Konzertberichte

Bright Eyes + Nik Freitas, E-Werk, Köln, 21. Juni 2011

Fast auf den Tag genau vier Jahre ist es her, seit Conor Oberst mit seinen Bright Eyes für eine Tour durch Deutschland tingelte. Damals am 20. Juni 2007 sahen wir das ewige Wunderkind in der Essener Weststadthalle, wie er im weißen Anzug mitsamt Mini-Orchester Stücke von „Cassadaga“ und der jüngeren Vergangenheit von Bright Eyes vortrug. Das, was die Fans geboten bekamen, war Folk mit großer Geste und einem gut aufgelegten Conor Oberst, der jedoch immer noch die Anfangstage von Bright Eyes zu scheuen schien, die ältesten Songs, die sich im Set fanden waren nämlich von den Vorgänger-Zwillingsalben „I’m Wide Awake It’s Morning“ und „Digital Ash in A Digital Urn“.

Viel hat der Junge aus Omaha seitdem ausprobiert. Zunächst den für ihn anscheinend bedrohlich groß gewordenen Namen Bright Eyes abgelegt, ein paar Freunde in der Mystic Valley Band versammelt und zwei Alben damit veröffentlicht (Das tolle „Conor Oberst“ und das durchwachsene „Outer South“). Auf der zugehörigen Tour fühlte Conor sich sichtlich wohl im Schoß einer Band und ließ auch mal seine Mitmusiker ans Mikrofon. Gleiches bei seiner Folk-Supergroup den Monsters Of Folk, wo er sich mit M. Ward, seinem langjährigen Weggefährten Mike Mogis und Jim James von My Morning Jacket zusammentat und ein Album mit dem Namen „Monsters Of Folk“ veröffentlichte. Hier konnte er einer von drei Sängern sein und sich auch mal unterordnen, wenn er keine Lust hatte, im Vordergrund zu stehen.

Diese Erfahrungen nutzte er anscheinend um deutlich erwachsener zu werden und seinen Frieden mit der Vergangenheit zu schließen. Mit nun 31 Jahren vielleicht auch langsam an der Zeit, aber seien wir mal ehrlich, in jedem von uns schlummert ein Peter Pan und in Künstlern ganz besonders. Schnell machte die Runde, dass er im Zuge zur Tour zum neuesten Album „The People’s Key“ wieder beherzt auf seinen Fundus aus der Vergangenheit zurückgreift. So fanden sich neben neuen Songs auch Stücke wie „Something Vague“, „The Calender Hung Itself“ und „Lover I Don’t Have To Love“ in diversen Setlists. Auch in Interviews wirkte der Musiker, dem in der Vergangenheit Depressionen und Alkoholprobleme stark zu schaffen gemacht hatten,  nun deutlich gelöster. So als habe er wirklich mit dem Kapitel Bright Eyes abgeschlossen, wie er in frühen Interviews zu „The People’s Key“ noch betonte.

Das Ende von Bright Eyes ist in der Zwischenzeit widerrufen worden, die Zukunft dennoch ungewiss. So war das Kölner E-Werk in Köln dann auch in Erwartung des wohl letzten NRW Konzerts der Band für einige Zeit, schnell ausverkauft und die Halle auch schon beim Support gut gefüllt. Den Support gab Conor Oberst Buddy und Mystic Valley Band Mitglied Nik Freitas, der kürzlich sein neues Album „Saturday Night Underwater“ veröffentlichte. Sein Vortrag beschränkte sich auf ruhige Lieder, die er meist allein an Gitarre und Keyboard sang. Für ein paar Stücke kam noch eine Band hinzu. Das war alles solide Singer-Songwriter-Kost, mit der sich Nik mit an Damien Rice erinnernden Gitarren-Akkorden und der Stimme eines Josh Ritter nicht wirklich einen Platz in der langen Reihe von Genre-Vertretern erkämpfen wird. So war der Applaus nach 45 Minuten zwar nicht klein, die Freude, dass es nun bald mit Bright Eyes losgehen sollte, jedoch größer.

