Konzertberichte

20 Jahre Intro – E-Werk, Köln, 03. März 2012

In einer Zeit, als das Internet noch weit entfernt davon war, Massenmedium zu sein, drückten Musikfans ihre Liebe zur Musik noch durch Gründung von Fanzines aus. Mit einer Schreibmaschine, Pritt-Stiften und Scheren bastelten sie kleine Heftchen und schrieben über ihre Stars. Eine solche Vergangenheit hat auch das Magazin Intro. 1991 in der Friedensstadt Osnabrück gegründet, entwickelte sich das Magazin in den letzten zwanzig Jahren zu einer der Institutionen über die Berichterstattung rund um Musik aus dem Independent-Bereich.

Ein Jubiläum, das natürlich gefeiert werden sollte. Das in Köln ansässige Magazin buchte dafür eine ganze Tour, die seit Beginn des Jahres durch ganz Deutschland Konzerte verschiedener Künstler bedeutete und in der letzten Woche mit zwei Festivals in Berlin und Köln mündete.

Für das große Finale in Köln haben sich die Intro-Macher einige alte Bekannte und Wegbegleiter eingeladen und diese auf die zwei Hallen im E-Werk verteilt. Wir konzentrierten uns dabei auf die größere Halle des E-Werks. Vor der Halle tat sich auch bis kurz vor Einlass nicht viel und man kam gemütlich ins E-Werk. Auch innen gab es zunächst kein großes Drängen und man konnte entspannt auf die Eröffnung des Abends warten.

Die übernahm der Italiener Mauro Remiddi, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Porcelain Raft. Nur mit einer Gitarre und einem Keyboard bewaffnet stellte sich der vierzigjährige Wahl-New-Yorker auf die Mitte der Bühne und präsentierte Songs seines Debüts „Strange Weekend“. Seine herrlichen Dream-Pop-Songs waren eine wunderbare Eröffnung. Er sponn weiche Soundteppiche, in die man sich gern fallen ließ. Interessant zu hören war auch, dass seine Stimme live deutlich stärker wirkt als auf dem Album. Sehr angenehm.

Das Set war leider auch schon nach einer halben Stunde um. Eine halbe Stunde, die eindeutig Lust auf mehr von Porcelain Raft live machte. Nach einer weiteren halben Stunde Umbaupause gab es die junge Britin Little Boots zu sehen. Ursprünglich war sie für die kleinere Halle angesetzt, aber wegen des großen Zuspruchs am Vortag durfte sie nun ins E-Werk 1. Dort hatte sich die Halle auch mittlerweile gefüllt und gerade die bekannten Stücke des Dance-Projekts fanden großen Anklang. Leider ging Anfangs die Stimme von Little Boots noch etwas im Lärm unter, aber irgendwann hatten die Soundleute dieses Problem auch in den Griff bekommen.

Auch ihr Set beschränkte sich auf eine halbe Stunde. Viel gibt es dazu auch nicht zu sagen. Netter Dance-Pop mit okayem Stimmchen. Eine Charakter-Stimme sollte dann nach einer halben Stunde Umbaupause folgen. Der ehemalige Intro-Mitstreiter und alte Magazinkumpel Thees Uhlmann enterte die Bühne für ein kleines Akustik-Set. Die Halle war selbstverständlich gut gefüllt und es war zu merken, dass viele Besucher auch wegen des Tomte Frontmanns den Weg zum Event angetreten hatten.

Die Ikone der Hamburger Schule, die auch schon eine zeitlang in Köln lebte, gab sich gewohnt geschwätzig und plauderte ausgelassen zwischen den Songs. Die Anekdoten, die er von sich ließ, waren stets irgendwo zwischen langweilig und selbstverliebt, aber beim Publikum kams scheinbar an. Besonders die, in der er davon erzählt, einen „Typen von Maximo Park“ auf dem Hotelflur getroffen zu haben, dem er dann erzählte „Hello, I don’t know, if you remember, but we played together in Gebäude 9 seven years ago“. Der freute sich darüber, dass sich Thees an ihn erinnerte. Und auch darüber, dass es beide Bands so lange durchgehalten haben.

