Konzertberichte

Douglas Dare – AV Picknick, LWL Museum, 05. September 2015

Douglas Dare – AV Picknick, LWL Museum, 05. September 2015

Fast zwei Jahre ist es nun schon her, dass Douglas Dare seine Debüt-EP „Seven Hours“ veröffentlichte und beinahe eineinhalb Jahre sind seit seinem Debüt-Abum „Whelm“ ins Land gezogen. Damit wären wir auch schon wortwörtlich beim Thema, denn seit dem Release ist Douglas immer wieder auf Tour gewesen und dabei nicht nur durch ein Land gezogen. Mittlerweile arbeitet er an seinem zweiten Album, unterbrach die Arbeiten dafür aber für einen besonderen Auftritt im LWL Museum Münster, der dort parallel zur „Schauraum“ genannten Nacht der Museen, als Teil der AV Picknick Reihe, stattfand. Dabei kam er nicht allein, sondern hatte Drummer und Perkussionist Fabian Prynn dabei, der festes Live-Mitglied ist und seinerzeit die Produktion des in Floods Studio Assault & Battery in West London aufgenommenen Debüts von Douglas übernommen hatte.

Da das Konzert im LWL Museum stattfand, das, wie bereits erwähnt, Teil der Nacht der Museen war, warteten vor Einlass bereits zahlreiche Besucher auf die Öffnung der Türen. Dabei zeigte sich auch schon die bunte Mischung aus Musikinteressierten, die den Künstler kannten und Kunstinteressierten, die mitbekommen hatten, dass ein Musiker auftreten würde.

Wegen des Andrangs war der Vortragssaal des LWL Museums, in dem Douglas Dare auftreten sollte, schnell gefüllt und im Raum entstand eine drückende Hitze. Wie beim AV Picknick üblich, nahmen viele Besucher auf Decken vor der Bühne Platz, was gerade die neugierigen Museumsbesucher mit skeptischen Blicken bedachten. Leider nicht die einzige Situation, an der man merkte, dass das LWL Museum zwar eine tolle Location für das Konzert war, jedoch der Termin vielleicht nicht der glücklichste. Teil des AV Picknick ist auch, dass nicht nur Musiker spielen, sondern die Bands auch von Videokünstlern begleitet werden. Ursprünglich sollten diese im Außenbereich des Museums an die riesige Außenwand projiziert werden, doch wegen des schlechten Wetters musste in den Vortragssaal ausgewichen werden.

Dort begann das Konzert mit ein klein wenig Verspätung mit einem in spärliches Licht getauchten Douglas Dare, der sich schüchtern vorstellte und mit seinen wunderschönen, zärtlich berührenden Songs begann. Die links und rechts von ihm und Drummer Fabian projizierten Videocollagen, die live gemischt und auf die Musik abgestimmt wurden, verliehen den Stücken eine noch größere Tiefe und machten das Konzert noch ein klein wenig einzigartiger. Nachteil daran ist natürlich die schlechte Ausleuchtung der Bühne, weshalb man von den Musikern meist nicht genug gesehen hat, um Nuancen im Gesichtsausdruck bei der Perfomance wahrzunehmen.

Dennoch entwickelte sich eine intime Atmosphäre, die besonders dicht wurde, wenn Douglas Songpausen ausließ und zwei Stücke ineinander übergehen ließ. Das war vielleicht auch Taktik, denn in den vorhandenen Songpausen wurde man ab und zu jäh aus seiner wohligen Melancholie gerissen, wenn jeweils bis zu zehn Kunstinteressierte, die aus Neugier im Saal Platz genommen hatten, den Saal wieder verließen, um sich anderswo im Museum umzusehen. Das sorgt für einen ausgedehnten Publikumsaustausch und vor allem dafür, dass andere Interessierte, die vor dem Saal ausharrten, doch noch die Chance bekamen Douglas Dare zu sehen. Der ließ sich davon nicht großartig stören und versuchte zwischen den Stücken ein wenig zu plaudern. So erzählte er davon, dass er Nachts nach Deutschland geflogen sei und bisher weder geschlafen habe, noch die Gelegenheit hatte sich zu duschen. Er schwärmte vom Museum, durch dessen Ausstellung er tagsüber geschlendert sei und beklagte sich, wie der Rest des Publikums, immer mal wieder über die Hitze, bis er schließlich sein dickes Hemd auszog und im Tank-Top weiter spielte.

Zu hören gab es größtenteils die Songs seines Debüts, aber auch einige Stücke vom neuen Album. Der deutliche Unterschied zu den Aufnahmen ist live, dass die Percussions und Drums viel deutlicher zum Einsatz kommen und die Stücke dadurch einen teils elektronischeren, teils souligeren Touch bekommen. Das stand ihnen aber sehr gut zu Gesicht und machte das etwas mehr als eine Stunde andauernde Konzert zu einem mitreißenden Erlebnis. Ein Erlebnis, an dessen Ende es Veranstalter Wilko Franz noch gelang, Douglas Dare für einen weiteren Song als Zugabe auf die Bühne zu bitten, nachdem dieser zuvor bereits zwei andere Stücke als Zugabe gespielt hatte. Der Applaus im Anschluss war, wie nach allen Songs, frenetisch und entlockte Douglas ein verlegenes Lächeln.

Als das Licht wieder anging, leerte sich der Saal recht schnell, viele wollten schnell an die frische Luft, da es trotz während des Konzerts geöffneter Türen, immer noch recht stickig im Saal war. Interessant waren beim rausgehen auch die Fazits der Kunstinteressierten, unter denen Aussagen, wie „ich höre ja solche Musik sonst nicht, das ist mir auch zu anstrengend, aber mit diesem Kunstaspekt fand ich’s total auf eine gute Weise anspruchsvoll“. Am Merchstand bekam Douglas jedoch auch ehrlichen Zuspruch und durfte sich über einen regen Austausch mit Fans freuen, die nicht da waren, weil der Eintritt ins Muesum gratis war, sondern, weil sie Douglas Dare endlich einmal live in Münster sehen konnten. Dafür danken wir dem AV Picknick ebenfalls und freuen uns darüber, dass die Veranstalter immer wieder so großartige Künstler buchen.

Foto: Ariane WhiteTapes

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