Nach einer halben Stunde Umbaupause ging es dann auch los. Am Bühnenrand standen zwei Eierschalenförmige Segel, im Hintergrund eine riesige Lichtwand, die am Anfang in rotes Licht getaucht waren. Dazu der Einleitungstext des „The People’s Key“ Openers „Firewall“, zu dem langsam die einzelnen Bandmitglieder die Bühnen betraten. Conor Oberst mit seiner Gitarre natürlich als Letzter. Bei seinem Einsatz wechselte das Licht auf Blau und der Zauber konnte beginnen. Von diesem haben sich die Anwesenden schnell einnehmen lassen, Bright Eyes ließen ihnen auch kaum eine Wahl, schufen sie doch eine dichte Stimmung, in die man nur zu gern eintauchte. Das ist man von Bright Eyes Konzerten so gewohnt. Eines jedoch war anders und das ließ sich an der Person am Mikrofon festmachen. Dort stand nämlich nicht mehr der schüchterne junge Songwriter von einst, sondern ein erwachsener Musiker, der rocken wollte.

Dazu bediente er sich fleißig typischen Rockstarposen. Er reckte den Gitarrenhals in die Luft und spielte die Gitarre senkrecht, klatschte mit dem Publikum ab, drehte sich um seine eigene Achse und sprang vom Schlagzeugpodest. Die Band zündete dazu ein donnerndes Soundgewitter, das die Bright Eyes Songs so rockig wie nie zuvor erschienen ließ. Natürlich war das beim deutlich rockigeren neuen Album der Band zu erwarten, die älteren Stücke erschienen in diesem Gewand jedoch ungewohnt. Sie standen im starken Kontrast zu dem sensiblen Musiker, der sie einst mit brüchiger Stimme auf seine ersten drei Alben bannte und dem Rockstar, der da nun auf der Bühne stand. Es war deutlich zu merken, dass die Person auf der Bühne nicht mehr der übersensible junge Herr ist, der die damaligen Stücke schrieb. Aber es sind natürlich nach wie vor die Stücke von Conor Oberst und wem, wenn nicht ihm gebührt es, diese Stücke zu interpretieren. Da passt es natürlich, dass gerade dieser neugeborene Rockstar mit der Zeile „I was dressed in white, touched by something pure, Death obsessed like a teenager“ seine Vergangenheit analysiert und in einem Rocksong verarbeitet.

Für ruhige Momente war an diesem Abend natürlich auch Zeit. Etwa mit dem tollen „Landlocked Blues“, in dem er die Zeile „one was pointing his tree branch at me“ mit einem „that little fucker!“ kommentierte. Auch für Gänsehaut wurde mit dem „Ladder Song“ gesorgt, den Conor fast ganz alleine am Keyboard als letzten Song des Sets vortrug. Als Zugabe kehrten Bright Eyes für drei weitere Songs auf die Bühne zurück. Darunter „Gold Mine Gutted“, bei dem die Band ein längeres Instrumental-Intro spielte und als krönender Abschluss „Road To Joy“, bei dem die Band nebst Nik Freitas die Zeile „Lets fuck it up guys, make some noise!“ natürlich ernst nahmen. Zurück blieb eine zufriedene Menge, die von direkt einsetzender Musik und eingeschaltetem Licht hinaus komplementiert wurde und einen erwachsenen Conor Oberst erlebt hat, der trotz ungewisser aber definitiver Zukunft von Bright Eyes ein neues Kapitel auf seinem Leben aufgeschlagen zu haben scheint.

Setlist:

Firewall
Haile Selassie
Take It Easy (Love Nothing)
Jejune Stars
Four Winds
Cleanse Song
Something Vague
Shell Games
Approximate Sunlight
Falling Out of Love at This Volume
Cartoon Blues
Beginner’s Mind
Landlocked Blues
Hot Knives
An Attempt To Tip The Scales
Padraic My Prince
Poison Oak
The Calendar Hung Itself…
Ladder Song

Gold Mine Gutted
Lover I Don’t Have To Love
Road To Joy

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