Konzertberichte

A Summer’s Tale Festival 2017

A Summer's Tale Festival

Zum dritten Mal hieß es vom 2. bis 5. August in Luhmühlen im Herzen der Lüneburger Heide „A Summer’s Tale“ und so kann man das, was der Veranstalter FKP Scorpio da mit liebevollster Detailarbeit auf die Beine stellt auch ohne Übertreibung bezeichnen. DAS Sommermärchen unter den deutschen Festivals.

Wer jetzt allerdings das typische deutsche Festival mit einer Unmenge an größtenteils stark betrunkenen Jugendlichen, viel Müll, das Ganze auf einem langweiligen Festivalgelände, laute Musik, dargeboten von in jedem Jahr immer wieder den gleichen Bands usw. erwartet, der liegt falsch.

Das Summer’s Tale ist quasi das Gegenteil. Auf jeden Fall für seine Zielgruppe, denn diese unterscheidet sich von den Zielgruppen anderer Festivals ein bisschen. Das Summer’s Tale ist ein Familien-Wohlfühl-Festival mit einem gewissen Indie-Touch, jedoch kein Partyfestival und auch nicht der Ort, wo konzertinhalierende Indiejünger das Next Big Thing entdecken.

Hier ein paar der Gründe dafür.

Das Publikum!

Das Summer’s Tale Publikum ist entspannt. Der Altersdurchschnitt liegt etwas höher. Familien mit Kindern prägen dieses Festival und vermischen sich mit dem, dem Line-Up geschuldeten Indie-Publikum, zu einer äußerst sympathischen Menge von in diesem Jahr wieder geschätzt 12.000 Menschen. Was besonders auffällt: die Grundstimmung ist friedlich und äußerst gut gelaunt. Man sieht glückliche Menschen, egal wohin man schaut.

A Summer's Tale Festival

Das Festivalgelände!

Inmitten der Lüneburger Heide gelegen, werden hier einmal jährlich die verschiedenen Bühnen des Summer’s Tale aufgebaut. Es gibt die auf einem Reitplatz gelegene Konzertbühne und zu ihrer Linken den Zeltraum. Außerdem findet man im nahegelegenen Waldgebiet die Waldbühne und dort angrenzend am See liegend den Grünen Salon. Auf diesen vier Bühnen findet abwechselnd nacheinander das musikalische Programm des Festivals statt. Das Konzept des Festivals ist da ganz klar. Kurze Wege und Bühnen, die von ihrem Aufbau her jedem die Möglichkeit geben, jeden Act zu sehen. Und so hat jeder Festivalgast die Möglichkeit ohne Stress alles zu sehen, was er möchte.

Aber es gibt ja nicht nur musikalisches Programm auf dem Summer’s Tale. Und so gibt es weitere Venues. The Tale’s Cafe, in dem vor allem eine Menge Lesungen und Vorträge stattfinden, wie zum Beispiel das sehr erwähnenswerte „Couchsurfing in Russland“, das Luhedeck für die bewegungsintensiveren Indoorevents wie Cajon-Workshops.

Hinzu kommen noch Yoga, Nia und vieles anderes, wie die Sommerwiese mit viel Platz für Outdoorevents wie Kindertanzen, Meditation, das Festivalatelier zum Basteln, das Wissenszelt, die Kids & Family Area (viele Kids, gaaaaaaanz viele Kids) und und und …

Viele der außermusikalischen Aktivitäten sind von der Anzahl der teilnehmenden Personen begrenzt, aber wer sich rechtzeitig anmeldet und mit dem schier unendlich wirkenden Programm auseinandersetzt, der wird bei dem ein oder anderen dabei sein können und vielleicht dann wie wir auch seinen eigenen, selbstgebauten A Summer’s Tale-Festivalhocker mit nach Hause nehmen.

Musik!

A Summer's Tale Festival

Auch hier geht der Veranstalter etwas andere Wege. Qualität statt Quantität. Um den anderen Festivalaktivitäten Raum zu geben setzt das Summer’s Tale auf ein überschaubares Line-Up und versucht dabei seiner Zielgruppe entsprechend ein Programm zusammenzustellen, dass keine Wünsche offen lässt.

