Konzertberichte

Cold War Kids, Köln, Luxor, 22. Juli 2009

Seit ihrer Gründung im Jahr 2004 ging es für die Cold War Kids stetig bergauf. Bis Mitte 2006 nimmt das Quartett vier EP’s auf, mit der sie vor allem einen riesigen Hype in der Blogger-Community auslösen. Besonders der Song „We Used to Vacation“ schien sich in der Blogger-Gemeinde zu so etwas die dem Cold War Kids Überhit zu werden. Die Erwartungen an das Debüt „Robbers & Cowards“, das Ende 2006 erscheinen soll waren da natürlich extrem hoch, dennoch gelang es den Cold War Kids ein Album abzuliefern, durch das der Buzz nur noch größer wurde, was wohl vor allem an dem Übersong „Hang Me Up To Dry“ lag, der die Band auch weit über die Bloggerwelt hinaus bekannt machte. Es folgten eine Top 50 Platzierung mit der Single und eine Top 40 Platzierung mit dem Album in den englischen Charts.

Es folgten mehrere lange Tourneen, davon eine im Vorprogramm von Clap Your Hands Say Yeah, bei der wir uns im Kölner Gebäude 9 erstmals von der Live-Qualität der Jungs überzeugen konnten. Das an diesem Abend auch noch Elvis Perkins und Clap Your Hands Say Yeah mit auf der Bühne standen geriet zur Nebensache, denn die Songs der Cold War Kids überstrahlten mit ihrer dreckigen Mischung aus Blues-Rock, Rhythm’n’Blues und 50’s Charme alles andere. Als die Cold War Kids knappe zwei Monate später wieder auf der gleichen Bühne spielen sollten war das natürlich auch ein Pflichttermin, zumal sie dieses Mal Headliner sein sollten. Mit diesem Auftritt setzten sie ihrer vorherigen Performance noch einen drauf, voller Energie und Spielfreude gingen die Cold War Kids voll in ihren Songs auf, das ist es nämlich auch worum es bei einem Konzert der Jungs geht, der Song steht im Vordergrund, die Band nimmt sich komplett zurück. Ein Moment der damals sehr beeindruckend war, war als der Kurzgeschichten-Autor und Poetry Slam Meister Derrick Brown zusammen mit den Cold War Kids eine Geschichte vortrug. Dass dieser Live-Moment für mehr als zwei Jahre das letzte Live-Erlebnis mit der Band sein sollte konnte noch keiner ahnen, wurde aber leider traurige Wahrheit.

Erst jetzt, zwei Jahre später kehrten die Cold War Kids zurück in die Domstadt, nun mit neuem Album und fast 400 gespielten Konzerten Erfahrung. Eine andere neue Erfahrung für die Band war auch, dass sie sich in der Zwischenzeit mit ihrem zweiten Album „Loyalty To Loyalty“ in den amerikanischen Albumcharts auf Platz 21 wieder fanden und ihre Songs inzwischen den Weg in Fernsehserien wie „Gossip Girl“, „The Hills“ und „Burn Notice“ gefunden hatten. Zudem begannen nun sogar junge Künstler die Kalifornier zu covern, darunter zum Beispiel die junge Engländerin Florence Welsh (besser bekannt als Florence And The Machine). Die Jungs waren also mittlerweile zu so etwas wie Stars der Indie-Szene geworden, also nun auch Star-Allüren? Nein, der Auftritt in Köln sollte sich wieder genau so anfühlen, wie zwei Jahre zuvor, keine Star-Allüren, nur die Songs und ihre Interpreten.

Interpreten deshalb, weil die Band sich in ihrem Spiel komplett zum Werkzeug ihrer Stücke macht, sie interpretieren diese jeden Abend spielerisch ein wenig anders und scheinen auch im Kölner Luxor voll darin aufzugehen. Sänger Nathan Willet ist dabei ständig auf Achse, wechselt zwischen E-Piano, Keyboard und Gitarre und verausgabt sich dabei stimmlich und körperlich so sehr, dass es beinahe so wirkt, als würde er am Ende des Sets seine Stimmbänder vollkommen aufgebraucht haben. Bassist Matt Maust tänzelt wie gewohnt von einer Ecke die Bühne in die andere und scheint vollkommen in Trance zu verfallen, immer wieder überraschend dabei auch, dass es ihm immer gelingt, weder Nathan, noch Gitarrist Jonnie Russell umzurennen. Nach fast 400 zusammen gespielten Konzerten stimmt die Chemie in der Band immer noch und jeden zusammen vergossener Schweißtropfen scheint die Band nur noch mehr anzuheizen. Einige Songs kristallisieren sich an diesem Abend im Kölner Luxor besonders heraus, darunter natürlich auch der Band-Hit „Hang Me Up To Dry“, die letzten Singles „I’ve Seen Enough“ und „Something is Not Right With Me“ und natürlich auch das leicht croonende „Hospital Beds“, das kürzlich auch von Florence And The Machine sehr schön interpretiert wurde.

Die Cold War Kids sind also noch immer weit davon entfernt abgeklärt an ihre Live-Sets zu gehen, sie wollen ihren Fans jeden Abend eine schweißtreibende Show bieten und mit ihnen jede Note feiern. Charmant wirkt dabei besonders, wenn man Sänger Nathan Willet, wie beim Soundcheck am frühen Abend immer noch anmerkt, dass ihm ein kleiner Texthänger, eine falsch gespielte Note, oder auch kleine Probleme mit der Technik, für die er eigentlich nichts kann ihm immer noch ein wenig peinlich zu sein scheinen. Wir hoffen nun, dass bis zum nächsten Abstecher der Band nicht wieder zwei Jahre vergehen und behalten bis dahin dieses Konzert in mehr als guter Erinnerung.

Fotos: Michael* von Eightdaysaweek

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