Konzertberichte

A Fine Frenzy + Jamie Scott & The Town, Köln, Gloria, 14. November 2008

Es gibt ganze Konzertreihen, die das Hinsetzen von Musikern und Publikum zum Konzept machen. An diesem Abend im Gloria schien es zumindest Konzept, dass die Musiker saßen. Das war aber bei Alison Sudol alias A Fine Frenzy zu erwarten, bauen doch schließlich alle Stücke auf ihrem Debüt „One Cell In The Sea“ auf ihrem Klavierspiel. Ein Klavier, geschweige denn ein Flügel, war dann zwar nicht auf der Bühne, als Alison Sudol nun bereits das zweite Mal in diesem Jahr Köln beehrte, dafür aber vier Keyboards, zwei kleine und zwei große.

Mit ihrer Musik hat sich Alison Sudol in Deutschland eine Fanbasis irgendwo zwischen 3 Sat, Arte, WDR 2 und 1 Live erspielt, so waren, wie schon beim Konzert im Frühjahr, im Kölner Stadtgarten, wieder alle Generationen Musikfans anwesend. Ein klares Indiz auch dafür, dass sie es vom Geheimtipp nun ohne den Nervfaktor ihrer Kolleginnen Duffy, oder Amy MacDonald auf eine Stufe mit jenen geschafft hat.

 

Wie auch schon im Frühjahr im Stadtgarten war der Support auch an diesem Abend zwischen anstrengend und langweilig anzusiedeln. Er hörte an diesem Abend auf den Namen Jamie Scott & The Town, anwesend davon aber nur Jamie Scott und Bassist Chris. Beide auch durchaus gute Musiker, auch wenn eine zweite Gitarre nur vom Band liefen. Aber bedenkt man die Kosten eines zweiten Gitarristen ist das natürlich durchaus in Ordnung. Das änderte dann aber auch nichts an der Belanglosigkeit der Songs, die irgendwo zwischen David Gray in unoriginell, James Blunt und Four Non Blondes (!) siedelten.

Ein gutes hatte das Set von Jamie Scott & The Town dann aber doch, es tat keinem weh (auch wenn die Boxen extrem laut eingestellt waren), war schnell vorbei und wurde sogar vom größten Teil des Publikums durchaus positiv gewürdigt. Nach knappen 45 Minuten und kurzer Umbaupause kam dann der Hauptprogrammpunkt des Abends. Zwei Bandmitglieder von Alison Sudol begaben sich zuerst auf die Bühne und stimmten die ersten Takte des Albumopeners „Come On, Come Out“ an. Unter großem Applaus und mit einem leicht verlegenen, leicht verschmitztem Lachen hüpfte dann auch Alison Sudol auf die Bühne.

Hüpfend in ihrem grünen Kleidchen und ihrem langen, welligen roten Haar wirkte sie dann wie eine extrem liebenswerte Mischung aus Fee und Kobold. In den Live-Interpretationen wirkten die meisten Stücke noch viel fragiler und mitreißender, als auf dem Album, so dürfte das knapp einstündige Set dann auch für das ein oder andere Tränchen im Zuschauerraum und auch auf der Bühne gesorgt haben.

Highlights des Abends dann unter anderem der Hit „Almost Lover“, bei dem auch der ganze Saal mitsingen durfte und auch das Death Cab For Cutie Cover „I Will Follow You Into The Dark“, bei dem Alison sich an das in Bühnenmitte aufgebaute Mikro begab und einen ihrer nach eigener Aussage Lieblingssongs zumBesten gab, womit sie neben einem guten Gespür für ihre eigenen Kompositionen ganz nebenbei auch noch ihren guten Musikgeschmack bewies.

Das überraschendste Highlight stellte dann allerdings das Cover von „Seven Nation Army“ von den White Stripes dar, das sie mit ihren beiden Bandmitgliedern als erste Zugabe spielte. Dabei zeigte sie sich nach den vielen ruhigere Stücken des Abends von ihrer wilderen und rockigeren Seite und spielte sich in eine herrliche Ekstase (als Video bei Youtube). Für Lacher sorgte dabei auch die Ansage „Now we play a song that we like“.

Eine Zugabe sollte nach „Seven Nation Army“ dann noch folgen, bevor der Abend nach knapp einer Stunde dann auch schon beendet war. Ein schöner Abend also, mit einigen Highlights, nach dem sich die Besucher zufrieden nach Hause begaben.

Fotos: Ariane WhiteTapes, mehr hier

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