Konzertberichte

Emanuel And The Fear, Fachwerk Gievenbeck, Münster, 22. Januar 2012

Mit bis zu elf Köpfen handelt es sich bei Emanuel And The Fear eigentlich schon um ein wahres Rock-Orchester, das laut diversen Berichten mit einer enormen Wucht und riesiger klanglicher Vielfalt weltweit über Bühnen tobt. Für ihre kleine Tour zur Unterstützung ihrer neuen EP „Hands“, haben sie gleich fünf Köpfe zu Hause gelassen und kamen in „kleiner“ Besetzung.

Bei ihrem Abstecher nach Münster wurden sie dann auch gleich von den Gleis 22 Machern in eine ganz besondere Location verlegt. Statt typischer Konzert-Club-Atmosphäre am Münsteraner Hauptbahnhof führte der Weg nun vorbei an der britischen Kaserne in ein Wohngebiet in Münsters schönsten Vorort Gievenbeck. Dort im Stadtteilhaus Fachwerk finden des öfteren Konzerte statt und am vergangenen Sonntag fand sich nun die Band aus Brooklyn in Cafe-Atmosphäre am frühen Nachmittag dort ein. Zu Kaffee und Kuchen wurde also auch noch beste Livemusik geboten.

Das Fachwerk war an diesem Sonntag trotz früher Konzertstunde bestens gefüllt und die Vorfreude auf Emanuel And The Fear war bei allen Anwesenden spürbar. Gut gelaunt aber auch ein wenig angespannt betraten die sechs Musiker aus Brooklyn um ca. 17 Uhr die Bühne. Sänger Emanuel Ayvas eröffnete mit dem Versprechen, eine Rock-Show liefern zu wollen und, dass er sich auf das, was kommt freut. Das, was dann kam, war nicht unbedingt das, was man aus einer Mischung von akustischer Gitarre, E-Bass, Geige, Cello, Drums und Querflöte erwarten würde.

Statt ruhiger Töne fabrizierte die Band lauten Akustik-Rock, der in ruhigen Momenten eine ähnliche Wirkung, wie der kaleidoskopische Frickel-Pop von Sufjan Stevens entfaltete, um in lauten Momenten in eine ähnlich psychedelische Richtung zu gehen, wie Portugal.TheMan. Nach einigen Songs sagte Emanuel, für ihn sei es ein wenig ungewohnt so reduziert zu spielen, da die Songs sonst mit vielen Verstärkern, Effekten und Verzerrung sehr wuchtig daher kämen. Mit Blick auf seine Kollegen an den klassischen Instrumenten fügte er noch hinzu, dass es für sie vermutlich eine wahre Wohltat wäre, da sie sonst keine Chance haben, sich im Getöse zu hören.

Wobei man schon wirklich relativieren muss, denn trotz Reduzierung auf sechs Mitglieder war das Sextett häufig sehr laut und steigerte sich in wabernden Kompositionen immer weiter empor. Dadurch entstanden zwar auch Längen aber im Großen und Ganzen bot die Band etwas mehr als eine Stunde beste Rockmusik in ungewohnter Umgebung. Zurecht ernteten sie für ihre Vorstellung frenetischen Applaus und mussten nach zwei Zugaben lange Schlangen am Merchstand abfertigen, wo nicht wenige der Besucher ihre Hände an die Ende Januar veröffentlichte EP „Hands“ legen wollten.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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