Konzertberichte

Chuck Ragan + Tim Vantol, Zakk, Düsseldorf, 11. März 2010

Ein ganz besonderes Verhältnis hat dieser Mann schon zu Deutschland. Anders kann man es nicht erklären, warum er alle paar Monate Deutschland besucht. Aber anstatt dass uns die Besuche langweilen, wie die der ungeliebten Tante, wird die Anhängerschaft von mal zu mal größer. Nach dem er im September mit einer Big Band da war und im November mit den Jungs von Hot Water Music, beschränkt sich Chuck Ragan diesmal wieder auf den Kontrabass gespielt von Digger Barns und an der Violine Jon Garnt. Für einige Termine sind die Drei nun in Europa unterwegs, einer davon am 11. März in Düsseldorf, im Zakk.

Zu aller erst lässt sich feststellen, dass nicht alle soziokulturellen Einrichtungen wie das Zakk sehr einladend und fördernd wirken. Ein Kloß im Halse bleibt mir schon bei dem Preis von 3,60 Euro für eine Cola stecken. So avanciert man nicht zum Lieblingsclub. Aber wir sind ja nicht wegen des Ambiente hier, das trotz hoher Preise dort recht nett ist. Chuck Ragan steht auf dem Programm. Zuerst betritt der Amsterdamer Junge Tim Vantol die Bühne. Es ist das einfache Prinzip. Er hat früher in einigen Punk- und Hardcorebands gesungen und siedelt jetzt auf Akustikpunkrock um. Weiterhin wütend und anprangert, den Zeigefinger hebend und die Seele aus dem Leib schreiend, aber dies mit einer einfachen Akustikgitarre. Ein Trend der seit Jahren durch die Szene schwappt und seinen Ursprung vielleicht schon bei Joe Strummer gefunden hat. Als Support für Chuck Ragan reicht es vollkommen aus, es ist nett und sein gebrochenes Englisch macht ihn schon sympathisch, aber das große Feuer kann er nicht entfachen.

Dank einer geringen Umbaupause geht es auch fix weiter im Programm und so stehen Chuck Ragan, Digger Barnes und Jon Garnt auf der Bühne. „Gold Country“ heßt das aktuelle Album und liefert den Bekannten Mix aus Country, Folk und einer Stimme die weit mehr als nur unter die Haut geht. Schon als erster Song wird der Hit, den er einst seiner Frau widmete, „The Boat“ gespielt. Das Publikum singt, streckt die Faust in die Luft, wie bei einem guten Hot Water Music Konzert. Die Sing-a-long Mentalität geht auch hier nicht verloren. Auch wenn sie nur zu dritt sind und kein Schlagzeug sie vorantreibt, treiben sie ihre Songs kräftig nach vorne. „Let it rain“ aus besagtem neuen Album folgt. Das „Gold Country“ dem Debut „Feast of Famine“ in Nichts nachsteht zeigt das Hit-Pontenzial, das man bereit bei „Done + Done“ heraushört. Während die einen lieber den Gesang in vollen Zügen genießen wollen und sich in die hinteren Reihen stellen, beginnen die Ersten vorne zu tanzen. Jeder zelebriert auf seine Art und Weise, jeder genießt. „Glory“, „Rotterdem“, „Between the Lines“, „Bloody Shells“ sind nur kleine Auszüge aus der gut bespickten Setlist. Selbst Balladen, wie dem seiner Mutter gewidmeten „Geraldine“ tut der Stimmung keinen Abbruch. Nach „Symmetry“ ist das eigentliche Set beendet und Chuck Ragan spielt zum Abschluss allein zwei Hot Water Music Songs. „God Deciding“ und „Old Rules“ lassen jeden nochmal die Stimme erheben und lauthals mitsingen. Dann verabschiedet sich der gute Chuck, lässt sich aber natürlich nicht lumpen und kommt für drei Zugaben auf die Bühne. „For broken Ears“, „Do you Pray“ und „California Burritos“ bringen den Stimmungspegel ein weiteres Mal nach oben und beenden das Konzert nach 75 Minuten auf ihrem Höhepunkt.

Zum Glück, dauert es nicht mehr lange, dann ist Chuck mit den großartigen Hot Water Music wieder in Deutschland und wenn man ihm glauben darf, wird er im Herbst mit der Revival Road auch einen Abstecher nach Deutschland machen. Man darf gespannt sein, aber solche Abende zeigen, dass es sehr wünschenswert wäre.

Und noch eine kleine geheime Info. Ein Tag später in Münster gab Chuck Ragan bekannt, mit seinem Buddy Brian Fallon (The Gaslight Anthem) ein Album aufzunehmen und damit im Frühjahr 2011 nach Deutschland zu kommen. Na wenn das nicht Vorfreude in sich birgt.

Bilder: Chuck Ragan Myspace

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