Konzertberichte

Area 4 – Tag 1, Freitag 29. August 2008

Der Klimawandel ist gerade stark im Kommen. Mal bläst er uns kalte Luft um die Ohren, einen Augenblick später schneit es und ehe man sich umsieht fallen schon die Blätter von den Bäumen. Tag Nummer Eins bei der dritten Ausgabe des Lüdinghausener Dorffest – Area 4 – und der Klimawandel, nett wie er ist, hat sich auf strahlenden Sonnenschein eingestellt. Nicht zu warm, aber immer noch so warm, dass der Pulli und die Regenjacke im Zelt bleibt. Bands haben übrigens auch gespielt am heutigen Freitag……und das nicht zu knapp. Den Startschuss gaben vier Jungs aus New Brunswick, New Jersey. The Gaslight Anthem. Man ahnt, dass man von dieser Band nicht zum letzten Mal hört (in Kürze auch hier im Interview). Sie versprechen stets mit einem Lächeln die Bühne zu betreten und tun dies auch. Frontmann. Brian Fallon, ein nicht allzu großer Mann, mit ganz vielen Tattoos, der jedoch ganz groß ist, wenn es um singen geht. Der raue Klang erinnert teilweise an einen jungen Joe Cocker. „The 59. Sound“ ist das neue Album, welches sie im Gepäck haben und sie ernten ordentlichen Applaus und haben sich sicherlich wieder einige Freunde erspielt an diesem Tag. Denn sie verlassen die Bühne wieder mit einem Lächeln.

Schweden hat ein musikalisches Output wie kein anderes Land. Da muss selbst der größte Möbelhersteller des Landes an seine Grenzen gehen um ein ähnliches Output zu schaffen. Und so darf getrost mit 90er Wahrscheinlichkeit sagen, dass das, was musikalisch aus Schweden herüberschwappt, begeistert. So auch bei The Sounds. Mag es die Dynamik von Sängerin Maja Ivarsson sein oder die tollen, poppigen Songs, die eine Prise Wave in sich tragen. So wirklich weiß es keiner, aber es funktioniert und das mehr als gut. Wenn man das von den Möbel auch sagen könnte.

Mit hübschen Mädels ging es dann prompt weiter, bei Blood Red Shoes, unseren Lieblingsnewcomern von der Insel. Die im Frühjahr eines der Alben des Jahres ablieferten. Eine Platte, die vieles in den Schatten stellt, doch live hat das Duo sogar noch mehr zu bieten. Die fast schüchtern wirkende Laura-Mary Carter an der Gitarre weiß trotzdem, wie sie die Massen kriegt. Hits wie „Say Something, Say Anything“ und „This Is Not For You“ bringen nicht nur die Tanzflächen einiger Indiediskos zum brodeln, auch das Area 4 ist begeistert.

„Punks Not Dead“ – seit Anfang des 80er ein Ausruf einer ganzen Generation. Fast zeitgleich zu diesem Zeitpunkt fanden sich Bad Religion zusammen und zählen heute zu der einer der größten Band des Punkgeschichte. Sie verbinden jung und alt, ziehen ihr Ding durch und haben ihren typischen Sound über all die Jahre entwickelt und geprägt. Da nimmt es Ihnen niemand übel, dass mal Texte vergessen werden und das der inzwischen unhörbare „PunkRockSong“ doch in der Setlist auftaucht. Das macht alles nichts. Nebenbei wird noch Barack Obama gratuliert, Offspring Sänger Dexter Holland zurecht den Kakao gezogen und die Songs mit viel liebe runter gerotzt. So und nicht anders sollte eine Punkrockshow sein. Ein Gruß an die großen Helden. Danke!

Auch seit Anfang des 80er verkehren sie in ihrer eigenen Welt des Punkuniversums. Keine Band versteht es so ihr Ding durch zu ziehen, wie die Ärzte. Fans fordern Elke, die Band interessiert es nicht. Endlose Ansageschleifen, gestört von Liedern, die jeder mitsingen kann. Eine Band, die wie keine weitere die Massen vereint. Jung und alt, grau und blau, schwarz und weiß, groß und klein, Punk oder Anzugträger. Alle sind sie da und feiern eine 2 Stunden Party. „Der Himmel ist blau und der Rest deines Lebens liegt vor“. Himmelblau eröffnet jedes Set dieser Tour und es könnte kaum passender sein, wenn beim Höhepunkt des Liedes der Vorhang fällt und BelaFarinRod zu erblicken sind. Die Zuschauer tanzen, klatschen, machen sinnfreies mit. Erlauben dürfen sie es sich wie keine Andere. Auch wenn die Songs schon tausend mal gehört worden sind, es ist immer wieder schön. Und es scheint, solange der letzte Nazi auf dieser Welt ist, solange brüllen immer noch tausende Ärzte-Fans „Arschloch“ im Refrain von „Schrei nach Liebe“, in der Hoffnung, irgendwann mal doch in einer besseren Welt zu leben. Wenn Farin und Bela sich dann noch am Ende von „zu Spät“ im Reimen batteln, grüße wieder Richtung Düsseldorf gehen, dann weiß man, dass war eine gute Show. Und ist doch schon enttäuscht, wie schnell zwei Stunden um sein können.

Ein guter Anfang erster Festival-Tag. Wir freuen uns auf noch mehr Party und noch besseres Wetter!

Der Samstag, hier nachzulesen, der Sonntag hier.

mehr Impressionen:

The Sounds:

Blood Red Shoes:

The Futureheads:

Bad Religion:

Martin WhiteTapes

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