Konzertberichte

Blood Red Shoes + 1984, Köln, Gebäude 9, 04. November 2008

Die Blood Red Shoes lieben Deutschland und Deutschland liebt die Blood Red Shoes. Kein Wunder also, dass sich die Band nach Tour mit Maximo Park im Oktober 2007, kleiner Herbst-Tour kurz danach, einer weiteren Tour Anfang 2008 (wo sie auch im Gleis 22 halt machten), der Promo-Tour zum Album Box Of Secrets im April und diversen Festival-Auftritten (u.a. auf dem Highfield und dem Area 4), nun schon das sechste Mal innerhalb eines Jahres unsere schöne Heimat bereisten.

So groß die Liebe zu den beiden Bristolern von den Blood Red Shoes dann aber auch ist, dieses mal waren wir wegen ihrer Vorgruppe 1984 da. Bestimmt aber kein Problem für Laura-Mary und Steven, lieben diese die Band doch so sehr, dass sie seit Mai kaum eine Headlining-Show ohne 1984 im Vorprogramm gespielt haben. Mit ihrem Debüt-Album „Open Jail“ sind sie nun also in Deutschlnad auf Tour, um nach WhiteTapes.de und den Blood Red Shoes, noch mehr deutsche Musik-Fans von sich zu überzeugen.

Es dürfte nicht überraschen, wenn wir schon einmal verraten, dass sie das auch taten. Punkt 21 Uhr betraten die drei Straßburger die Bühne des Gebäude 9, im Hintergrund das Band-Logo auf eine Leinwand projiziert, auf der mit fortschreitendem Set immer wildere Bildschnipsel, das Albumcover, Band-Videos und Filmchem gezeigt wurden. Mit „The Missing Voice“ stimmten sie ein druckvolles, Energie geladenes Set ein.

Erstaunlich dabei vor allem, dass die Band den Eindruck vermittelte, zu fünft auf der Bühne zu sein, so treibend die Bassläufe von Bassist Bruno, der noch mehr als auf dem Album den Sound bestimmte. So gewaltig aber auch das Gitarrenspiel von Sänger Etienne und die Stimmgewalt, die er an den Tag legte. So wurde das knapp 40 minütige Set beinahe zu so etwas, wie einem düsteren Ritus, bei dem die Geister von Ian Curtis, Johnny Cash und Joe Strummer beschworen wurden und mit der Band auf der Bühne standen und tanzten.

1984 bewiesen eine, für eine Newcomer-Band, gewaltige Bühnenpräsenz und spielten sich zum geheimen Headliner des Abends hoch. Gerade beim Song „The Wait“ (hier im Gratisdownload „right click“, „save target as“) zeigten sie dann auch, dass alle Vergleiche mit Joy Division zwar auf den ersten Blick nahe liegen mögen, aber bei genauerem hin hören schnell weg gewischt werden. Dafür ist der Sound der Band, gerade live, einfach zu eigen und durch den stellenweise durchschlagenden französischen Akzent von Sänger Etienne, neben aller Coolness auch noch extrem charmant.

Wäre an dieser Stelle Schluss gewesen, wir hätten zufrieden den Heimweg angetreten. Aber es sollte ja noch das englische Duo des Jahres die Bühne entern. Nach dem wirklich sehr druckvollen Set von 1984 wirkten die beiden dann noch mal eine Spur jünger, als sie es durch die schüchterne Art von Sängerin Laura-Mary Carter und den blonden Schopf von Drummer Steven Ansell, sowieso schon tun. Das kombiniert mit der Feststellung, dass die Beiden es bei den ersten Songs nicht zustande brachten einen gemeinsamen Rhythmus zu finden, irritierte uns dann doch etwas.

Gerade beim zweiten Song, einem neuem dazu („It’s Happening Again“), wirkte das bei Laura-Mary beinahe unbeholfen. Dieser Zustand hielt aber glücklicherweise nicht an, denn schon bei „Try Harder“ schien ein Ruck durch sie zu gehen und sie lieferte die von ihr gewohnte coole und zurückgelehnte Show.  Für Rockstar-Posen ist bekanntermaßen, vielleicht auch laut Bandvereinbarung Steven zuständig und die lieferte er mit seinem Duracell-Schlagzeug-Spiel natürlich gekonnt und nicht selten ab.

Auch wenn die Show dann über knappe 45 Minuten nie so zwingend wirkte, wie noch im Frühjahr und die Blood Red Shoes nach 1984 etwas blass blieben, zeigten sie insbesondere bei zwei neuen Stücken und natürlich dem Hit „I Wish I Was Someone Better“, warum sie die Aufmerksamkeit verdient haben, die ihnen zuteil wird. So blieben vom Abend ein sehr gutes Set von 1984, ein gutes Set der Blood Red Shoes und ein merklich absolut zufriedenes prall gefülltes Gebäude 9.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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