Konzertberichte

Conor Oberst and the Mystic Valley Band + Sky Larkin, Köln Gloria, 11. September 2008

Conor Oberst in Deutschland? Das ist nicht erst seit „Cassadaga“ ein Pflichttermin. Erst recht natürlich anno 2008, da 1. Conor nicht mit den Bright Eyes kommt, und 2. Sky Larkin aus Leeds ihn supporten. Von Sky Larkin waren uns bisher nur drei Songs bekannt, aber wir waren gespannt darauf, ob der aufkommende Hype um diese Band gerechtfertigt sein würde.


Um 20:15 Uhr betraten Sängerin Katie, Bassist Doug und Duracell-Häschen Nestor dann die Bühne und alle Jungs im Saal schienen sich spontan in Katie zu verlieben. Sky Larkin wurden dann auch tatsächlich den Erwartungen gerecht und lieferten absolut tanzbare Indiesongs irgendwo zwischen Kate Nash ohne Firlefanz und Los Campesinos! in reduziert ab. Sängerin Katie machte allerdings ihr Mikro zu schaffen, dass ihr immer wieder kleine Stromschläge verpasste, seltsam auch, dass ihr trotz mehrfacher Bemerkungen, dass das weh täte und ob jemand da mal was machen könnte niemand etwas unternahm, aber sich über die Technik-Crew im Gloria zu wundern, ist etwa so, als wäre man überrascht, dass es eine große Kirche mitten in der Kölner Innenstadt gibt.


Sky Larkin machten aber professionell weiter und bewiesen, dass sie den Hype wert sind. Zu sagen, von dieser Band wird man noch hören wäre wohl untertrieben. Ein ganz großer Knaller des Sets waren insbesondere der Song „Molten“ (auch hier im Download), den sogar Teile des Publikums mitsingen konnten und die nächste Single „Fossil, I“. Ein guter Auftritt von einer der Bands 2009. Erstaunlich war auch, wie gut der von Conor Oberst grundunterschiedliche Sound der Band an diesem Abend ankam. Im November sind Sky Larkin übrigens im Vorprogramm von Los Campesinos! wieder in Deutschland unterwegs, mehr von ihnen dann natürlich bei uns.


Nach 30-minütiger Umbaupause nach Sky Larkin betrat auch endlich Conor Oberst nebst Mystic Valley Band die Bühne. Conor Oberst nun nicht mehr mit den langen Haaren, die 2007 so überraschten und die Fans polarisierten, sondern mit einer Paul MacCartney Gedächtnisfrisur. Conor zeigte sich auch von Beginn an sehr gesprächig, stellte sich erst einmal vor, dankte dem Publikum für das zahlreiche Erscheinen und kündigte an, dass er nun das Konzert beginnen würde. „Moab“ verzauberte dann auch mit den ersten Akkorden das Publikum, das für die folgenden 100 Minuten von Conor und seinen Mannen nicht mehr losgelassen wurde.


Conor machte immer wieder kleine Späßchen, was auch sichtlich am Alkohol lag, der ihm von seiner Bühnencrew reichlich gereicht wurde. Beim Anblick von Conor mit seiner Band aus gestandenen Songwritern, darunter unter anderem Nik Freitas, konnte man sich unwillkürlich an Ryan Adams and The Cardinals erinnert fühlen, die mit Ryan im Oktober 2006 zwar einen völlig anderen Sound, aber eine ähnliche Atmosphäre erzeugten.

Als der Song „Central City“ einsetzte, Conor sich an den Bühnenrand setzte, um Gitarre zu spielen und plötzlich Gesang erklang, war das Publikum sichtlich verwirrt, schnell dürfte dann aber auch der Letzte bemerkt haben, dass nun Schlagzeuger Jason Boesel (Rilo Kiley) den Gesang übernommen hat. Das sollte an diesem Abend auch so weitergehen, bei anderen Songs übernahm beispielsweise Gitarrist Taylor Hollingsworth den Gesang. Besonders kamen natürlich die Songs des Soloalbums mit Conor am Mikrofon an, dafür waren die Meisten schließlich auch hier. So erzeugte „Lenders In The Temple“ eine wohlige Gänsehaut, der Song des Abends war jedoch „Souled Out!!!“, der von einer sehr langen Version von „Milk Thistle“ gefolgt wurde.


Nach kurzer Pause folgten dann noch vier Zugaben und ein langer Applaus für einen Conor Oberst in Höchstform. Es machte einfach Spaß Conor in dieser Phase seines Schaffens zu sehen und das harmonische Zusammenspiel mit seinen Cardinals, pardon, seiner Mystic Valley Band zu bewundern. Dass Conor Oberst ein ganz Großer ist war schon etwas länger klar, umso schöner, wenn man es von ihm persönlich in 100 Minuten bestätigt bekommt. Einzig störend an diesem Abend das Gloria. Immer wieder sehr seltsam, wie ein doch schönes Theater so unangenehm riechen kann (und das auch schon vor dem Rauchverbot) und so tierisch stickig wird. Die fehlende Belüftung minderte natürlich dennoch nicht die Gewissheit ein sehr schönes Konzert gesehen zu haben.

Fotos von Ariane, mehr Fotos hier

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