Konzertberichte

Darwin Deez, Gleis 22, Münster, 8. März 2011

Dass das Konzert von Darwin Deez im Gleis 22 innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft sein würde, hätte sich wirklich jeder denken können nach der erfolgreichen Minitour des Amerikaners im September letzten Jahres. Das Gleis füllte sich also ziemlich schnell mit ziemlich vielen Menschen, die alle gespannt waren auf den merkwürdigen Lockenkopf aus New York City.

Zunächst gaben sich die vier Iren von Rams‘ Pocket Radio die Ehre. Leider hat da ein Tontechniker irgendwie Mist gebaut, weshalb das E-Piano des Sängers viel zu laut eingestellt war und alles andere penetrant überschallte. Sehr schade… denn das, was ich mir zuvor im sogenannten Social Network von ihnen anhörte, klingt eigentlich richtig gut. Ich hoffe, dass sie bei den weiteren Konzerten mit Darwin mehr Glück haben.

Die Überraschung des Abends war für mich Totally Enormous Extinct Dinosaurs. Ich bin nicht unbedingt als Freund elektronischer Musik bekannt, aber das, was dieser Dinosaurier im Gleis ablieferte, war wirklich großartig. Ein perfekter Einstieg mit Federn und bunten Ketten. Da gab ein Freak dem anderen die Klinke in die Hand. Und das ist auf keinen Fall böse gemeint, sondern sollte als Kompliment aufgefasst werden. „Household Goods“ habe ich auf jeden Fall immer noch im Ohr und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Nach diesem außergewöhnlichen Support schloss sich der dunkle Vorhang vor der kleinen Bühne und die Spannung der Wartenden stieg fast ins Unermessliche. Nach TEED konnte ja kaum noch jemand die Füße still halten. Als es hinter dem Vorhang ruhig wurde, war klar, dass es nicht mehr lange dauern kann bis der gute Darwin auftauchen würde.

„Hi Monster (was wohl Münster heißen sollte, aber das ist ja auch ein schwieriger Name). We’re Darwin Deez and we’re from New York.“

Und so startete Darwin plus Band mit einer lustigen Tanzeinlage in den Abend. Dieser Mann hat einfach Spaß und das schwappt einfach nur in riesengroßen Wellen über auf das Publikum. Es wird ausgiebig getanzt und das nicht nur auf sondern auch vor der Bühne, mal fällt Darwin hin, bleibt lachend am Boden liegen, springt dann wieder auf, um sich im nächsten Moment schon wieder die Gitarre um den Hals zu hängen und weiter zu singen.
Bei „Bad Day“ konnte er vor Lachen kaum noch ein Wort hervorbringen. Man könnte natürlich meckern und sagen, dass das unprofessionell wäre, aber nein. Es ist sympathisch.

Bei „Constellations“ stimmte das Publikum den kleinen und im Song schön verpackten Kinderreim an und sang solange mit bis der gute Darwin sich vom Mikro entfernte, um uns singen zu lassen. Und prompt herrschte Stille. Irgendwie traute sich keiner so recht weiter zu singen. Was macht man daraufhin als Sänger auf der Bühne? Na, loben natürlich und ein wenig nachhelfen… ganz leise. Und schon sangen alle weiter.

Das Highlight des Abends war für mich definitiv sein Song „Radar Detector“, der es mir schon auf der Platte und natürlich auch in Form des lustigen und wirklich einzigartigen Musikvideos total angetan hat. Ein Ohrwurm, der seines Gleichen sucht.

Irgendwann im Laufe des Abends kommt immer der Punkt, an dem eine Band die Bühne verlässt, um sie dann kurze Zeit später wieder zurück zu erobern. Zeit für Applaus, für Zugabe-Zugabe-Rufe und Gekreische. All das erledigte das Münsteraner Publikum selbstverständlich brav. Die mit Stickern übersäte Tür zum Backstageraum, der sich direkt neben der Bühne befindet, ging immer mal wieder auf, ein Kopf lugte heraus und dann wurde sie wieder geschlossen. Verwirrung. Kommen sie nun wieder oder nicht? Dann kam der Drummer zurück. Alles jubelt. Er geht zu seinem Schlagzeug, holt sein Bier, das er dort vergessen hat und verschwindet wieder. Verwirrung. Lautere Zugabe-Zugabe-Rufe. Nichts passiert. Als wohl schon alle dachten, dass war‘s jetzt, guckte ein lockiger Kopf aus der Tür und trat den Weg zurück zur Bühne an. Der Rest der Band folgte und weiter ging die Party.

So kann man Darwins Auftritte eigentlich am besten zusammenfassen. Er feiert auf der Bühne eine Party und wir dürfen teilhaben, mitmachen oder auch nur zuschauen. Jeder wie er es am liebsten hat.

Fotos: Chiara WhiteTapes

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