Und so gibt es einige der neuen angesagten Acts aus dem Indie-Bereich wie Tash Sultana oder Cigarettes After Sex, die noch nicht oft auf deutschen Festivalbühnen zu sehen waren, aber definitiv bleibenden Eindruck hinterließen.

Tash Sultana mit einer beeindruckenden One-Man-Band-Show, in der die australische Multiinstrumentalistin ihren Folk-Rock-Reggae präsentierte und das Publikum begeisterte und Cigarettes After Sex, die bei dem wohl coolsten und ruhigsten Set des Festivals die definitiv schönsten Songs an diesem Wochenende präsentierten und meinen persönlichen Soundtrack zu diesem Festival darboten. Entspannender geht nicht!

Aber auch für die Kleinen war Großes geboten. Mit Unter meinem Bett war die aktuell musikalische Kinderband Nr.1 mit Musikern aus Die Höchste Eisenbahn, Locas In Love, Bernd Begemann, Albrecht Schrader und anderen zu Gast und ließ den Zeltraum singen und tanzen und mit glücklichen Gesichtern eine tolle Zeit haben.

A Summer's Tale Festival

Und natürlich gab es auch die großen Namen, die begeisterten und davon nicht wenige.

The Pixies, die amerikanische Legende um Frontmann Frank Black, die am Donnerstagabend für einen grandiosen Abschluss des Tages sorgten, Conor Oberst, der zeigte, warum er zu den größten Songwritern der Gegenwart gehört, The Notwist, die meistgenannte Band als es um das Highlight an diesem Wochenende ging oder die Stereo-MCs, die mit Sicherheit für den lautesten Auftritt im Zeltraum sorgten.

Auch die Frauen waren auf den Summer’s Tale Bühnen stark vertreten. Birdy, Judith Holofernes, PJ Harvey und zuletzt Feist, die am Samstagabend als letzter Acts auf der Konzertbühne spielte, wurden vielumjubelt.

Und zwischen den neuen Acts und den großen Namen waren es Bands wie unter anderem Dan Croll, Von Brücken, Rocky Votolato, Get Well Soon, Blaudzun oder der kurzfristig ins Line-Up aufgenommene Matze Rossi, die für ein sehr kurzweiliges Wochenende in der Lüneburger Heide sorgten.

A Summer's Tale Festival

Das Essen!

Auch hier muss sich das Summer’s Tale hinter niemandem verstecken. Eine angemessene Auswahl an den verschiedensten Foodtrucks ließ eigentlich keine Wünsche offen. Hier ist veganes / vegetarisches Essen mittlerweile glücklicherweise Standard.

Einzig allein das Preis-/Leistungs-Verhältnis sollten einige Anbieter noch einmal überdenken. Aber das ist mittlerweile ein generelles Problem auf den Festivals heutzutage.

Die Security!

Ich hätte nicht gedacht, dass noch einmal schreiben zu dürfen, aber die beim Summer’s Tale beschäftigten Sicherheitskräfte, Ordner etc. waren mit Sicherheit die entspanntesten, verständnisvollsten, die ich je auf einem Festival dieser Größenordnung erlebt habe und haben nahtlos zur Summer’s Tale-Entspannung beigetragen.

Mein Fazit zum Summer’s Tale: Wer ein entspanntes Wochenende inmitten einer zur Zeit noch überschaubaren Menge an gutgelaunten Menschen in der Natur mit jeder Menge großartiger Musik und den verschiedensten außermusikalischen Aktivitäten verbringen, sozusagen einen entspannten Kurzurlaub mit einem Festival verbinden möchte, für den sollte das Summer’s Tale ab sofort zum Pflichttermin werden und der wird im nächsten Jahr in Luhmühlen sein persönliches Sommermärchen erleben.

Text: Sebastian Madej
Fotos: Doreen Reichmann

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