Konzertberichte

Blood Red Shoes – Gleis 22, Münster, 16. Februar 2008

Zuletzt war ich 2005 mit einem ähnlichen Gefühl zu einem Konzert ins Gleis 22 gefahren. Damals spielten Maximo Park ihre erste Tour nach dem Release Ihres Debütalbums. Das Gefühl war irgendwo zwischen, ich sehe jetzt das nächste große Ding und, na hoffentlich können sie das erfüllen, was das Album verspricht. Sie konnten. Die Brücke zu Maximo Park erscheint auch logisch, da die Blood Red Shoes, um die es heute gehen soll, bereits im Herbst als Support der Heroen aus Newcastle ein großes getan haben, die Fans ein wenig anzuheizen.

Nun also standen wir in der Schlange vorm Gleis, im Ohr die bisher veröffentlichen Singles und EPs und im Bauch ein Gefühl aus Vorfreude und Skepsis. Endlich drin im Gleis ging es auch schnell los mit der Vorgruppe, Herrenmagazin nennen sie sich und sind vier deutsche Jungs, mit einem lustigen Bandnamen, die ein bisschen Deutschrock irgendwo zwischen Tomte, Kettcar und Revolverheld machen. Ziemlich belanglos, aber ganz nett, besonders witzig die ausbleibende Reaktion des Publikums, als der Sänger damit wirbt, dass sein Daddy in Münster geboren sei und die Frage, ob die Klinik am Aasee noch stünde. Nach einer halben Stunde waren sie dann auch fertig und die Umbaupause für Blood Red Shoes begann. Um ca. 22 Uhr kamen sie dann auf die Bühne, angekündigt durch einen Song von Rage Against The Machine?! Steigert meine Zuneigung zu dieser Band jetzt nicht unbedingt, aber wers mag. Die Blood Red Shoes starteten direkt mit einem Hit, „It’s Getting Boring By The Sea“ von Ihrer EP „I’ll be your Eyes“. Zu diesem Zeitpunkt allerdings auch noch ein bisschen Schläfrigkeit im Publikum, vielleicht Nachwirkungen der Herrenmagazine, oder die Verwirrung über Lauras neue, bei Kate Nash geklaute Frisur war noch zu groß. Erst in der Mitte des dritten Songs reißt es das Publikum mit und es kommt Bewegung in die Masse. Eine Bewegung die auch bis zum letzten Song des Hauptparts, der ca. 45 Minuten andauert und mit dem Übersong „I Wish I Was Someone Better“ endet, nicht abbricht. Zu diesem Zeitpunkt ist auch klar, Blood Red Shoes bringen die gleiche Energie, die in ihren Songs vorherrscht auch live genau so gekonnt rüber, insbesondere Steven Ansell am Schlagzeug, der zwischendurch ein paar Brocken Deutsch mit dem Publikum sprach und das ganze Gleis zum Chorsingen bei der Zugabe ADHD angestachelt hat. Zurück blieb nach 50 Minuten Blood Red Shoes das Gefühl, dass man hier zwar nicht die nächsten Maximo Park gesehen hat, dafür aber eine Band aus England, die gehörig Spaß macht und auf deren Album ich mich jetzt um so mehr freue.

Setlist (ein Dankeschön an Steven Ansell an dieser Stelle)
Its Getting Boring By The Sea
How To Pass The Time
You Bring Me Down
Try Harder
Say Something, Say Anything
Forgive Nothing
Doesn’t Matter Much
This Is Not For You
Take The Weight
I Wish I Was Someone Better

ADHD

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Iain WhiteTapes

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