Konzertberichte

Area4, Lüdinghausen, Alter Flugplatz Borkenberge, 21. – 23. August 2009

Drei Tage mit immer wiederkehrendem Sonnenschein und 20.000 Besuchern in Lüdinghausen im Kreis Coesfeld sorgten für eine ausgelassene Stimmung beim Area4 Festival. Von den Besucherzahlen so groß wie noch nie, etabliert sich das Festival im Westen des Landes. Letztes Wochenende spielten knapp 30 Bands auf lediglich einer Bühne. Geschrumpft ist das Festival jedoch in der Hinsicht der Bandanzahl. Das hübsche Musikzelt des Vorjahres, wo immerhin Bands wie die Futureheads, Bloodlights und die Blood Red Shoes ihr musikalisches Können darboten ist wie in Luft aufgelöst. Ein trauriger Minuspunkt, für dieses kleine, sympatische Festival im feinen Münsterland. Doch an Höhepunkten fehlte es dieses Jahr dem Festival trotz allem nicht.

Schon der Freitag begann denkwürdig. Mit dem peinlichsten Überbleibsel der Ramones. CJ Ramone. Leider steht der Name nicht für Qualität, sondern eher für den Versuch noch ein paar müde Euros basierend auf den Mythos aufzubauen. Gänzlich unansehlich und leider den Namen einer Legende in den Dreck ziehend! Unsere Lieblinge aus dem Norden sorgten im Anschluss jedoch wieder für ein Lächeln auf unseren Lippen. Turbostaat spielten seit über einem Jahr mal wieder im Westen und waren dementsprechend gut drauf und sorgten für ausgelassene Stimmung. Alte Songs der ersten drei Alben, sowie eine Appetitanreger für das hoffentlich bald erscheinende vierte Album sorgten für einen ordentlichen Mix und machten Spaß. „Are you gonna be my girl“ war ihr Hit, auf dem sie sich seit Jahren aufbauen. Jet ist der Name der Band, der sich ähnlich wie Jahre zuvor eine Band Namens Liquido auf diesen Hit profiliert. Vielmehr ist seitdem nicht gekommen, obwohl inzwischen Album Nummer Drei geworfen wird. Die Menschen vor der Bühne nahmen es mit wohlwollen hin, feierten ein wenig mehr bei besagtem Hit und ließen einen unspektakulären Auftritt zu Ende gehen. Als Co-Headliner dienten am Freitag Abend die Altpunks von The Offspring. Seit Jahren zeugt die Band davon Stilbrüche zu begehen und sich der jeweiligen Zeit mit der Musik anzupassen. Was die 5 alten Herren auf der Bühne anrichteten grenzte an eine riesengroße Frechheit. Kein Elan, keine Spielfreude, Nichts. Unmotiviert eine Bühne betreten und eben ein Set in 60 Minuten runterspielen, das eigentlich für 75 Minuten angesetzt wurde. Die großen Songs werden euphorisch bejubelt, die Band scheint es nicht zu Interessieren. Auch unverständlich sich einfach während des Konzertes mal eben zurückzuziehen und schlimme Choreographen die Bühne betreten zu lassen, die ein Punkkonzert in eine alberne Show umwandelten. Schlimmer konnte es nicht werden. Und sie setzten trotzdem noch einen oben drauf. So manchen Fan oder Zuhörer an diesem Abend überkam der Verdacht, das so manche Stellen Playback liefen. Viele fraglose Gesichter werden wohl nie eine ehrliche Antwort bekommen. Eine Reunion also, die man sich hätte sparen können. Der Stimmungspfeil konnte nur noch nach oben tendieren als endlich die guten, ehrwürdigen, alten Toten Hosen die Bühne betreten. Seit mehr als nun 25 Jahren mit ganz oben dabei und das zu recht. Merkt man auf den letzten Alben einen leichten Qualitätsverlust zu früheren Platten, so kann man das live nicht behaupten. Sie wissen, wie sie das Publikum in Griff kriegen. Und es geht auch einen kletternden Campino, der die Bühne erklimmt. 90 Minuten, inkl. Gänsehaut. Alles aus Liebe, Liebeslied, Opelgang. Alles nur ein kleiner Auszug aus der langen und gut gefüllten Setlist. So schwach der Start am Freitag so manch einem vorgekommen ist, so schlimm war es nicht. Ein guter Anfang mit Potenzial Richtung Oben.

