Konzertberichte

Beth Jeans Houghton & the Hooves of Destiny – Hamburg, Prinzenbar, 08. Mai 2012

Beth Jeans Houghton

Beth Jeans Houghton spielte mit ihren Hooves of Destiny in der Prinzenbar in Hamburg eines ihrer zwei Konzerte der ersten Deutschlandtour. Die Konzerte in Köln und Frankfurt mussten aus logistischen Gründen abgesagt werden.

Die Prinzenbar befindet sich auf der Rückseite der Docks, auf einer Parallelstraße zur Reeperbahn. Der Konzertraum an sich ist sehr klein, dort würden ca. 150 Menschen Platz finden. Die Größe ist also vergleichbar mit dem Vorraum des Gebäude 9 in Köln. Wer schon einmal da war, kann sich vorstellen, dass es keine sehr große Location ist. An den Wänden sieht man sehr detailgetreu viele kleine Prinzen eingearbeitet, bei gedämmten Licht erzeugten sie eine sehr schöne Atmosphäre.

Kurz nach 20 Uhr betrat Beth gefolgt von ihrer vierköpfigen Band den Raum, kurzzeitig konnte man in ihrem Gesichtsausdruck vielleicht leichte Enttäuschung erkennen, denn es waren nicht mehr als 30 Zuschauer gekommen. Kaum hatte sie die sehr kleine Bühne betreten. sah man ihr aber nichts mehr davon an. Die Bühne war kaum groß genug für 5 Personen und ihre Instrumente, aber es war ausreichend. Die Prinzenbar bot an der Bar und in anderen verschiedenen Ecken Sitzmöglichkeiten, so dass niemand wirklich nach vorne wollte.

Beth richtete sich dann auch sofort an das Publikum und lockerte die Stimmung, indem sie erklärte, dass dies ihr erster Auftritt in Deutschland ist. So wusste sie bisher auch nicht, in welcher Gegend sie sich befanden und dass die Abendplanung folglich geklärt sei.
Sie ist eine kleine und zierliche Person, der man zunächst kein großes Stimmvolumen zutraut. Doch kaum eröffnet sie mit „Atlas“ den Abend, wird man vom Gegenteil überzeugt. Ihre Stimme ist sehr angenehm und erreicht viele Tonlagen, wie in „Sweet Tooth Bird“, ohne dabei zu aufdringlich oder langweilig zu wirken.

Beth Jeans Houghton

Die Setlist bestand aus 14 Songs, davon nur acht von ihrem Debüt „Yours Truly, Cellophane Nose“. So wurde also nicht nur ihr Album runtergespielt, sondern auch viele neue Songs oder B-Seiten, z. B. „Grope“ oder „Return“. Zwischendurch brachte sie kleine persönliche Geschichten mit ein, so hatte sie an diesem Tag nach 20 Jahren ihren Halbbruder, der in Hamburg lebt, wiedergesehen. Dieser half ihr während des Konzerts, wenn sie wie bei „Shampoo“ das deutsche Wort dazu erfragte. Auch wenn sich nicht viele Leute im Publikum befanden, man sah den Künstlern an, dass sie trotzdem Spaß hatten und ihr Bestes gaben. Deshalb wurde im Laufe des Abends die Stimmung lockerer und nach Beth’s Aufruf trauten sich die meisten zum Glück vor die Bühne. Es gibt aus meiner Sicht fast nichts Schlimmeres als ein Publikum, das nur am Rand steht, sich nicht bewegt und keinen Schritt zu viel nach vorne machen will.

Kleinere Schwierigkeiten brachte niemanden aus dem Konzept, bei „Humble Digs“ wollten Beth die ersten Zeilen nicht einfallen, so wurde es erst später im Set gespielt. Außerdem hatte sie ihre Nägel nicht gefeilt, deswegen scherzte sie zwischenzeitlich, dass sie jetzt eigentlich nicht weiter spielen könnte weil sie die Saiten nicht richtig greifen kann.

Mit dem sehr schnellen und kurzen „Prick aka Sean“, diesen Song findet man am Ende von „Carousel“ als Hidden Track, beendete sie ihr Set ohne geplante Zugabe. Die Stimmung war am Ende jedoch so gut, dass viele „one more“ forderten. Damit hatte spürbar keiner gerechnet und nach kurzer Absprache mit ihrer Band fing sie an, eine Coverversion von „Like A Prayer“ von Madonna anzustimmen. Vorher warnte sie jedoch, das als „kind of a joke“ zu sehen. Ich fand jedoch, dass es alles andere als ein Witz war. Hier konnte sie noch einmal ihre volle Stimmkraft zeigen und beweisen, dass auch Songs von Madonna Spaß machen können, wenn man es denn richtig anstellt. Bei diesem letzten Song tanzte nicht nur Beth, sondern auch viele Zuschauer.

Auch wenn der Kartenvorverkauf nur schleppend lief, dies war dann auch wahrscheinlich der Grund für die zwei Absagen, war es ein sehr schöner Konzertabend. Für die Zuschauer ist es natürlich eine schöne Erfahrung, einen Künstler in einer so kleinen Halle mit wenigen Anderen zu erleben, auf der anderen Seite hätte ich der Band mehr gewünscht. Auf Grund ihrer guten Kritiken hätte ich auch definitiv mit einer volleren Halle gerechnet, so war sie beispielsweise in England schon auf Tour mit Bon Iver, auch hatte die BBC sie auf die „Watchlist“ gesetzt. Im Interview hat sie uns erzählt, dass sie lieber vor 50 Leuten spielt, die die Show wirklich genießen und freiwillig gekommen sind, als vor einem großen Festivalpublikum, die sie vielleicht nur ansatzweise als gut befinden. So scheint der Abend für beide Seiten sehr positiv gewesen zu sein. Hoffen wir dass sie uns bald wieder besucht!

Setlist Beth Jeans Houghton & The Hooves of Destiny

Atlas
Dodecahedron
California
Liliputt
The Barely Skinny Bone Tree
Franklin Benedict
Shampoo
Before I Go Away
Your Holes
Grope
Humble Digs
Return
Sweet Tooth Bird
Prick AKA Sean

Like A Prayer

Fotos: Stephanie WhiteTapes

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