Konzertberichte

Eight Legs – Werkstatt, Köln, 8. März 2008

Dass Mode und Rockmusik eng verbunden sind ist ja nicht erst seit der On / Off Beziehung von Pete Doherty und Kate Moss bekannt. So verwundert es auch nicht, dass eine bis vor einigen Monaten noch gänzlich unbekannte englische Punkband über einen Auftritt bei einer Dior Fashion Show zu schneller Bekanntheit bei einem größeren Publikum gelangt. Soviel also zur Vorgeschichte der Eight Legs. Wie sich das für vier süße Jungs aus England gehört sind bei ihrem ersten Köln-Konzert als Headliner natürlich auch überdurchschnittlich viele Indie-Girls anwesend, die sich inzwischen von Tokio Hotel emanzipiert haben und sich nun erwachsenem Punk zu widmen.

Eröffnet wird der Konzertabend in der Werkstatt von drei Jungs aus München, die sich Blek le Roc nennen und Brit Pop irgendwo in der kleinen Nische zwischen Feeder und Travis spielen. Das klingt nicht spannend, muss es auch nicht, es reicht zum Schwelgen und mitwippen. Der Sänger ist sympathisch, kommuniziert freundlich mit dem Publikum und die Songs sind eingängig. In schöner Regelmäßigkeit wird während des Sets noch der Bandname genannt und den Eight Legs für die Chance und die tolle Tour gedankt. Nach ca. 30 Minuten sind Blek le Roc dann durch und das Warten auf Eight Legs beginnt. Verkürzt wird die folgende Umbaupause jedoch durch eine zufällig gemachte Beobachtung, bei dem wieder die Verbindung von Mode und Rockmusik klar wurde. Es hat sich scheinbar eine Modelagentin unters Publikum gemischt, die nun alle süßen Indiejungs ansprach, ob sie nicht Lust hätten mal in der Agentur vorbeizukommen und ein paar Fotos zu machen, sie sucht Indieboys für Kunden wie Adidas, usw. Sehr witzig, besonders wenn Jungs auf die Frage nach ihrem Alter dann antworten sie seien 14 und müssten erst noch ihre Eltern fragen. Diese Beobachtung macht auch klar, dass man sich an diesem Abend mit einem Alter von 24 Jahren schon zum älteren Eisen zählen durfte. Nach einer kurzen Umbaupause kamen die Eight Legs in selbst beklebten weißen T-Shirts auf die Bühne, eine Art Punk-Fashion. Die Eight Legs hauen gleich zu Beginn die Hits des Albums raus und heizen die Stimmung im Publikum gut an. Auf jedem anderen Konzert hätte man jetzt ein Mosh-Pit gehabt in dem sich Mittzwanziger wild durch die Gegend schubsen, nicht an diesem Abend, sind doch zu 65 % junge Mädels anwesend, die den Gitarristen anhimmeln und Teenager-Jungs, die die Mädchen anhimmeln und mit dem Sänger mitgrölen. Sehr Punk ist das nicht, aber was ist Punk denn heute schon noch anderes als Mode? Weder die Eight Legs, noch die anwesenden Teenager sind alt genug um Punk miterlebt zu haben, macht auch nichts, es ist eher so eine zweite Generation Punk, die sich die bekannten Symbole, die Musik und vor allem die Mode der späten Siebziger / frühen Achtziger zu eigen macht und sie mit eigenen Elementen auffüllt. Das ist vielleicht nicht originell, aber besser als Tokio Hotel und es macht an diesem Abend wirklich Spaß zu sehen, wie eine junge britische Band, die mit Brit Pop groß geworden ist auf der Bühne zu Musik, die so auch von alten Helden stammen könnte, ein Feuerwerk abfackelt und sich vollends verausgabt. Ganz Punk ist der Hauptteil des Konzerts dann auch nach 40 Minuten vorbei und die Eight Legs kommen nach kurzer Pause noch einmal zurück um drei Zugaben zu spielen und sich völlig verausgabt beim Publikum zu bedanken.

Iain WhiteTapes

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