Konzertberichte

Beat!Beat!Beat! + Miyagi, Kleine Freiheit, Osnabrück, 15. April 2010

Foto: Myspace der Band

Seit geraumer Zeit begleiten uns die Viersener von Beat!Beat!Beat! nun schon immer mal wieder thematisch. Nur zu einer livehaftigen Begegnung kam es bisher nicht. Vor allem lag das natürlich daran, dass es die Band, obwohl Viersen jetzt nicht so weit entfernt ist, bisher nicht für einen Abstecher in die Nähe des Münsterlands gebucht wurde. Das Popsalon Festival, das dieses Jahr erstmals in Osnabrück ausgerichtet wurde, sollte diesen Umstand nun ändern. Eine halbe Stunde Autofahrt ist für eine der – dem Hype nach – nächsten großen deutschen Indie-Bands ja schließlich machbar. Zumal die Macher des Festivals ein goldenes Händchen am ersten Festival-Tag bewiesen und ins Vorprogramm die Münsteraner von Miyagi gesteckt haben. Ein hochkarätiger Abend also, für den ein Münsteraner sich sogar freiwillig nach Osnabrück macht.

Der Abend wurde eröffnet durch einen verspäteten Start in einer sehr gut gefüllten Kleinen Freiheit in Osnabrück. Ein Club, der ein recht eigenes Flair hat. Man wird durch einen ausrangierten Bus geleitet, der als Eingang dient und darf dann durch eine kleine Strandlandschaft in das Gebäude eintreten. Das hat mit seinem Fliesenboden, der Fensterfront zur rechten des Raumes und der Bühne, die nur ca. zwei Stufen hoch ist, den Charme eines evangelischen Gemeindezentrums, in das sich jede Menge Astra Reklamen, ein paar Sofas und eine Theke verirrt haben. Aber Musik ist ja schließlich auch so eine Art Religion, also lässt sich auch in einem solchen Ambiente gut feiern. Etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde später als geplant eröffneten dann Miyagi die Popsalon Messe, ähem, das Popsalon Festival. Der Platz im Line-Up war schon etwas komisch, da Miyagi gerade an ihrem zweiten Album arbeiten und Beat!Beat!Beat! gerade einmal ihre „Stars“ EP veröffentlicht haben. Dennoch sollte sich gerade diese Entscheidung der Macher als gute Idee erweisen, denn so war der Club bereits sehr früh gut gefüllt. So konnten Miyagi dann auch gleich vor voller Hütte ihre Live-Qualitäten unter Beweis stellen. Die haben wir hier ja auch schon das ein oder andere Mal geschildert und auf die Münsteraner war auch dieses Mal Verlass. Die gesamte Band war von Beginn an voll da und lieferte ein schweißtreibendes Set aus alten Bekannten, aber auch einer Reihe neuer Songs.

Dabei ließen sie nichts anbrennen und hauten schon sehr früh mit „Whatever 2.0“ ihren größten Hit raus. Die Stimmung kochte dadurch schnell hoch und sorgte bei einigen für ausgelassene Tanzstimmung, die Sänger Stefan und Bassist Axel durch den ein oder anderen Besuch im Publikum immer wieder entfachten. Besonders erwies sich bei Miyagi auch in diesem Set wieder der Wechsel zwischen beinahe post-rockigen Instrumental-Passagen mit zwei Schlagzeugen und schnell gespielten Indie-Rock-Passagen mit gehetztem Gesang als wahrer Glücksgriff und sorgte für ein zugleich spannendes und unterhaltsames Set. Kein Wunder also, dass die Jungs nach ihrem knapp 45minütigen Auftritt mit viel Jubel und Zugabe-Rufen auf die Bühne zurück gerufen wurden. Recht zügig kamen sie dann auch zurück, um ein längeres Intro zu spielen, dass direkt in die obligatorische Zugabe „Ice Cream“ überging.

Foto: Myspace der Band

Miyagi hatten das Publikum ordentlich angeheizt für die jungen Newcomer aus Viersen, die sich anschließend mit ihrem Aufbau beeilten, damit die Besucher der Kleinen Freiheit auch warm bleiben. Vom Sound her etwas ruhiger und unaufgeregter starteten die dann zügig in ihr Set und hatten auch keine Schwierigkeiten das Publikum für sich zu gewinnen. Live zeigten Beat!Beat!Beat! auch direkt, dass der ewige Foals Vergleich wohl aus der gemeinsamen Liebe der Bands für Gitarren-Pickings rührt. Im Sound schlägt sich das bei den vier Viersenern allerdings völlig anders nieder, als bei den Londoner Fohlen. Hier geht die Reise deutlicher in Richtung Brit-Rock mit einer großen Note Indie, von Math-Rock ist bei Beat!Beat!Beat! kaum eine Spur.

Durch den etwas ruhigeren Anstrich ihrer Songs sorgten die Jungs zwar nicht für eine derart ausgelassene Tanzstimmung, wie ihre Label-Mates von Miyagi, konnten aber dennoch beinahe auf der ganzen Linie überzeugen. Zwar merkte man ihnen die Aufregung stellenweise deutlich an, aber das legt sich auch noch und fällt kaum ins Gewicht, wenn man Hits, wie „Fireworks“, „We Are Waves“ und insbesondere das grandiose „Stars“ im Gepäck hat. Nach nur knapp 30 Minuten war dann zwar schon Schluss mit dem regulären Set, aber mehr kann man nach einer EP auch nicht erwarten. Der Applaus sprach für sich und lässt die Erkenntnis reifen, von Beat!Beat!Beat! werden wir in den nächsten Monaten noch hören, wenn sie beweisen, dass sie mehr als ein kleiner Indie-Hype vom Niederrhein sind.

Fotos: Chiara Jana

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