Konzertberichte

Bloc Party + Mikroboy, Münster, Cineplex, 07. Februar 2009

Wenn Bloc Party nach Münster kommen, wären sie eigentlich ein Kandidat um die Halle Münsterland zu füllen. Nicht aber, wenn es nach einem magentafarbenen Mobilfunkunternehmen aus Bonn (dank an Frank für den Hinweis) geht. Das verpflichtete nämlich schon vor ein paar Jahren Bloc Party für einen Werbespot, da lag natürlich auch die Entscheidung nahe, sie einmal im Rahmen seiner T-Mobile-Streetgigs auftreten zu lassen. So wurde das Quartett also einmal auf die andere Straßenseite ins schmucke Münsteraner Cineplex verfrachtet, wo man dann in gemütlichen Kinosesseln bei Popcorn und Soft-Drinks Kele und seinen Mannen lauschen durfte. Entsprechend groß war auch der Andrang in der Bewerbungsphase und auf der großen Treppe vor dem Einlass, an dem übrigens Sebastian von Videoclub ein paar Hörproben verteilte. Vor dem Klangerlebnis hatten die Macher, wie so häufig bei Events dieser Art, ein gewisses Maß Geduld vom Publikum abgefordert, denn die Moderation wurde vom „beliebten“ MTV-Moderator Joko übernommen, der gleich ein Stein beim Publikum im Brett hatte, als er im ersten Satz über die Stadt herzog. Ab diesem Moment war ihm auch schnell bewusst, dass er das Publikum heute wohl nicht mehr auf seine Seite bekommen würde, also machte er auf gleichem Niveau weiter und die Ausgangslage für die Vorgruppe Mikroboy nicht unbedingt einfach.

Foto: Ariane WhiteTapes

Die, beziehungsweise der – Mikroboy sind eigentlich ein Quartett, wurden aber im Cineplex nur von Sänger Michi vertreten, der es sich laut eigener Aussage als einziger leisten konnte, ein Zugticket nach Münster zu kaufen – trat dann aber nur mit Laptop und Gitarre bewaffnet auf die Bühne des Cineplex und brachte die 450 Kinogänger mit elektronisch angehauchten Deutsch-Pop Songs, recht schnell auf seine Seite. Völlig zu Recht dazu, denn bei der Musik von Mikroboy trafen schöne Texte auf eine stimmig poppige Instrumentierung, die durch Synthie- und Elektroelemente eine besonders interessante Note erhielt. So gestalteten sich die fünf Stücke mehr als kurzweilig und Michi bewies, dass gute Musik mit deutschen Texten nicht zwangsweise aus Hamburg kommen muss. Nach einem kurzen Hinweis, dass Mikroboy auch bald in Bandbesetzung auf deutschen Bühnen unterwegs seien, dann auch hoffentlich mit fertigem Debüt-Album, verließ Michi auch schon wieder die Bühne und machte Platz für eine Umbaupause, die durch eine „launig“ Moderation von MTV’s Joko verkürzt werden sollte. Die 15 Minuten Moderation waren dann wohl für Moderator und für Publikum gleichermaßen lang und einige waren sicherlich schon kurz davor, den Wahl-Berliner zu bemitleiden, andere warfen lieber Popcorn.

