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The Rakes – Interview

Foto: Ariane WhiteTapes
Seit letztem Jahr und dem Release von Bloc Party’s „Intimacy“ ist die nächste Runde des sogenannten „Post-Punk-Revivals“ / „Art-Rocks“ eingeläutet. Der Trend ist an einer entscheidenden Stelle angekommen und die jungen englischen Bands, um die seit 2005 ein großer Hype gemacht wird müssen sich jetzt beweisen. Eine dieser Bands sind The Rakes aus London, die nach ihrem gute Start mit dem Debüt-Album „Capture/Release“, im Jahr 2007 mit „Ten New Messages“ ein noch stärkeres, wenn auch poppigeres Album nachfolgen ließen. Da sind die Erwartungen an Album Nummer 3 natürlich groß, mit der Band sprachen wir nun über den Hype, die Punks in den Rakes und das dritte Album „Klang“, das am 20. März in den Läden steht.

Ihr veröffentlicht im März euer mittlerweile drittes Album „Klang“, das ihr in Berlin aufgenommen habt, warum Berlin?

Wir haben unser erstes Album in einem Studio außerhalb von London aufgenommen, ein typisches „Rock-Star“-Studio mit Pool und so, ok der Pool war kaputt, weil jemand einen Traktor da rein gefahren hat, aber ich glaube ihr könnt es euch vorstellen. Das zweite haben wir auch in London aufgenommen, etwas außerhalb in einer Art Kirche, die auch zu einem Studio umgebaut war. Wir haben unsere Alben bisher also immer in England aufgenommen. Dieses Mal wollten wir es auch in einer Stadt aufnehmen, aber nicht London, das ist nämlich unsere Heimat, denn wenn du Musik aufnimmst, dann musst auch mal weg von zu Hause, um dir klar darüber zu werden, was du tust und aus deinen gewohnten Strukturen auszubrechen, um eine andere Sicht der Dinge zu bekommen. Zu Hause hängen wir als Individuen in unseren Cliquen rum, wenn wir allerdings die Heimat verlassen, dann werden wir als Band zu so etwas wie einer Gang, dann heißt es beinahe The Rakes gegen den Rest, diese Aggression und Power wollten wir auch auf dem neuen Album haben, deshalb also weg von London. Wir sind dann nach Berlin gegangen, weil wir schon häufiger da waren, die Stadt kannten und ein paar Leute kannten. Das Gute daran war auch, dass wir wussten, wir werden jetzt nicht sechs Monate weg sein, sondern für eine kurze, aber intensive Zeit.

Eure erste Single von „Klang“ ist „1989“, eine Referenz zu Berlin und dem Mauerfall vor 20 Jahren?

Hmm, nein, ich glaube nicht, das ist der Titel den Alan vorgeschlagen hat, denn er kann das gut…

…als Verantwortlicher für die Texte…

Lachen Ja, genau, also es ist eher ein Party-Song über Berlin und Ausgehen in Berlin, im Mittelteil, da habt ihr Recht ist der Song dann aber doch ein bisschen nachdenklich, denn in jeder Stadt, in der du bist, bekommst du zwangsweise etwas von der Geschichte mit, du siehst in Berlin dann Reste der Mauer und so. „1989“ ist also mehr eine Zusammenfassung dessen wie wir Berlin wahrnehmen, aber das auch schon vor „Klang“, die Stücke haben wir nämlich schon geschrieben, bevor wir nach Berlin gegangen sind.

Wie würdet ihr den Sound von „Klang“ beschreiben und wie unterscheidet er sich von euren bisherigen Alben?

Na, eben „Klang“, also, was das Wort ja ganz gut aussagt, wir wollten den Klang erleben. Das hieß für uns, wir wollten etwas mehr Zufall, oder auch Chaos mit einfließen lassen, es sollte weggehen von traditionell produzierten Alben, also Studioalben. Wir sind nicht Pink Floyd und verbringen vier Wochen damit Gitarrenriffs einzuspielen, deshalb haben wir die Stücke mit einer wichtigen Prämisse geschrieben: wie klingen die Songs live? Denn wenn ein Song live gut klingt, dann ist er ein guter Rakes Song, wenn er nur im Studio funktioniert, dann passt er nicht zu uns. So haben wir auch die Rakes begonnen, wir waren nie eine Band, die viel Zeit im Studio verbringen wollte, wir wollten live spielen und eine gute Zeit haben. Der Sound von „Klang“ ist also etwas chaotischer, rauer und Energie geladener. Genau so wollten wir es haben, es ist wahrscheinlich sogar rauer als das erste Album, das hatte ja noch so einen tanzbaren Grundcharakter. Starke Melodien sind immer noch drauf, aber eben roher verpackt. Pop-Melodien sind uns natürlich auch wichtig, was live geschieht ist bei uns dennoch unvorhersehbar und darum geht es bei den Rakes. Wir haben einen Song drauf, der ist sehr schnell, hat aber einen überraschenden Bruch, solche unerwarteten Momente meinen wir, das gibt es jetzt noch häufiger.

Foto: Myspace der Band

Hatte Berlin Einfluss auf euer Songwriting?

