Chiara WhiteTapes mehr hier

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