Konzertberichte

Blood Red Shoes + Pulled Apart By Horses, Gleis 22, Münster, 22. März 2010

Mit „Box Of Secrets“ veröffentlichten die Blood Red Shoes Anfang 2008 ein Album, dem trotz großartiger Songs ein wenig der Charme eines schnell wieder verfliegenden Indie-Hypes beiwohnte. Abgebrochene Konzerte am Ende ihrer Deutschland-Tour ein Jahr nach dem Release ließen dann beinahe den Verdacht, dass sich das Duo bereits nach diesem einen Album trennt, noch weiter erhärten. Das wäre aber natürlich traurig gewesen, da Laura-Mary und Steven aus Brighton einfach zu knackige Sounds schreiben, um die Blood Red Shoes so früh schon wieder Geschichte sein zu lassen. Und siehe da, die Blood Red Shoes rauften sich nach einer kurzen Pause wieder zusammen, schrieben ein neues Album und präsentierten auf einer Hand voll Festivals im letzten Jahr bereits neues Material. Als Support von Maxïmo Park beschränkten sie sich dann fast sogar auf neue Songs und bewiesen, dass der Sound von Blood Red Shoes auch nach einem Album immer noch mehr als genug Variation hergibt.

Kein Wunder, dass „Fire Like This“ dann auch die meisten Kritiker und vor allem auch die Fans überzeugte. Die Formel hieß nun, weniger Hits, dafür mehr Tiefe und ein dunklerer Sound. Das Ergebnis, eine Steigerung zum Debüt, dass die Begeisterung für das Duo noch weiter entfachte. So waren Karten für die Deutschland-Tour dann auch mehr als begehrt und das Konzert in Münster zwei Wochen vor dem Termin bereits ausverkauft. Das Gleis 22 kannten die Blood Red Shoes bereits von ihrem Besuch vor relativ genau zwei Jahren, als sie den Kult-Club in der Nähe des Bahnhofs auch bereits ausverkauften. Statt von Herrenmagazin wurden sie bei ihrem zweiten Münster-Abstecher nun von ihren Freunden von Pulled Apart By Horses begleitet. Die kommen aus Leeds und sind ebenfalls mit Sky Larkin befreundet. Musikalisch leben sie allerdings in einer ganz anderen Welt. In einer nämlich, in der lieber ins Mikro geschrien, als melodisch gesungen wird. Dazu laute Gitarrenriffs und polternde Drums. Der Sänger der Band machte während des Sets noch einen Abstecher ins Publikum, schnappte sich eine der Pflanzen von der Fensterbank, warf sie umher und spuckte Bierfontänen. Aus der Ferne war das ganz witzig anzuschauen, die Konzertbesucher in den vorderen Reihen sahen das aber wahrscheinlich anders. Aber nach knapp 30 Minuten war auch dieses Spektakel überstanden und das Warten auf die Blood Red Shoes begann.

Im Gegensatz zum letzten Münster-Abstecher des Duos musste man sich nun eigentlich keine Sorgen mehr um die Qualität der Darbietung machen. Schließlich haben Blood Red Shoes bereits im Herbst gezeigt, wie famos die Live-Umsetzung des Materials gelingt. So hieß es in der Umbaupause also nur: Warten auf gute Unterhaltung. Die begann aber zunächst etwas holprig mit „Doesn’t Matter Much“, Steven verpasste seinen Gesangseinsatz und Laura-Mary war am Mikro zunächst gar nicht zu hören. Das bekam zumindest die Band recht schnell in den Griff, der Ton-Mann hat aber während des gesamten Sets merklich damit zu kämpfen, Gitarre und Gesang von Laura-Mary in Einklang mit der Gesamtmischung zu bringen. Die schien auch eher nach dem Motto „mach mal laut“ abgemischt, als den famosen Melodien, die sich hinter der rauen Schale des Sounds verbergen, gerecht zu werden. Ohren-Stöpsel waren also eine kluge Investition. Der Schwerpunkt im Blood Red Shoes Set lag, wie bereits im Herbst, auf neuem Material, das mit „Klassikern“, wie „It’s Getting Boring By The Sea“ und „I Wish I Was Someone Better“ gespickt wurde. Aber auch für das neue Material waren alle Besucher entflammt und so waren die ersten Reihen in wilder Bewegung und der nun für Anlässe dieser Art im Gleis 22 anscheinend fest installierte Wellenbrecher an der Bühne schien schwer arbeiten zu müssen.

Trotz durchaus guter Performance ließ die Band den letzten Funken Begeisterung an diesem Abend missen, so blieb etwa eine kurze Begrüßung durch Steven Ansell mit einem kurzen Small-Talk mit den Besuchern in den ersten Reihen eine der spärlichen Ansagen der Band. Auch wirkte die Performance stellenweise leider nur darauf abzuzielen laut aufzuspielen, als wirklich Spielfreude zu zeigen. Das ist aber natürlich meckern auf hohem Niveau, denn die Blood Red Shoes spielen natürlich immer eine gute Show, nur fehlte eben das letzte Quäntchen zu einer hervorragenden Show, die sie beispielsweise im Herbst als Support gebracht hatten. Vielleicht liegt es ja auch wirklich daran, dass sich das Duo ein noch ein wenig mehr Mühe gibt, wenn sie sich noch als Support beweisen müssen. Als Headliner lehnten sie sich etwas zurück, sie müssen ja niemanden mehr für sich gewinnen, schließlich sind ja alle für sie da. Ob das nicht irgendwann nur noch trügerische Sicherheit ist, wird sich zeigen, für den Moment reicht es ja dennoch zu guten Shows und an ihren Platz als Headliner werden sich die beiden bestimmt auch noch gewöhnen.

Fotos: Myspace der Band

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