Konzertberichte

Black Rust + Tommy Finke, FZW, Dortmund, 15. April 2011

Es ist immer etwas ganz Besonderes, wenn eine Band ein Album auf den Markt bringt. Das Gefühl ist scheinbar ähnlich wie bei einer Geburt. Und deshalb ist es auch für die Fans immer eine wunderbare Sache, wenn die Bands dann passend zum Albumrelease noch in ihrer Heimat- bzw. Wahlheimatstadt ein Konzert spielen. Irgendwie hat man das Gefühl bei etwas Wunderbarem dabei sein zu dürfen. Es hat eine gewisse Exklusivität.

Genau diese durften gestern die Besucher des Dortmunder FZW erleben. Dort spielten nämlich Black Rust anlässlich der Veröffentlichung ihres dritten Albums „The Gangs Are Gone“. Pünktliche Besucher durften sich noch über eine kleine Überraschung freuen. Der WDR war nämlich anwesend und interviewte die Band im Glasanbau des FZW. Danach gaben sie noch einen akustischen Song zum Besten, der leider von der Redaktion abrupt abgewürgt wurde. Es war wohl keine Zeit mehr in der Live-Schaltung. Aber wir durften dabei sein und lächelnd im Hintergrund das Bild im TV ergänzen. Geklatscht werden durfte auch noch und dann war Schluss.

Direkt danach ging es auch schon weiter. Tommy Finke betrat mit Gitarre und seinem Cellisten Daniel Brandl die Bühne im Keller. Wirken die Songs des Bochumers auf Platte doch ziemlich poppig und durch produziert, gewinnt er live mit Charme und Singer-Songwriter-Attitüde das Publikum für sich. Mir gefiel sein Auftritt auf jeden Fall sehr gut, woran das Cello wirklich nicht ganz unschuldig war.

Nach einer kurzen Pause begannen dann wohlbekannte Klänge, die auch die Einleitung zum Video von „The Gangs Are Gone“ untermalen. Kurz darauf machten sich Black Rust auf den Weg zur Bühne. Passenderweise begannen sie natürlich auch mit diesem Song, den die meisten Besucher durch das Video und durchs Radio wahrscheinlich schon vorher kannten. Welch eine wunderbare Begrüßung für das neue Album.

Als zweiten Titel stimmten die Fünf mit Special Guest Norbert Künne an den Percussions bereits meinen Ohrwurm vom neuen Album an – „These Days“. Damit war das Publikum auch direkt in der passenden Stimmung. Der Raum war gut gefüllt mit Gästen. Es war nicht ganz so kuschelig wie bei Young Rebel Set vor zwei Wochen, aber es kam dem recht nahe.

Black Rust hatten sich auch noch Verstärkung mitgebracht. Von Tommy Finke hatten sie sich für einige Titel Daniel Brandl am Cello ausgeliehen. Zusätzich hatten sie noch Unterstützung an der Gitarre von einem jungen Herrn und von einer junge Dame am Mikrofon, die ebenfalls die Background-Vocals auf „Medicine & Metaphors“ und „The Gangs Are Gone“ übernommen hat.

Gänsehaut-Feeling kam definitiv bei „Silent Lament“ auf – ein sehr reduzierter Song, der auf „Medicine & Metaphors“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen gehört. Live hat er mich diesmal aber wirklich umgehauen. Außergewöhnlich war ebenfalls ein Titel von Neil Young, den Jonas solo zum Besten gab.

Bei Songs wie „Heartache Now!“ und „Rain/Roses“ wurde natürlich ausgiebig getanzt. „Still“, der es nun endlich nach so langer Zeit als Hidden Track aufs neue Album geschafft hat, spielten die Jungs wie immer mitten im Publikum. Die Ansage dazu von Bassmann Julian ließ doch einiges an Freude und Stolz mitschwingen und er verkündete laut das Motto der Band nach Tony Parsons, das es sogar ins Booklet der neuen Platte geschafft hat: „The music is not there to change the world – the music is there to save your life.“ Das kann ich absolut genauso unterschreiben.

Nach einer gefühlten Ewigkeit verabschiedeten sich Black Rust von der Bühne, um dann mit tosendem Applaus und Gebrüll vom Publikum um eine Zugabe gebeten zu werden. Dem Wunsch kamen sie natürlich gerne nach. Weiter ging’s mit zwei – oder waren es sogar drei? – Songs. Zum Abschluss spielten sie „Having Panic About A New World War“, der meiner Meinung nach stärkste Titel auf „The Gangs Are Gone“.

Die Jungs haben es doch immer wieder drauf live den sowieso schon tollen Liedern noch die Krone aufzusetzen. Mit einer formellen Verbeugung auf der Bühne und vielen glücklichen und zufriedenen Gesichtern auf und vor der Bühne gingen sie dann wirklich, um die Geburt ihres dritten Werkes ausgiebig zu feiern. In den nächsten Monaten sind sie erst ein Mal auf Tour. In der Nähe spielen sie, zumindest wenn man aus dem Ruhrgebiet oder der Umgebung kommt, am 30. Juli beim Juicy Beats Festival in Dortmund.

Fotos: Chiara WhiteTapes, mehr hier

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