Konzertberichte

Area 4 – Tag 2, Samstag, 30. August 2008

Sonne – Sonne – Sonne. Der Wettergott ist immer noch Festivalbesucher. Die Sonne scheint als gäbe es kein morgen danach und dies zwingt so manche Menschen halbnackt über das Festivalgelände zu springen. Ein Anblick der Gefallen kann, aber nicht muss. Gefallen haben mal wieder die zahlreichen Acts, die an diesem heißen Tag auf der Bühne standen.

Erik Weiss

Foto: Erik Weiss

Da waren zum einen das Sextett aus dem hohen Norden. Smoke Blow touren sich zur Zeit den Arsch zum aktuellen „Collosus“ ab. Mit ihrer Mischung aus Punk, Rock’n’Roll und ein wenig Sprechgesang (Mitte der 90er wurde diese Stilrichtung noch Crossover genannt) sucht man vergeblich nach Vergleichbarem. Einzigartig kann man das bezeichnen was Jack Letten & Co. Auf der Bühne von sich geben. Trotz des frühen Zeitpunkts sorgen sie schon für eine gute Stimmung an diesem Samstag und ernten ordentlichen Applaus.

Sonnenbrille, Baseball Cap und nach vorne. Das sind Pennywise. 9 Alben, etliche Singles und natürlich die Überhymne „BroHymn“. Circle Pit Time. Sie jonglieren mit dem Wort Fuck, wie keine andere Band, ziehen weiter über den noch aktuellen amerikanischen Präsidenten her und fröhnen deutschen Gerstengetränken. Und dafür lieben sie die Massen. Seit fast 20 Jahren ziehen Pennywise durch die Lande und haben ihren Sound, der sie so unwiderstehlich macht. Sie pfeifen auf die Autorität „Fuck Authoroty“, sind ihr eigenes Land „My Own Country“ und widmen Liedern ihrem verstorben, ehemaligen Bassisten. Gerade beim besagten „BroHymn“ strecken sich Arme und Fäuste gen Himmel und es wird lauthals mitgebrüllt. Auch noch Stunden später erklingen von allen Festivalwinkeln das „BroHymn“-Tribute.

Nicht ganz so hymnenartig sind die Songs der Münsteraner Jungs von The Ghost of Tom Joad. Die Band mit dem kürzesten Anreiseweg zum Festival konnten dennoch Punkten. Tanzbar, schwungvoll und voller Kraft stecken die Jungs aus der Fahrradstadt. Ein volles Zelt dankt ihnen. Ihr aktuelles Album „No Sleep Until Ostkreuz“ war 2008 eines der am Meisten erwartetsten deutschen Punk-Newcomer Alben und es hat eingeschlagen.

Serj Tankian, Sänger von System Of A Down, armenischer Herkunft. Neuerdings auf Solopfaden unterwegs. Mit Zwischenstopp Area 4. Stets politisch korrekt, prangert er die Verhaltensweisen der amerikanischen Regierung an. Sein aktuelles Album „Elect The Dead“ würde jeder auch als neues SOAD Album abnehmen. Es liegt wahrscheinlich an der unvergleichbaren Stimme. Er weiß, wie er die Massen fängt und wie er seine politischen Statements los wird. Im Hintergrund der Bühne beginnt die Sonne so langsam ihren Abgang, wodurch die richtige Stimmung erzeugt wird. Würde es mehr Menschen wie ihn geben, die Welt wäre ein guter Platz.

Wild und ungestüm, nach vorne gehend und eine Licht, das einen Fotografen verzweifeln lässt. Disco Ensemble aus Finnland. New Wave trifft powergeladene Vocals, wilde Punkriffs und kraftvollen Gesang. Das Zelt ist voll, die Meute springt tobt und Disco Ensemble machen dscheinbar alles richtig. Sie spielen die „Drop Dead Casanovas“. Die ersten Reihen sind bespickt mit Frauen und himmeln Sänger Mika Koivisto an, der der kleine Bruder von Simon Gosejohann sein könnte.

 


Millencolin sind eine Institution im Punkrock. Seit mehr als 15 Jahren prägen sie wie keine weitere Band den Skatepunk. Die vier Schweden brauchen keine langen, lästigen Ansagen. Sie spielen ihre Songs und das reicht. Jeder kennt sie, jeder mag sie. Songs ihres neuen Albums „Machine 15“ werden noch verhältnismäßig ruhig zur Kenntnis genommen, die alten Songs wie „Man Or Mouse“ dagegen tierisch abgefeiert. So lassen sie sich nicht lumpen und spielen danach auch noch Zugaben um sich mit „Detox“, der Single des aktuellen Albums, zu verabschieden.


The Hives are law – you’re crime! Die Verhältnisse sind geklärt und überzeugen brauchen sie niemanden mehr davon. Sie haben ein „Black & White“ Album geschrieben. Es soll besser sein als das Black Album (Metallica), eine Hürde, die sie mit links nehmen. Ob es wirklich besser als das White Album (Beatles) ist, sei mal dahingestellt. Für die einen arrogant, für die anderen stilvoll. Es kann sein, dass sich die Geister scheiden, aber The Hives interessiert das nicht. Auch nicht, dass die Ansagen wie vom Babelfish übersetzt klingen. „Main Offender, a.k.a I.D.I.O.T .“ sind nur ein kleiner Auszug aus dieser, mit Perlen belegten Setlist. „Howlin“,  Sänger der Band, hat Schnupfen, hustet ins Mikro und springt trotzdem rum. Spätestens morgen sollte er komplett flachliegen. Aber er gibt trotzdem alles, heizt das Publikum ein und erklärt, dass er garantiert nie einen Auftritt absagen wird, „da er keine Pussy ist.“ Ob das eine Anspielung auf eine Band bespickt mit Maskenmänner sein soll, bleibt jedem jetzt selbst überlassen. Aber schöne 1 ½ Stunden gehen mal wieder viel zu schnell vorbei.

So findet der Samstag ein schönes Ende. Der ein oder Andere wird sich noch ins Partyzelt begeben um die letzten Reserven rauszuholen. Sonntag ist der letzte Tag des Festivals. Und ein kleiner Frosch hat mir geflüstert, dass das Wetter das Area 4 weiterhin mag!

Der Freitag hier nachzulesen und der Sonntag hier

 

Einige Impressionen:

Pennywise:

ELl-KE:

Serj Tankian:

The Hives:

Martin WhiteTapes

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