Interviews

Tomte – Interview

Es ist kurz nach Sieben im Theaterhaus Dortmund und Thees Uhlmann, Sänger von Tomte, hat sich die Zeit genommen um mit uns das alte Frage und Antwort Spiel zu machen!

Hallo Thees und vielen Dank, dass du dir so kurz vor dem Konzert noch die Zeit genommen hast uns einige Fragen zu beantworten.

Thees: Bitte bitte.

Erste Frage des heutigen Abends. Wir befinden uns im Theaterhaus Dortmund, Tomte spielt ein Akkustikkonzert. Wie ist diese Idee entstanden?

Thees: Das ist fast schon standardmäßig, dass viele Bands denken, wir müssen mal ein Unpluggedkonzert machen. Für uns ist es nun das erste Mal, dass wir das so richtig machen. Es gab das Angebot, das wir das machen. Vorgestern in Wien zum Beispiel, du musst irgendwann mal in diesem ORF Sendesaal spielen, weil man dann mit wirklich großen Leuten in einer Reihe ist, wie zum Beispiel Placebo, Nick Cave. Das Angebot hier gab es auch schon länger. Das schöne in unserer neuen Bandkonstellation ist, Simon Frontczek spielt halt klassisch Klavier und Gunnar „The Gun“ Vosgröne von Escapado Cello, das ist halt geil. Zum Release hin wurden wir halt gezwungen uns was zu überlegen. Unplugged nachspielen, das ist okay, wenn ich das alleine mache, aber zusammen als Band ist das eine kleine Herausforderung.

 

Will man so vielleicht einem MTV Unplugged entgehen?

Thees: Dem will man nicht entgehen. Aber voraussichtlich werden die uns nie fragen. Es ist aber interessant „Schreit den Namen meiner Mutter“ oder „Ich sang die ganze Zeit von dir“ mal komplett anders zu spielen und auch mal ein bisschen mit dem Cello Gas zu geben.

 

 

Stichwort Heureka, euer bald erscheinendes Album. Ich habe es leider noch nicht gehört. Erzähl uns doch mal etwas darüber.

Thees: Solltest du mich als Privatperson fragen, was du natürlich nicht tust, ich würd dir sagen, dass ich finde, dass dies ein wunderschönes Album geworden ist. Aber es hängt bei mir wohl damit zusammen, dass es für mich eine pure Freude war, dieses Album aufzunehmen. Alle in einem Raum, nicht mehr mega konstruiert, und Spuren fett machen, sondern einfach fast wie sich Elliot Smith Platten anhören. Einfach sich mit Tobi Kuhn im Studio auszutoben und vor allem Texte zu schreiben, was mir einen unheimlichen Spaß bringt. Das alles sind Gefühle, die die Platte zur Zeit überstrahlt. Ich kann sie jedem Tomtetypen nur empfehlen, der gesagt hat, die „Buchstaben (über der Stadt)“ war ganz gut, aber… für den ist Tomte Back on the Map.

 

Geht es wieder in Richtung „Hinter all diesen Fenstern“?

Thees: Es ist nicht „Hinter all diesen Fenstern“, es ist halt ein bisschen anders. Textlich zurück zur dunklen Seite, und es klingt halt mehr. Schwierig so was zu beschreiben. Es ist unter keinen Umständen reduziert, weil wir in Stadien können spielen wollen. Es ist einfach nicht mehr dieses Klinische, zu Aufgeräumte.

 

Woher nimmt Thees Uhlmann Inspiration für seine Texte?

Thees: Die Inspiration kommt nach drei Tassen Kaffee oder einfach so. Es könnte sein, dass du in den nächsten zwei Minuten einen Satz sagst, wobei ich mir denke: Arschloch, das klaue ich dir, das verbrate ich so, dass du es nicht merkst. Ich gehe auf eine bestimmte Art und Weise durch mein Leben und da fallen mir Sachen auf, die ich unbewusst in meinem Herzen aufbewahre oder über die ich dann nachdenke und da fließt das ein. Es ist schon so, dass wie ein Künstler durch die Gegend geht, zusätzlich, dass mir dann noch normale Sachen auffallen. So eine Mischung, dass ich mir das Recht raus nehme als Thees Uhlmann Lyrik zu schreiben. Es ist meistens das Normale und wenn man dann noch drei Tassen Kaffee trinkt beschleunigt das meinen Körper und dann fange ich an gerne zu schreiben.

 

Zurück zu Heureka und dem Gimmick, einen Aufnäher, der als Beilage dabei ist. Ist dies die Begründung einer Tomte Jugend?

Thees: (lacht)Nee nee. Jugenden müssen sich unabghängig von der Band gründen. Das durfte man einmal mit Turbonegro machen, und das war’s. Es ist einfach nur, die Überlegung, wie man den Mehrwert einer CD steigert.

Man sucht danach, da möchte ich auch gar nichts beschönigen uns kam es halt in den Sinn. Der Gedanke bei den Aufnahmen war, dass wir das Southern Rock mäßig aufziehen. Das Cover zum Beispiel, dieses auf die Sonne starren, einen neuen Tomte Schriftzug, nicht dieses Oldschool Tomte. Mehr so Chicago, Seventies Rock, Thin Lizzy, das sind alles Stichworte. Das kam dann so einfach und ehrlich gesagt, ist mir die Idee gekommen, dass das gut passen würde und dann dachte ich: Geil. Und dann wird gerechnet, wie teuer so ein Aufnäher ist und wir machen dann halt keine DVD, auf der es nichts zu erzählen gibt, machen dann halt keinen Digipack und merkten. Das passte einfach.