Aber 15 Minuten sind ja auch irgendwann vorbei und so betraten Bloc Party endlich die Bühne, schmissen ihre Instrumente an und zauberten wieder ein Lächeln auf die Gesichter der zu diesem Zeitpunkt doch leicht genervten Besucher. Die schlechte Stimmung war aber mit den ersten Worten von Kele wie weggewischt und die ersten Reihen wurden über die Bänke hinweg geentert. Wer jetzt noch saß konnte entweder nicht anders, oder hatte sich beworben, ohne zu wissen, worauf er sich einlässt. „Also mir ist das ja zu laut“ soll eine Frauengruppe mittleren Alters im rausgehen gesagt haben. Was diese Gruppe verpasste war eine starke Performance einer gut gelaunten Band. Russel, der ganz links völlig in seine Gitarre vertieft war, nahm seinen ganzen Mut zusammen und lächelte einige Male in Richtung Publikum und sogar Kele, der häufig sehr distanziert und kühl wirkt zeigte sich extrem sympathisch und offen. Gleich nach dem ersten Stück plauderte er ein wenig mit dem Publikum und erwähnte, er habe selbst mal in einem Kino gearbeitet und ein wenig augenzwinkernd fügte er hinzu, „so behave, someone has to clean up after the show“. Außer Schweiß flog zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts, die Stimmung sollte aber noch weiter aufkochen. Denn mit „Zephyrus“, „One Month Off“ und „Hunting For Witches“ hatte die Band schon früh ganz große Songs auf der Setlist. Bei „Mercury“ befreite sich Kele dann noch von seiner Gitarre, löste das Mikro aus dem Ständer und kletterte über die Absperrung ins Publikum und kämpfte sich Reihe für Reihe vor, die Party erreichte ihren Siedepunkt, als Kele wieder zurück auf der Bühne war ließ die Band die Stimmung aber nicht auf leichter Stufe weiter köcheln, sondern powerte direkt weiter und entließ einen Hit nach dem anderen auf die ausgelassene Meute. Bei „Like Eating Glass“ war dann auch der beeindruckendste Moment des Konzerts erreicht, zu einem großartigen vorgetragenen Stück gab es noch eine Popcorn-Schlacht, die im riesigen, nach oben gehenden Kinosaal so extrem stimmig war, dass einem neben dem Schweiß auch die Gänsehaut über den Rücken kroch. Ein Moment, den Coldplay nicht durch den Einsatz von noch so vielen Papierschmetterlingen, die von der Decke herabregnen, erreichen könnten. Neben diesen schweißtreibenden Momenten sorgten Stücke, wie das wunderschöne „Signs“ immer wieder für kleine Verschnaufpausen für die Münsteraner. Dieser Wechsel zwischen langsameren und schnellen Songs, der schon „Intimacy“ zum unserer Meinung nach bisher besten Bloc Party machte, machte auch die knapp 80 Minuten Konzert zu einer beinahe unvergesslichen Party.

Foto: Ariane WhiteTapes

Einziger Wermutstropfen leider das sehr unfreundliche und unkooperative Ordnungspersonal, statt nämlich einfach auf die am Einlass ausgegebenen Bändchen zu schauen, die bereits die Erlaubnis belegten, dass man das Konzert betreten darf, mussten die Besucher, selbst wenn sie mit Getränken beladen waren noch einmal ihr Armband unter dem Ärmel hervorkramen, damit bloß niemand betrügt. Am seltsamsten dann noch, dass unserer Fotografin der Wiedereinlass nach den ersten vier Songs und Wegbringen der Kamera, aus fadenscheinigen Gründen verwehrt blieb, während andere Menschen, mit halbem Fotostudio bewaffnet einfach durch die Tür spazierten, und sie sich das Konzert vor der Tür anhören durfte. Seltsam auch deshalb, weil es bei weitaus größeren Veranstaltungen dieser Art durchaus üblich ist, dass die Fotografen direkt aus dem Fotograben zurück ins Publikum gehen dürfen und einfach nur ihre Kamera wegstecken müssen. So wurde dieser Abend gleich in zweierlei Hinblick unvergesslich, aus musikalischer durchweg positiv, aus organisatorischer eher, sagen wir einmal, durchwachsen.

Setlist:

One Month Off
Trojan Horse
Hunting For Witches
Positive Tension
Talons
Sings
Song For Clay/Banquet
Two More Years
Mercury
This Modern Love
Like Eating Glass
The Prayer

Ares
Halo
Flux
Helicopter

Fotos: Ariane WhiteTapes

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