Konzertberichte

Allo Darlin‘, Indie-Pop-Days, Berlin, 5. September 2010

Foto:

„You want us to cover a song? They all sound like covers anyway!“ ruft Elizabeth Morris während dem Auftritt ihrer Band Allo Darlin‘ auf dem Indie Pop Days Festival in Berlin ins Publikum, und ich bin froh dass sie es selber aussspricht. Denn genau das ist der Grund warum ich Allo Darlin‘ bisher ungefähr garkeine Aufmerksamkeit geschenkt habe.

Ich wollte diese Band wirklich nicht mögen. Und sie haben es mir einfach gemacht. Überfröhliche Twee-Popmusik, die zum Schunkeln einlädt, lässt sich einfach ignorieren. Auch die Tatsache, dass Allo Darlin‘ auf dem gleichen Label wie The Pains Of Being Pure At Heart veröffentlichen, konnte mich wenig beeindrucken. Doch plötzlich finde ich mich in einem Raum mit unzähligen zufrieden aussehenden Menschen, die ihre selig lächelnden Lippen zu den Texten von Elizabeth Morris bewegen, und ich kann nicht anders als es ihnen gleichzutun.

„Everybody I know wants to be your friend, but I just wanna hold you when the music ends.“

Elizabeth ist gebürtige Australierin, fiel in London aus dem Flugzeug, stolperte in einen Laden in der Brick Lane, wo sie ihre Ukulele kaufte, auf der sie seitdem Songs schreibt. Soweit die Geschichte von Allo Darlin. Dass Elisabeth auch noch in Amelia „Twee“ Fletcher’s aktueller Band Tender Trap spielt, ist genauso erwähnenswert die zahllosen Zitate und Referenzen, mit denen das Debüt-Album von Allo Darlin‘ gespickt ist. Es sind so viele, dass es nicht überraschen wurde, wenn die komplette letzte Seite des Booklets als Quellenverzeichnis herhalten müsste.

„ It’s like The Just Joans said: „You’re oh so sensitive“ “

So wird für die Küchen-Romanze „Heartbeats Chili“ bei Johnny Cash abgeschrieben, in What Will Be (zugegebermaßen unnötigerweise) Que Cera Cera angesungen, My Heart is A Drummer klingt im Refrain wie Cindy Laupers Girls Just Wanna have Fun, macht aber trotzdem oder gerade deswegen Spaß und I Kissed Your Lips zelebriert in bester Grease-Manier den Boy/Girl Wechselgesang.

Auf dem Höhepunkt des Album „Let’s Go Swimming“ beschreibt Elizabeth gekonnt einen perfekten Tag an einem See in Schweden, den die Bänker in Moorgate sich nicht hätten erkaufen können, und die Hipsterkids in Shoreditch nicht besser hätten stylen können. („All of the hipsters in Shoreditch could never style it, and all of the bankers in Moorgate could never buy it for you.“) Als Australierin fühlt es sich natürlich „brandnew“ an „to go swimming where nothing can eat you“. Im Zusammenhang mit diesem Song findet sie auch gleich die perfekte Beschreibung für ihre eigene Musik „This is simple and it’s true.“, wer braucht also noch dieses Review.

Ihr ahnt es schon: Hier wird nicht das Twee- oder ein anderes Rad neu erfunden, aber wer seinen Ohren eine Herausforderung bieten will, greift ohnehin nicht zum Album von Allo Darlin‘. Bis dahin versüßen wir uns die Herbsttage mit Elizabeths bittersüßen Twee Pop Songs und freuen uns dass sie es schafft ihre Songs so charmant klingen zu lassen, wie sie selber ist.

Myspace // Homepage

Discussion

Comments are closed.

Archive