Samstag, ein neuer Tag, das Wetter hält sich tapfer trocken, die Sonne blinzelt hin und wieder durch und der Festivalalltag nimmt seinen gewöhnlichen Lauf. Rival Schools um die Hardcore Legende Walter Schreifel (ehemals Gorilla Buiscuits) hatten es schwer bei dem im Großen und Ganzen recht jungem Publikum, legten jedoch ein ordentliches Set hin. Laut und staubig wurde es dann bei der ehemaligen OI – und inzwischen zum Gröhlpop tendierenden Broilers. Es wurde getanzt und gesungen und das Bier floss in der Zeit schneller in manche Kehlen als zu anderen Zeitpunkten. Heiß wurde es, als Jesse Hughes, Frontmann und Frauenschwarm der Eagles of Death Metal, die Bühne betrat. Den Charme dieses Mannes zieht jeden in seinen Bann. Die Frauen liegen ihm zu Füssen, während die Männer ihn um seinen Sexappeal beneiden. Ein Mann der durch sein einzigartiges Auftreten Menschen in Ekstase versetzt. Musik haben die 4 Jungs aus Kalifornien auch gemacht. Und das sehr gut. Die erste richtige wilde Rock and Roll Party an dem Wochenende. Das mit den Co-Headliner passt bei diesem Festival leider immer noch nicht so. AFI durften zweifelhaft den Platz als vorletzte Band am Samstag übernehmen. Auch hier eher ein schwaches Grinsen und ein fragenden Blick als gelöste Freude. Über den Auftritt wird an dieser Stelle lieber geschwiegen. Rise Against waren Headliner am Samstag. Energiegeladen und voller Schwung holten sie alles aus dem Publikum raus und luden mit ihrem mitreißendem Set zum Mitsingen ein. Leider war der Auftritt nach lediglich einer Stunde vorbei und so manch einer fühlte sich ein wenig veräppelt nach diesem viel zu kurzen Auftritt.

Sonntag, ein Tag der Resignation. Ein Großteil zollt dem Alkohol Tribut, einige wiederum packen ihre Sachen zusammen um in den Abendstunden den Heimweg anzutreten und alle genießen die letzten Töne an diesem Tag. Mit dabei zum Genießen sind Life of Agony. Um Frontmann Keith Caputo, der stark an die historischen 90er erinnert durch sein Erscheinungsbild. Eine Stimme hat dieser Mensch jedoch, die man mögen kann und muss. Life of Agony lassen sich schwer in eine Stilrichtung einpacken, zu vielseitig ist die Musik. Aber sie funktioniert, wenn auch nicht mehr so stark wie in den 90ern, aber sie funktioniert. Anti-Flag sind eine politisch engagierte Band. Sie stehen gegen Kapitalismus, Sexismus, Faschismus und und und. Ob es ein Großteil des recht jungen Publikums versteht, mag man bezweifel, aber eine Riesen Party sind die Konzerte allemal. Auch wenn der aufgewirbelte Staub so manch einem den Appetit verdorben hat, so tat es der Stimmung keinen Abbruch. Da drehte sich der Circle Pit, die Wall of Death wurde zelebriert und alles unter einem Motto: Fuck War – Let’s Party! Als Dichterlesung angekündigt und definitiv ruhiger und besinnlicher, aber mindestens genauso schön war der Auftritt von Kettcar um Markus Wiebusch. Man mag sich oft bei Bands beklagen, dass auf Festivals die alten Songs in der Setlist keinen Platz finden, so ist bei Kettcar der Augenvermerk gerade auf diese Songs gelegt. Vor allem Stücke vom ersten Album „Du und wieviel von deinen Freunden“ fanden den Weg in die Setlist. Eine Stunde dauerte der Auftritt und wurde mit dem Song „Balu“ beendet. So schön kann eine Dichterlesung sein. Für Viele der eigentliche Headliner war Farin Urlaub mit seinem Racing Team. Die Mischung aus Ska, Punk und guten deutschem Pop mit einer Prise Reggae und Dancehall fand einen unheimlichen Anklang und nicht nur beim Song Zehn wurde deshalb wild gesprungen und getanzt. Farin Urlaub weiß halt wie es geht. Nach endlich hat die Ansetzung mit dem Headliner funktioniert. Der wahre Headliner am Sonntag jedoch waren die großartigen Faith No More um Genie Mike Patton. 90 Minuten wurde zum Abschluss noch einmal ein Schwenk aus den besten Faith No More Jahren geboten und fand einen würdevollen Abschluss eines tollen Festivals.

Fotos: Pressefreigabe FKP Scorpio

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