Konzertberichte

Blood Red Shoes + Wallace Vanborn – Gloria, Köln, 29. Mai 2012

Blood Red Shoes

Mit mittlerweile drei Alben, nämlich „Box Of Secrets“, „Fire Like This“ und dem neuesten Streich „In Time To Voices“ ,gehören die Briten von Blood Red Shoes in der Indie-Szene fast schon zum alten Eisen. Sieht man sich aber die Bandmitglieder Laura-Mary Carter und Steven Ansell an, denkt man nach wie vor, man hätte es mit Newcomern zu tun. Mal abgesehen von der Frisur sieht man dem Duo die letzten fünf Jahre nicht an. Auch die Clubs in denen die Band auf ihren Besuchen in Deutschland vorbeischaut, ändern sich nicht groß und so rockte das Duo auch zwei Jahre nach ihrem letzten Besuch im Kölner Gloria wieder das Theater in der Innenstadt der Domstadt.

Schon vor der Location konnte man eines der großen Talente der Band erkennen. Die frühen Fans altern zwar mit der Band, aber parallel scheinen Blood Red Shoes auch viele junge Fans zu gewinnen. So sah man neben jeder Menge Kids im Alter von knapp 16 Jahren mit The View T-Shirts und Zahnspangen, genauso wie Mittvierziger, die wohl Mitte der 90er bereits für Pavement Schlange standen und Twentysomethings, die Blood Red Shoes bereits Anfang 2007 mit nur 20 anderen im Gebäude 9 sahen und der Band auch heute vor 1.000 anderen die Treue halten.

Die längere Schlange beim Einlass sorgte auch dafür, dass das Gloria bereits bei Einlass gut gefüllt war. Den hätte man sich allerdings auch schenken können. Denn Wallace Vanborn aus dem belgischen Gent spielten eine ziemlich langwierige Mischung aus The Subways, Biffy Clyro und Queens Of The Stoneage. Dabei gefielen sie sich besonders bei den zahlreichen Gitarrenriffs sehr und versuchten das Publikum mit ausladenden Gesten und Handclaps zum Mitklatschen zu animieren. Manchmal klappte das, häufig beantwortete das Publikum die Bitte jedoch mit einem Gähnen. Wir jedenfalls waren froh, als die Belgier nach 40 Minuten die Bühne verließen, um dem Umbau für Blood Red Shoes Platz zu machen. Der nahm trotz nur zweier Musiker, deren Instrumente aufgestellt werden musste, doch mehr als eine halbe Stunde in Anspruch, aber irgendwann stand das Duo aus Brighton endlich auf der Bühne.

Mit „It’s Getting Boring By The Sea“ spielten die beiden gleich zu Beginn einen ihrer größten Hits vom Debüt „Box Of Secrets“ und ließen mit „Don’t Ask“ dann gleich auch einen von „Fire Like This“ folgen. Erst dann war das neue Album an der Reihe. Das sollte zwar in der Summe der Songs an diesem Abend mehrheitlich vertreten sein, aber dennoch ging es im Vergleich zu den beiden Vorgängern etwas unter. Das lag aber vermutlich vor allem daran, dass die Band insbesondere bei älteren Stücken krachen ließ und sich bei diesen auch von der Euphorie des Publikums anstecken ließ. Vor allem Steven stieß gut gelaunt immer wieder mit dem Publikum an und kündigte die Songs an. Sängerin und Gitarristin Laura-Mary Carter beschränkte sich auf ihre Parts und lief zwischen der Songs ab und zu Richtung Schlagzeug. Wie wir später erfuhren fühlte sie sich an diesem Abend nicht besonders gut, weil sie am Vortag auf einem Festival einen leichten Hitzschlag erlitten hatte.

Der Gesamtstimmung tat das jedoch keinen Abbruch. Blood Red Shoes zeigten ihre altbekannte Spielfreude, droschen wie wild auf ihre Instrumente ein und ließen ihrer guten Laune freien Lauf. Ein also eigentlich perfekter Abend, insbesondere in Hinblick auf die drei Zugaben „I Wish I Was Someone Better“, „Colours Fade“ und das munter rockende „Je Me Perds“, ein komischer Beigeschmack blieb dennoch. Das lag vielleicht an der beinahe routinierten Performance, aber vor allem wohl daran, dass sich Blood Red Shoes bei ihrer Setlist zu sehr auf sichere Hits verlassen haben. Die ruhigeren Stücke, bei denen sich die Band auf ihrem neuen Album Zeit lässt, um sie langsam aufzubauen und mit viel Tiefe zu versehen, blieben leider außen vor. Stattdessen wirkte das Set wie ein Best Of mit der zugänglichen Schnittmenge aus sechs Jahren und drei Alben Bandgeschichte. Dennoch bot der Abend mit dem Duo erstklassige Unterhaltung, etwas mehr Mut bei der Songauswahl könnte aber beim nächsten Mal auch nicht schaden.

Setlist Blood Red Shoes

It’s Getting Boring By The Sea
Don’t Ask
Cold
Say Something, Say Anything
In Time To Voices
When We Wake
Light It Up
Down Here The Dark
This Is Not For You
Keeping It Close
Heartsink
You Bring Me Down
Lost Kids

I Wish I Was Someone Better
Colours Fade
Je Me Perds

Foto 1: Ariane WhiteTapes

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