Man will sich ja immer an den Besten orientieren. Rolling Stones damals mit dem Reissverschluss auf der Sticky Fingers war halt genial und Pink Floyd Live, wo dann immer so eine LED geleuchtet hat und in dem Zusammenhang der Aufnäher. Und es ist halt so, dass Tomte keine klassische Band ist, wir machen halt kein Metal und wir sind nicht besonders cool und Social Distortion mäßig und immer dagegen denken, das bringt mir einen heiden Spaß.

 

www.pertramer.at

www.pertramer.at

Dagegen denken, das Stichwort. Letzte Woche der Fischmarkt in Hamburg, heute das Konzerthaus. Auch eine Form des Dagegendenkens mit außergewöhnlichen Spielorten?

Thees: Das Fischmarkt Ding, das wollten wir gerne machen. Hat dann auch geklappt, was jedoch wahnsinnig schwierig ist, in dieser unglaublich coolen Rock and Roll Stadt Hamburg mal für eine Stunde eine Sondergenehmigung dafür zu kriegen. Im Konzerthaus gab es die Anfrage schon seit Längeren. Bisher hatten wir keine Zeit oder fühlten uns nicht danach, jetzt passte es jedoch super.

 

Ist die Nervosität vor so einer Show da?

Thees: Ja!

 

Im November gibt es die normale Tour zum Album Heureka. Was erwartet den Zuschauer dort? Sind Specials geplant?

Thees: Wir werden garantiert nicht mit Flammen und anderen Unterhaltungselementen rumprotzen, weil das nicht Tomte ist. Wir haben eine extrem geile Idee, die nicht sonderlich groß ist, aber die Idee selber wird so sein, das alle lachen können, aber auf der anderen Seite kann man, wenn man dem geneigt ist sagen, geil das ihr das gemacht hat.

 

Es bleibt also ein Geheimnis?

Thees: Das bleibt geheim! Ich empfinde die Platte als sehr warm und dann entwickeln wir ein Lichtkonzept, welches ein furchtbares Wort ist. Aber es gehört alles dazu und man überlegt sich das Backdroop, wie soll das Backdroop aussehen usw. Außerdem werden die Vorderseite des Keyboards, weil ich das so hässlich finde, dass was der Zuschauer sieht mit einer Holzkiste zu bauen. Wir überlegen uns die ganze Zeit, was da drauf soll. Entweder schreiben wir da Rookie mit Leuchtschrift drauf, weil er der Jüngste in der Band ist oder ne polnische Flagge, weil er fließend polnisch sprechen kann. Da gehen so die Ideen zur Zeit hin.


Wie sehen denn weiterhin die Pläne für die Zukunft aus?

Thees: Platten machen, touren, Songs auf Englisch aufnehmen, wie seit 5 Jahren, Platte schreiben, weiter touren.

 

Man hörte die Gerüchte über eine Live CD, welche auf dieser Tour aufgenommen werden soll.

Thees: Es wird mal Zeit, dass wir so was machen. Aber wo sagt man denn so was?

 

www.pertramer.at

www.pertramer.at

Im Internet!

Thees: Wir müssen mal gucken, ich hab wahnsinnig Lust im November zu spielen. Und auch heute Abend und ich hoffe, dass es nur 80% so gut wird, wie in Wien. Wenn es so wird, musst du so was auch aufnehmen. Wenn du die beiden Brüder von Gunnar Vosgröne nimmst, die Geige und Bratsche spielen, dann wird das so gut, dass du das aufnehmen musst. Und wie gesagt, Tomte Konzerte sind eine Mischung aus Ernst und Unterhaltung und das kann man schon mal aufnehmen.

 

Und zu letzt noch einen Insidertipp für alle Musikfans da draußen. Welche Band ist dein neuer Geheimtipp?

Thees: Du selber bist ja beim Indiemagazin, du weißt, was angesagt ist. Wenn ich eine Platte schreibe, dann gibt es halt Sachen, was ich vorhin noch sagen wollte, was mich inspiriert, wo ich Musik höre und denke: Oh, das gefällt mir, das möchte ich auch schreiben. Ich kann Slayer hören und was auf einer Akkustikgitarre spielen oder ich höre Interpol und schreib was ganz schnelles. Andere Musik inspiriert mich oder auch eine Textzeile, dass ist dann wie Benzin in meinem Tank. (Kurze Pause) Was für ein geiler Sly Stallone Vergleich. Eine neue Band, die bei mir in den Kreis gerutscht ist, das ist WHY? Deren neue Platte habe ich heute und gestern gehört und sie ist der Wahnsinn. „We love and hate like tattoed fists“, da muss man erstmal drauf kommen, da ist man dann ganz oben mit dabei.

 

So, das war’s auch schon. Vielen Dank für das Interview, es hat mich sehr gefreut und ich bin sehr gespannt auf die Show gleich.

Thees: Danke auch!

Bilder: Myspace der Band

Discussion

Comments are closed.

Archive