Eine interessante Anekdote, schade nur, dass sich Maximo Park und Thees Uhlmann nie im Gebäude 9 getroffen haben. Aber anscheinend unterscheidet sich diese Location nicht groß vom Jugendpark in Köln, in dem spielten Tomte und Maximo Park nämlich gemeinsam im Sommer 2005 beim Monsters Of Spex. Wir wissen zwar nicht, was da durcheinander gekommen ist, aber sieben Jahre sind ja auch eine längere Zeit.

Das Set von Thees war trotz dieser Anekdoten doch recht kurzweilig, auch wenn der Refrain von „Sommer In Der Stadt“, dass dann schließlich „dem Typen von Maximo Park“ gewidmet war, verdächtig an einen gewissen Schlager mit einem „Stern“ im Titel erinnerte. Doch „die Schönheit der Chance“ zum Abschluss des Sets stimmte uns milde und die Vorfreude auf unseren persönlichen Hauptact Maximo Park erreichte nun auch seinen Höhepunkt.

Pünktlich um 23:30 Uhr stand die Band aus Newcastle, die in diesem Jahr ihr langerwartetes viertes Album veröffentlichen wird, dann auch auf der Bühne. Vor sieben Jahren spielten sie bereits beim Intro Intim und nun kamen sie zurück, um der Intro zum Geburtstag zu gratulieren. Auch 2012 zeigten sich die Band um Paul Smith genauso spielfreudig! Es wirkt beinahe so, als sei die Band kein Stück gealtert. Die Energie ist die gleiche und auch der Irrsin des Frontmanns!

Gewohnt mit Anzug und Hut sprang und rannte der während der Songs von einer Ecke der Bühne in die andere, intonierte dabei gewohnt charmant die Songs und machte richtig Stimmung. Die infizierte auch das Publikum und spätestens jetzt war aus der beschaulichen Geburtstagsfeier auch eine krachende Party geworden. Da machte es auch nichts, dass sich der ein oder andere Fehler einschlich. Zunächst verpasste Paul Smith bei „Limassol“ seinen Einsatz, so dass die Band das Intro noch einmal in einer Schleife spielen musste und später fiel ihm beim Hit „Books From Boxes“ die zweite Strophe nicht ein. Die Band spielte auch hier einfach weiter und ließ ihn wieder einsteigen ab dem Zeitpunkt, wo er den Text wieder beherrschte, was ob seiner argen Verlegenheit etwas länger dauern sollte.

Neben vielen alten Hits, gab es auch drei Stücke vom neuen, noch unbetitelten Album zu hören. Namentlich „Banlieue“ (schon in Festival-Auftritten 2010 dabei), „Take Me Home“ und „Waves Of Fear“ (feierte 2011 beim Visions Westend Indoor Deutschland-Premiere). Die wurden wieder von Gil Norton produziert, der auch schon für das zweite Maximo Park Album „Our Earthly Pleasures“ verantwortlich war. Sie wirkten ein wenig rauer und rockiger als noch die Stücke vom Drittling „Quicken The Heart“. Rauer und rockiger setze sich das ganze Set lang durch, hatte Gitarrist Duncan doch eine neue Gitarre, die mehr krachte als poppige Melodien zu spielen, gleich dem Schlagzeug, das deutlich lauter und rockiger eingesetzt schien. Ob dies damit zu tun hat, dass das kommende, vierte Album wie „Our Earthly Pleasures“ wieder von Gil Norton produziert wurde, bleibt abzuwarten. Eine knappe Stunde gaben die fünf aus Nord-England ihre Stücke zum Besten, bevor sie sich unter dem lautesten Applaus des Abends verabschiedeten.

Müde vom Abend und des am Freitag vorangegangenen Album-launch Konzerts von Klubgrün waren wir leider zu erschöpft uns auch noch M83 anzuschauen, aber auch so wird uns der 20. Geburtstag der Intro in wunderbarer Erinnerung bleiben.

Setlist Maximo Park

Girls Who Play Guitars
Wraithlike
The Coast Is Always Changing
Our Velocity
Banlieue
Questing, Not Coasting
The Kids Are Sick Again
Graffiti
I Want You To Leave
In Another World
Limassol
Take Me Home
Books From Boxes
Waves Of Fear
Going Missing
By The Monument
Apply Some Pressure

Titel-Foto: Ariane WhiteTapes

Eine Bildergalerie gibt es bei Intro.de

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