Konzertberichte

Eight Legs + The Blue Sinners – Münster, AMP, 20. September 2008

Die Eight Legs haben wir bereits im März diesen Jahres kurz nach dem Release ihres Debütalbums in der Kölner Werkstatt gesehen. Da wussten sie durch ihre Mischung aus Indie Rock mit eingestreuter Pankattitüde durchaus zur überzeugen, vor allem auch das jüngere Publikum. Die Freude, die blutjungen Engländer nun im heimischen AMP, Münster’s Kuschelsofa, zu sehen war da natürlich groß.

Eröffnen durften an diesem Abend im AMP, die Hamburger von The Blue Sinners, die leider stilistisch so gar nicht zum Hauptact passen wollten. Sie spielten uninspiererte Rockmusik ohne nennenswerte Highlights. Die Stücke pendelten irgendwo zwischen Powerpop und Rock, das einzig erwähnenswert Positive an The Blue Sinners ist der recht originelle Name und die sympathische Hamburger Schnauze, mit der die Jungs in den Songpausen mit dem Publikum kommunizierten.

Tiefpunkt des knapp 30 minütigen Sets war dann eine Coverversion des Songs „It’s All Over Now“ von Bob Dylan, der nicht nur noch unorigineller vorgetragen war als eine Beatles-Coverversion von Thomas Godoj, sondern bei dem der Sänger sogar noch den Text vergaß. Bob Dylan saß vermutlich zeitgleich irgendwo beim Mittagessen und wunderte sich, warum es ihn gerade schaudert.

Da war es verständlicherweise eine richtige Wohltat, als die Eight Legs um 22:45 Uhr die Bühne betraten, wie immer in mit Klebestreifen beschriebenen T-Shirts. Der Blick ins Publikum offenbarte zu diesem Zeitpunkt eine ähnliche Mischung, wie schon im März in Köln, wie die Eight Legs auch selbst zuvor im Interview anmerkten, waren viele junge Mädchen anwesend.

Von Anfang an merkte man aber mit Ausnahme von Sam eine gewisse Müdigkeit beim Spielen. Sänger Jack sang auf seine leicht lethargische Weise, aber wirkte zudem noch so uninteressiert, dass man fast das Gefühl hatte, er wäre gerade lieber an jedem anderen Ort, als auf der Bühne des AMP. Witzig hierbei auch, dass der Mikroständer des AMP zu groß für ihn war und deshalb vor die Bühne gestellt werden musste, so dass Jack sich immer einiges weiter nach vorn lehnen musste, als er es vielleicht von anderen Shows gewohnt ist.

Trotz diese gewissen Müdigkeit spielten die Eight Legs ihre Songs gewohnt lässig runter. Dieses runterspielen ließ dann aber eben diese gewisse Spielfreude vermissen, die eine richtig gute Live-Band auszeichnet. Auch der gekonnte Umgang mit technischen Schwierigkeiten zeichnet eine gute Live-Band aus und da konnten die Eight Legs wenig punkten. So musste der Joel (Roadie und Tourmanager der Band) sogar ran, als Gitarrist Sam das Kabel aus seiner Gitarre gerutscht war.

Statt nämlich diesen simplen Handgriff selbst zu vollziehen ärgerte sich Sam, dass es nicht schneller ging und schaute ein wenig abfällig drein. Vielleicht darf man von einer Band Anfang 20 auch noch keine Live-Show, wie bei Maximo Park erwarten, aber die waren auf ihrer ersten Tour in Deutschland schon ähnlich routiniert und mitreißend, wie heute. Auch das Beispiel Blood Red Shoes, wo Steven sein Schlagzeug selbst aufbaut und ausrichtet, zeigt, dass auch junge Bands sich schon selbst um ihre Instrumente kümmern können, von der Live-Show der Blood Red Shoes mal ganz abgesehen, die der der Eight Legs schon einiges voraus ist.

So zeigten die Eight Legs in ihrem knapp 60 minütigen Set, dass sie zwar gute Songs haben, die auch überaus tanzbar sind und von der Band auch gut vorgetragen sind, was der Band eben noch zu fehlen scheint ist eine mitreißende Bühnenpräsenz, die andere Bands im gleichen Alter schon entwickelt haben.

Set-List:

Wear That Shirt
Vicious
These Grey Days
Eight Legs
Pass The Bucket
Simple Life
Split Milk
Newest Song
Blood, Sweat & Tears
Tell Me What Went Wrong
Just So You Know
Can’t Slow Down
Staring At The Sea
Freaking Out The Nieghbours

Zugaben:

Time To Go To Bed
Hopes Away
(Sixties)

Mehr Fotos hier

Ariane WhiteTapes

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