Konzertberichte

Dear Reader, Köln, Gebäude 9, 18. April 2009

Foto: Stephanie Schorre

„Hier kommen abends mehr neue Leute zu unseren Konzerten, als wir in Süd-Afrika auf einer ganzen Tour treffen“, erzählte uns Darryl vor dem Konzert im Kölner Gebäude 9 im Interview. Bei 200 Leuten, die im Durchschnitt auf ein Dear Reader Konzert in ihrer Heimat kommen und beinahe doppelt so vielen, die ins Gebäude 9 passen eine gut nachvollziehbare Zahl. Die Rechnung scheint Darryl aber ohne das Samstagabendprogramm in Köln gemacht zu haben und so standen Dear Reader gut 200 Menschen gegenüber, als sie um ca. 22 Uhr die Bühne betraten. 200 Menschen sind im Gebäude 9 aber dennoch schon eine gute Zahl. 200 von denen auch wohl höchstens 20% ebenfalls beim Dear Reader Konzert im Kölner Museum Ludwig im Vorprogramm von Sophia anwesend waren. Bedeutet eine 500 prozentige Zuschauervermehrung für die Band innerhalb weniger Monate, das muss ihnen erst einmal jemand nachmachen. Okay, ein etwas hahnebüchenes Zahlenspiel, kommen wir lieber zu den Fakten.

Foto: Stephanie Schorre

Dear Reader haben sich seit ihrem ersten Deutschland-Besuch im November 2008 in die Herzen vieler Musikfreunde, uns nicht ausgeschlossen, gespielt. Ihr Debüt „Replace Why With Funny“ rotiert noch immer stark in unseren CD-Playern und auch im angesprochenen Interview zeigten sich Darryl und Cheri von ihrer freundlichsten Seite. Da ist die Vorfreude auf ein Konzert der Band natürlich groß. Noch größer war die Freude, als die Band auf die Bühne kam und sich neben Darryl und Cheri auch noch eine Viola-Spielerin und Schlagzeuger Mike auf die Bühne gesellten. Hier wurde auch klar, dass die Band als Quartett den Sound des Albums möglichst verlustfrei auf die Bühne transportieren wollte. Einem herzzereißenden Start machte die Band mit dem Song „Never Goes“, auf den unmittelbar das leichte und unbekümmerte „Way Of The World“ folgte, in dem für den Hintergrund-Chor Cheri’s Stimme gelooped wurde. Ein zwar bereits durch diverse andere Bands, insbesondere Final Fantasy, bekannter, aber immer wieder schöner Effekt. Noch schöner dann aber das folgende folkige „Bend“ und das auch live wunderschöne „The Same“, zu dem Drummer Mike kurz ans Mikro trat, um Background-Vocals zu liefern.

Foto: Stephanie Schorre

Überhaupt war das Zusammenspiel der Band während der Stücke perfrekt abgestimmt und Dear Reader wirkten wie eine eben vollwertige Band und nicht wie das Duo mit Gastmusikern. Da war die Viola-Spielerin genau so wichtig, wie Darryl. Die allerschönsten Minuten des Abends folgten dann mit dem schönsten Lied des Albums, nämlich in Form von „Great White Bear“. Zu diesem Zeitpunkt hätten Dear Reader die Bühne verlassen können und wir hätten beseelt das Gebäude 9 verlassen. Die Band spielte aber noch einen Song, um danach sogar noch für zwei Zugaben zurück zu kehren und die Gewissheit zu hinterlassen, dass man eines der schönsten Konzerte seit langem gesehen hat. So würde es uns auch nicht wundern, wenn beim nächsten Dear Reader Konzert wieder 5 x so viele Fans anwesend sind, The Arcade Fire spielen schließlich inzwischen auch im Palladium und nicht mehr wie anfangs im Gebäude 9.

Fotos: Stephanie Schorre, mehr hier

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