Konzertberichte

Dry the River + The Dope, Luxor Köln, 09. April 2015

Dry The River - Luxor, Köln

Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seitdem Dry The River das letzte Mal in Deutschland gastierten. Eine lange Zeit, in der die Band aber nicht auf der faulen Haut lag. Seit der Veröffentlichung ihres Debüts „Shallow Bed“ im März 2012 haben sie über 300 Konzerte gespielt und seit Mitte 2013 am neuen Album „Alarms In The Heart“ gefeilt, dass dann seit August letzten Jahres in den Regalen zu finden ist.

So wurde es mehr als Zeit für Dry The River, endlich mal wieder deutsche Konzerthallen zu bespielen, darunter war glücklicherweise auch das Luxor in Köln.

The Dope sorgten an diesem Donnerstagabend für den Support. Zwei Jungs aus München, die mit Gitarre, Gesang und Schlagzeug auskommen und die Stimmung im Luxor angenehm aufwärmten. Auf ihrer Facebook-Seite beschreiben Sie ihre Musik als Stadion-Rock. Das ist vielleicht etwas hochgegriffen, dennoch kann man nicht viel an ihnen kritisieren. Die Musik macht Spaß, wirkt ehrlich und die beiden kamen sehr sympathisch rüber.

Kurz nach 21h wurde es auch schon wieder dunkel im Club und die 5 Mitglieder von Dry The River betraten die Bühne um ihr Set mit Alarms In The Heart zu starten. Mit „New Ceremony“ lieferten sie danach auch direkt eines ihrer bekanntesten Stücke, das freudig vom Publikum angenommen wurde.

Schade ist nur, dass die Band hier keine Violine mehr einsetzt, nachdem Will Harvey die Band Anfang 2014 verlassen hat. Obwohl auch das neueste Mitglied, Keyboarder San Felu, Violine spielen kann, scheinen sie aus irgendeinem Grund trotzdem darauf verzichten zu wollen. Trotzdem tat das der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil, es schien kaum jemanden aufgefallen zu sein, das etwas fehlte, bzw. anders war.

Wenn die Band eines perfekt beherrscht, dann sind es Songs, die sich langsam aufbauen, immer energetischer werden und in einem mitreißenden Höhepunkt enden. Darunter sind allem voran „Gethsemane“, das für einen Gänsehautmoment sorgte, aber auch das darauf folgende „Family“ und „Bible Belt“, das sie etwas später am Abend spielten. Auch „Lion’s Den“ ist nicht zu unterschätzen, am Ende des Songs werden die Briten zu richtigen Performern, die vollkommen aus sich raus gehen, die Musik zu leben scheinen und Sänger Peter Liddle sich sogar dazu hinreißen lässt, ein paar Textzeilen zu schreien.

Das Luxor war an diesem Abend zu gut drei Vierteln gefüllt. Von der Lautstärke des Applauses her, hätte man jedoch meinen können, es war mehr als ausverkauft, denn nach ausnahmslos jedem Song wurde ausgiebig lange und herzlich applaudiert. Damit hat die Band selbst und auch Peter wohl nicht gerechnet und nahm die Anerkennung dann auch freudig und mit einem Lächeln, was über das ganze Gesicht ging, an.

Dry The River - Luxor, Köln

Oft tendieren Bands bei ihrer zweiten richtigen Tour bekanntlich dazu, das Album was ihnen zu Aufmerksamkeit verholfen hat, zu vernachlässigen und größtenteils nur Stücke des neuesten Werkes zu präsentieren.

Dry The River spielten zwar bis auf zwei Ausnahmen das komplette neue Album, mit acht Stücken von „Shallow Bed“ kam aber auch das Debüt nicht zu kurz, eben eine gute Mischung aus beiden Longplayern.

In „Rollerskate“ gab es allerdings eine Art Kunstpause, in der alle 5 mitten im Song in ihrer momentanen Position verharrten. Gefühlt dauerte diese Pause bestimmt eine Minute an, zunächst war es auch ruhig im Publikum, nach und nach konnten sich aber nicht alle ein Lachen verkneifen.

Für ein paar Sekunden kommen solche Aktionen eventuell gut an, aber in diesem Ausmaß muss man auch damit rechnen, die Stimmung kurzzeitig zu drücken. Glücklicherweise passierte das nicht und sobald Peter mit „I couldn’t want you more“ ansetzte war die peinliche Stille gebrochen und vergessen.

„No Rest“, ein weiterer Publikumsliebling, sollte vorerst der letzte Song des Abends sein, es gab aber natürlich noch zwei Zugaben. „Shaker Hymns“ wurde, wie bei der letzten Tour, akustisch und mitten im Publikum gespielt. Das schien besonders gut anzukommen, hörte man in dem Moment nichts anderes als die Stimmen und Instrumente von Scott, Matt und Peter. Für die zweite Zugabe, „Weights & Measures“, kehrten die drei zurück zu Schlagzeuger Jon und Keyboarder San auf die Bühne, um ihr Können ein letztes Mal unter Beweis zu stellen und diesen gelungenen Konzertabend zu einem Ende zu bringen. Die Studioversionen der Songs klingen überwiegend sehr ruhig und so ist es kein Wunder, wenn man der Band ein so energiegeladenes Konzert nicht mehr zutraut. Live gelingt den Londonern diese Umsetzung aber allemal und die Stücke bekommen eine noch intensivere Note.

Generell fällt eine positive Entwicklung auf, so nimmt Sänger Peter auch mal für längere Zeit Augenkontakt mit dem Publikum auf oder beobachtet, wie die Musik ankommt. Bei früheren Konzerten wirkte er eher schüchtern und auch weniger kommunikativ. Zudem hat die Band mit Veröffentlichung der zweiten LP endlich genug Material, um nicht nur knappe 40 Minuten, sondern gute 75 Minuten zu spielen.

Dem bemerkenswerten Applaus nach, hat es dem Publikum definitiv gefallen und es machte auch den Anschein, dass Dry The River es genossen haben, mal wieder in Deutschland zu spielen.

Jetzt kann man nur noch hoffen, dass die nächste Tour nicht so lange auf sich warten lässt, vielleicht ja schon im Herbst dieses Jahres.

Setlist:

Alarms In The Heart
New Ceremony
Hidden Hand
Gethsemane
Family
Lion’s Den
It Was Love That Laid Us Low
Everlasting Light
Rollerskate
Bible Belt
History Book
Med School
Vessel
Hope Diamond
No Rest

Shaker Hymns
Weights & Meisures

Fotos: Stephanie Häupl

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