Konzertberichte

Damien Rice – 1Live Radiokonzert, Altes Pfandhaus, Köln, 09. Dezember 2014

Damien Rice - 1Live Radiokonzert, Altes Pfandhaus, Köln, 09. Dezember 2014

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit. Das muss sich auch 1Live gedacht haben und machte 200 Damien Rice Fans ein ganz besonderes Geschenk. Der größte Radiosender in NRW beschloss nämlich den Iren, der vor ein paar Tagen 41 Jahre alt wurde, in den Sektor zu holen, nachdem er in diesem Jahr bisher nur ein einziges Deutschland-Konzert im Berliner Admiralspalast und einen Popup-Gig im Hotel Michelberger gespielt hat. So bekamen NRW Fans nun doch noch die Möglichkeit, den Singer Songwriter in diesem Jahr live zu sehen und zwar in deutlich intimerer Atmosphäre, als bei seinem letzten Besuch in der Domstadt. Damals spielte er nämlich im Palladium vor gut 5000 Menschen. 1Live lud jedoch in das Alte Pfandhaus, eine Location, in die knapp 200 Besucher passen. Ein unwesentlich intimerer Rahmen also.

Wie das beim Radio so üblich ist, wurden die Zuschauer vor dem Auftritt des Künstlers erst einmal für das kommende Konzert eingewiesen. Die Rolle des Anheizers übernahm dabei 1Live Moderator Simon Beeck, der für den Ü-Wagen warmklatschen ließ und kündigte dann nach einer kurzen Schalte ins Studio den Star des Abends mit den Worten „meine Damen und Herren – auf diesen Moment bin ich besonders stolz – hier kommt Damien Rice!“ an.

Wie bei seinen Auftritten in den letzten Jahren, kam Rice ganz allein auf die Bühne und stimmte zunächst schüchtern und wortlos das erste Stück des Abends an. Nach den ersten Stücken, bei denen der Fokus natürlich vor allem auf dem neuen Album „My Favourite Faded Fantasy“ lag, öffnete sich der Ire jedoch und wurde deutlich gesprächiger.

Damien Rice - 1Live Radiokonzert, Altes Pfandhaus, Köln, 09. Dezember 2014

Er erzählte nun in den Songpausen ausführlich, wie es zu manchen Songs kam und wovon sie handeln. Dabei driftete er häufig ab, verzettle sich das ein oder andere Mal und unterbrach sich öfters selbst, um den ab und zu verlorenen Faden wiederzufinden. An den kleinen Geschichten merkte man, wie sehr Damien Rice in seinen Songs aufgeht und wie sehr es ihm am Herzen liegt, etwas zu ihnen zu erzählen. Keine Ansage schien einstudiert, oder überhaupt vorbereitet. Sie zeigten einen sympathischen Songwriter, der die Nähe zu seinem Publikum genießt, das an diesem Abend nicht nur sprichwörtlich vor ihm kniete.

Knapp eine Stunde war für die Ausstrahlung des Auftritts angesetzt, Rice hängte nach dem Ende der Übertragung aber noch mal fast die gleiche Zeit ran. In dieser bot er einen gelungenen Querschnitt aus seinen mittlerweile drei Alben. Dabei zeigte sich auch schnell, dass sich die neuen Songs, wie das wunderschöne „The Greatest Bastard“ und das romatische „I Don’t Want To Change You“ perfekt in das Liveprogramm von Damien Rice einfügen.

Besondere Schmankerl waren für die meisten der etwas mehr als 200 Fans aber wohl die alten Stücke der Alben „O“ und „9“, wie „Delicate“, „9 Crimes“ und „Volcano“. Letzteres gehörte auch zu den Stücken, bei denen Damien Rice das Publikum um Unterstützung bat und den Raum in drei Stimmen unterteilte, um einen mehr oder weniger harmonischen Kanon anzustimmen (den ihr hier im 1Live Video bestaunen könnt). Besonders beeindruckend an Damien’s Auftritt war aber die Lautstärke, die sein Set teils erreichte, so haute er bei „Elephant“ beispielsweise so in die Saiten seiner semi-akustischen Gitarre, dass man dank der Unterstützung des Stroboskop-Lichts auch hätte denken können, hier stünde eine vierköpfige Band.

Nach knapp eineinhalb Stunden Spielzeit, verabschiedete sich Damien Rice, unter stehenden Ovationen und leicht verlegen, zunächst, kam aber recht schnell für drei Zugaben zurück. Der Teil des Abends, auf den die meisten vermutlich gewartet hatten. Denn mit „Cannonball“ und „The Blower’s Daughter“ spielte er seine größten Hits zum Schluss. Ein wunderschöner Abschluss für einen einzigartigen Abend, den man so wohl nur selten erlebt.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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