Konzertberichte

Black Rust, Blue Shell, Köln, 19. November 2010

Direkt im Anschluss an die beiden Gregor McEwan-Konzerte folgte ich ihm weiter nach Köln, wo er am Freitag im Stadtgarten auftrat. Allerdings betrat ich nicht den gleichen Club wie er. In nicht all zu weiter Entfernung lud nämlich Black Rust zu einem der letzten Konzerte in diesem Jahr. Im Rahmen des Today’s Empires Festival spielten Sie zusammen mit Tobey Trueblood und Tim Vantol im Blue Shell.

Tobey Trueblood begrüßte uns als erstes auf der kleinen Bühne. Die Kölner Band sorgte beim größtenteils Kölner Publikum au f jeden Fall für eine ausgelassene Feierstimmung. Auf der MySpace-Seite der Band steht auf Platz 1 der Top-Freunde Chuck Ragan und dieser Einfluss war auch sehr deutlich raus zu hören, was aber keinesfalls negativ gemeint sein soll. Allerdings stehe ich persönlich nicht ganz so auf raue, durch (wahrscheinlich) Whiskey und Zigaretten stark beanspruchte Stimmen. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Zwei Gitarren und eine Cajon.
Direkt im Anschluss folgte Tim Vantol aus den Niederlanden. Auch hier war der Einfluss von Chuck Ragan erkennbar und leider unterschieden sich die beiden Musiker nicht nur optisch sondern auch musikalisch kaum voneinander. Tim Vantol stand allerdings ganz allein auf der Bühne und schaffte es trotz rauchiger Stimme mich doch irgendwie mitzureißen.

Nach einer kleinen Pause erklangen dann die mir inzwischen so gut bekannten Töne des Black-Rust-Intros, das natürlich bei keinem ihrer Konzerte fehlen darf. Bei den letzten Klängen füllte sich dann die kleine Bühne im Blue Shell mit den fünfen. Wie wir später erfuhren konnte Norbert Künne, der ja normalerweise als Special Guest an den Percussions zugegen ist, aus gesundheitlichen Gründen nicht mit nach Köln reisen. Gute Besserung an dieser Stelle.

Black Rust waren dieses Jahr ja hauptsächlich mit den Aufnahmen ihres dritten Albums beschäftigt. Die Konzerte waren also rar gesät. Seit dem Eurocityfest in Münster habe ich die Jungs nicht mehr live gesehen und war umso mehr gespannt wie die neuen Songs klingen, die sie uns ja bestimmt präsentieren würden. Einige neue kannte ich bereits von ihren Auftritten im Amp im März und vom Eurocityfest, wie zum Beispiel „Rain and Roses“ und „Having panic about a new world war“, der ganz zum Schluss zum Besten gegeben wurde und auch mein persönliches Highlight des Abends in Köln war. Ein klasse Abschluss also.

Die Songs waren einfach perfekt durchmischt… alte, neue und alte, die es endlich auf die dritte Platte geschafft haben, wie zum Beispiel das live immer wieder grandiose „Still“, bei dem die Band es vorzieht die Bühne zu verlassen und sich samt Kontrabass und Gitarren in die Mitte des Publikums zu begeben. Da wurden selbst die vorher ziemlich lauten Gäste des Blue Shells ganz still und lauschten den leisen Klängen.

Ich meine auch den Black Rust-Song wiedererkannt zu haben, den Jonas kürzlich mit den Aerobatics in Dortmund performte… nur klang der an diesem Abend natürlich komplett anders. Neben „Having panic about a new world war“ begeisterte mich natürlich wie bei jedem Konzert „Bottom of the glass“. Die neue Mandoline der Band macht sich in den Händen von Julian einfach unglaublich gut.

Die Kölner schienen auch ziemlich begeistert zu sein. Die Stimmung hatten die beiden Supporte auf jeden Fall gut angeheizt und das zog sich auch weiter durch in den etwas ruhigeren Black-Rust-Teil des Abends. Jonas versuchte wie bei jedem Konzert einen Moshpit auf die Beine zu stellen, was allerdings auch diesmal nicht gelang. „Schreib ‘nen Metalsong, dann pogen und moshen wir auch“ rief eine Zuschauerin. Getanzt wurde aber trotzdem ausgelassen. In den ersten Reihen blieb auf jeden Fall kein Bein still am Boden verhaftet.

Das war ein wieder mal unglaublich toller Abend mit Black Rust.

Ich bin wirklich gespannt auf das neue Album, das am 4. März 2011 veröffentlicht werden wird. Und hoffentlich werden sie dann auch wieder häufiger auf den Bühnen Deutschlands und vielleicht auch mal Europas zu sehen sein. In Indien sind sie ja schon getourt. Danach sollte dann wohl auch der Rest der Welt folgen. Verdient hätten sie es auf jeden Fall. Wenn ihnen schon ihre Heimatstadt den Rücken kehrt und lieber ein kleines Popstars-Sternchen zu ihrer musikalischen Botschafterin erklärt, sollten die fünf bzw. sechs einfach genauso engagiert weiter machen und dem Bürgermeister der Stadt mal zeigen, was wirkliche Willenskraft und wirklicher Kampfgeist bedeutet. Beides haben sie nämlich in den letzten Jahren immer wieder unter Beweis gestellt.

Fotos: Chiara WhiteTapes mehr hier

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