Konzertberichte

Cargo City + Julian Gerhard, AMP, Münster, 30. April 2011

Zum vierten Mal stattete Simon Konrad dem schönen Münster einen Besuch ab. Mit dabei hatte er seine inzwischen feste Band, die ihn früher nur live unterstützte. Diesmal profitierte allerdings auch das dritte Album vom Einfluss aller Musiker. Seit sie 2009 das letzte Mal mit Mikroboy im Dortmunder FZW gespielt haben, habe ich Cargo City nicht mehr live gesehen. Umso größer war natürlich die Freude im Vorfeld… aufs neue Album und auf die Live-Präsentation der neuen, sowie der alten Songs.

Als Support stimmte Julian Gerhard aus Münster erst ziemlich ruhige Klänge an. Plötzlich seine Aufforderung, dass er dringend einen Gitarristen bräuchte. Ein bekanntes Gesicht ergriff die Chance der Stunde und half aus – Florian, der besser als Luctone oder als eines der Mitglieder der Münsteraner Band Port bekannt sein dürfte. Weiterhin ruhig bestritt das Duo den Abend. Vielleicht, um dem „Dance/Sleep“-Album von Cargo City gerecht zu werden, bat Julian nochmals um Hilfe. Aufruf: Bassist und Drummer gesucht. Die waren auch schnell gefunden und dürften dem einen oder anderen Besucher des Konzerts und von WhiteTapes ebenfalls ein Begriff sein. Die Rede ist von Axel und Stefan, die vor nicht allzu langer Zeit noch Miyagi am Bass und Mikrofon bzw. Schlagzeug vertraten. In der Bandformation konnte Julian Gerhard mich definitiv mehr überzeugen.

Interessanterweise ging seine Stimme in dieser Kombination nicht so unter wie es leider bei den Solotiteln der Fall war. Singen tut er im Übrigen auf Deutsch. Die Songs haben eine Singer-Songwriter-Note, gehen ein wenig Richtung Spaceman Spiff, werden allerdings durch die Bandbesetzung auch fürs Indie-Publikum tanzbar. Eine interessante Mischung. Dem Publikum gefiel es scheinbar und durch die Steigerung gegen Ende, waren alle ziemlich gut auf die Band aus Frankfurt am Main eingestimmt.

Simon und Co betraten kurz darauf die Bühne vom Amp. Den Einstieg machten sie mit „Life in Reverse“ vom neuen Album „Dance/Sleep“. Jeder, der das Album zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte, konnte sich deshalb denken, was für eine Art Sound ihn erwarten würde. Düstere Synthies, Simon ohne Gitarre, die Hände nur am Mikrofon, drückende Beats. Ein für Cargo City schon ziemlich neuer Sound. Erst ein Mal vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber plötzlich findet man dann doch die Parallelen zum ersten und zweiten Album und stellt fest, dass sich dieses „Neue“ in den Songs doch echt gut anfühlt. Mit „Dance/Sleep“, der ja schon geraume Zeit im Netz kursiert, ging es direkt tanzbar weiter.

Alles in Allem war der komplette Abend von den Tanznummern dominiert. Der Fokus lag also tatsächlich eher auf dem ersten Wort des Albumtitels. Neben den neuen Titeln reihten sich natürlich auch die alten Bekannten in das Set ein. „Rearview Mirror“, „On.Off.On.Off.“ und „Euphoria/Nostalgia“ vom letzten, „Ode To No One“ vom ersten Album und „Point Of View“, der den Film „Vincent Will Meer“ untermalen durfte. Spätestens ab der Hälfte des Sets hatte sich in der Mitte des Raumes vor der Bühne eine wirkliche Tanzfläche gebildet, auf der sich fünf bis sechs Mädels und Jungs immer mal wieder in den Armen lagen. Viele andere begnügten sich mit Kopfnicken, Lächeln und Mitwippen, aber es schien allen doch ziemlich gut zu gefallen. Wie könnte man auch besser seinen Tanz in den Mai verbringen?

Bei „Let’s Fail In Love“ sorgten die Wechsel zwischen Simons und Nadines Stimmen für Spannung. Vor Allem, da Nadine ihre Parts komplett in ein kleines Megafon schrie. Mein persönliches Highlight war trotz der vielen wirklich tollen, neuen Songs immer noch „Lately“. Danach folgte noch „Not Like Us“ und dann war’s das leider schon wieder mit Cargo City in Münster. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass Simon mit seiner Band bestimmt gerne für ein fünftes Mal zurückkehren wird.

Fotos: 1 und 2 Ariane WhiteTapes, mehr von Julian Gerhard hier und von Cargo City hier
3 von Chiara WhiteTapes, mehr hier

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