Konzertberichte

…And You Will Know Us By The Trail Of Dead, Centralstation, Darmstadt, 17. August 2011

Die zur Zeit Vier-Mann Gruppe aus Texas ist eine besondere Band, die auf Literatur, Kunst, Musik, Mythen und antike Kulturen gleichermaßen sehr viel Wert legt. Das gesamte Artwork für die Gruppe erstellt Sänger und Gitarrist Conrad Keely. So wurden verschiedenste Drucke mitsamt Autogramm während des Konzertes verkauft. Manche waren Teil des Band-Artworks, andere nicht, wie eine Zeichnung mit einem rockenden Heino. Richtig, der deutsche Schlagermusiker Heino.

Bevor …And You Will Know Us By The Trail Of Dead die Bühne betraten standen zwei Vorbands auf dem Programm. Die erste waren die Darmstädter Bluesrocker Okta Logue. Danach betraten Ringo Deathstarr die Bühne, eine Shoegaze-Pop-Gruppe, die wie Trail Of Dead ebenfalls aus Austin kommen. Optisch gaben die drei jungen Musiker mit Bassistin/Gitarristin Alex Gehring im Minikleid einiges her. So seRingo Deathstarrxistisch das auch klingen mag – wer auf einer erhöhten Bühne ein so kurzes Kleidchen tragen kann, provoziert diese Kommentare. Auf Platte ist diese Gruppe hörenswert, da sind die verschiedenen Einflüsse von The Jesus and Mary Chain, Sonic Youth und My Bloody Valentine hörbar. Leider bekamen die Zuschauer live kaum etwas davon mit. Ein einziger Soundbrei überschwemmte Gesang und instrumentelle Fertigkeiten. Ein Problem war wohl, dass der bewusste „fuzz“ auf Platte live schwer umzusetzen ist.

Voller Energie, geradezu brachial präsentierten sich …And You Will Know Us By The Trail Of Dead. Besonderen Fokus legten die Musiker auf Stücke des im Februar diesen Jahres erschienen „Tao Of The Dead“ und „Worlds Apart“, das 2005 rauskam. Die vier Texaner schreckten nicht davor zurück das auf dem zweiten Teil vertretene 16:32 Minuten lange Stück „Strange News From Another Planet“ darzubieten. Bei dem abwechslungsreichen Song kein Problem. Natürlich ist das gesamte Werk „Tao Of The Dead“ mit seiner Dynamik prädestiniert für eine Live-Darbietung. Weiter gab es einige Referenzen zu früheren Alben. Der Spannungsbogen des Auftritts ließ keine Wünsche offen. Technische Perfektion im Zusammenspiel mit stürmischen Harmonien, Trommelgewittern, laut-leise-Wechsel, die mit sichtlicher Leidenschaft von den Musikern dargeboten wurden begeisterten. Trail Of DeadWie es schien, nicht nur mich.

Ich tue mich generell schwer auf Konzerten zu lange auf den Beinen zu stehen, da etliche Körperteile anfangen weh zu tun, aber hier hätte ich auch vier Stunden stehen können und alle Schmerzen wären vergessen gewesen. In der ersten Reihe lief ich allerdings Gefahr von Jason Reece ins Gesicht getreten zu werden – so wild wirbelten die stets schwarzgekleideten Herren über die Bühne. Reece ließ es sich nicht nehmen mit dem grandiosen Drummer Jamie Miller die Plätze zu tauschen und beide bewiesen, dass sie wahrlich talentierte Multiinstrumentalisten sind.

Ich erinnere mich an frühere Live-Rezensionen über …And You Will Know Us By The Trail Of Dead, die nicht sehr positiv waren. Nach diesem Erlebnis in der Centralstation kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass diese Band fähig ist schlecht zu sein.

Als wir gehen mussten, habe ich regelrecht getrauert – dieses Konzert war das Beste, das ich in einer sehr langen Zeit gesehen habe. Das einzige was vielleicht gefehlt hat, war der krönende Abschluss mit dem die Texaner ihre früheren Konzerte abschlossen – das Zerschmettern ihres gesamten Inventars.

Fotos: Asiye WhiteTapes

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