Auf das Songwriting gar nicht. Auf die eingespielten Songs aber ein bisschen. Wir sind nach Berlin gegangen und wussten, welche Songs wir aufnehmen möchten, die hatten wir alle zu Hause bereits geschrieben. Die Aufnahmen fanden dann in Berlin statt, auch unter der Prämisse, dass wir Augen und Ohren offen halten, während wir da sind, denn es gibt immer Dinge und Beobachtungen, wie das Nachtleben, oder die Energie, die es in der Stadt gibt, die du noch einfließen lassen kannst. Das bedeutete für die Aufnahmen, dass sich einige Lyrics geändert haben, weil Alan mit bestimmten Ideen ins Studio kam, aber die Mehrheit der Musik war schon vorhanden. Wir haben also zwar das leicht modifiziert, was wir sagen, aber der Klang dessen ist in Berlin gleich geblieben. Was auch wichtig war, war dass unsere Musik bei den Aufnahmen so klingt, wie wir sie hören. Das bedeutet, wenn du ein Instrument spielst, dann möchtest du, dass es auf Aufnahmen perfekt nach dem klingt, wie du es möchtest. In de Umgebung, in der wir „Klang“ aufgenommen haben entwickelte sich dabei dieser sehr dichte Sound, was sich genau richtig anfühlte. Während wir da waren haben wir uns dann auch bemüht jeden Tag einen kompletten Song aufzunehmen, dadurch haben wir uns selbst ein wenig Druck gemacht, der wichtig war, um die gewünschte Dringlichkeit einzubringen. Es passt nämlich auch gar nicht zu uns, uns tagelang hinsetzten und überlegen, sollen wir die Spur noch etwas schneller einspielen, oder da noch leicht variieren. So sind wir nicht, das klänge auch völlig überproduziert, so nach Oasis und Stadion.

Ihr erwähnt Oasis, ist der Song „Bitchin’ In The Kitchen“, den ihr auf „Klang“ habt eine Anspielung auf „Some Might Say“ von Oasis, wo es die Zeile „Itchin’ In The Kitchen“ gibt?

Oh nein, das ist glaube ich etwas, das haben wir mal irgendwo aufgegriffen, ohne zu wissen, woher das stammt. Oasis sind kein wirklicher Einfluss für die Rakes.

Welche neuen Songs werden wir heute von euch hören?

Äh, das werden so fünf Stück sein, hmm, wir müssten jetzt aber auf die Setlist gucken. Also „1989“ natürlich. Das ist auch spannend heute, das ist unsere erste richtige Tour mit „Klang“ und wir sind gespannt, wie die Leute reagieren werden, es fühlt sich auch richtig an, das in Deutschland zu tun, wir haben das Album hier eingespielt, also ist es auch richtig sie hier das erste Mal live zu präsentieren, weil sie auch zumindest einen gewissen deutschen Sound, bzw. Vibe haben.

Ihr habt jetzt auch gestern schon eine Show gespielt, wie waren die Reaktionen da?

Ja, wir waren auf dem Eurosonic Festival, das ist allerdings ein Elektronik Festival, wir waren also vielleicht etwas fehl am Platz. Also, die Niederländer waren auch immer eine tolle Unterstützung für uns, aber es ist auch schwer, die Reaktionen zu messen, weil das Publikum da nicht so enthusiastisch ist, wie hier in Deutschland, aber es wurde viel geklatscht. Ganz so neu sind die Songs ja für uns auch nicht, aber in ihrer jetzigen Form, wie wir sie eingespielt haben, fühlen sie sich jetzt fertig an. Jetzt ist auch der Punkt erreicht, an dem fühlt es sich ganz natürlich an, die zu spielen und nur dann haben wir auch das Gefühl, dass wir sie richtig spielen und sie die Live-Interpretation erfahren, die sie verdienen.

Maximo Park machen ja dieses Jahr auch eine kleine Warm-Up Tour durch Europa…

Ehrlich? Aber wir waren die Ersten mit der Idee. Lachen

Die veröffentlichen, wie ihr und Franz Ferdinand ja dieses Jahr Album Nummer drei, Bloc Party, die Kaiser Chiefs und die Futureheads haben das bereits 2007 getan. Alles Bands, mit denen ihr bei eurem Aufkommen 2005 in das Genre „Art-Rock“ gesteckt wurdet. Wie denkt ihr darüber, denn wie beim Brit-Pop in den 90ern unterscheidet ihr euch doch schon stark voneinander, gab es dieses Genre eigentlich je und hat es Bedeutung für euch?

Ja, wir sind alle noch da, das finden wir toll. Also „Art-Rock“ ist schon seltsam, die Rakes sind wohl eher Punk, wir sehen zwar nicht so aus, aber unsere Musik ist vermutlich die punkigste, im Vergleich zu den genannten Bands. „Art-Rock“ zeichnet sich vom Begriff ja dadurch aus, dass die Lyrics sehr zweideutig und mit künstlerischem Anspruch sind, wir kommen da doch schon sehr direkt auf den Punkt, wobei Bloc Party wiederum sehr tiefe Texte schreiben, die viel Interpretationsspielraum geben, das ist wohl am ehesten wirklich Verknüpfung von Kunst und Rock, auch wenn die beiden Begriffe schon sehr weit und bedeutungsvoll sind. Als wir angefangen haben, da gab es eben diese Bewegung in England, es gab das Gefühl, etwas Neues würde passieren, es gab einige spannende Bands und die Presse hat uns dazu gerechnet.

Foto: Ariane WhiteTapes

Welche der erwähnten Bands denkt ihr haben wirklich das Potential für nachhaltigen Erfolg?

Oh, das ist ganz schwer, wir könnten schon in sechs Monaten nicht mehr da sein, man weiß da nie, wie sich die Musiklandschaft entwickelt. Wir möchten aber natürlich, dass wir so lange wie möglich noch Konzerte geben können und auch das eine oder andere Album veröffentlichen dürfen. So lange wir davon auch Leben können, machen wir weiter, so einfach sehen wir das. Wie das Bands wie Franz Ferdinand oder Bloc Party handeln, ist schwer zu sagen. In den 80ern ist auch tolle Musik von Bands entstanden, die heute immer noch da sind. Musikfans reagieren immer dann positiv, wenn du ihnen eine gute Show bietest und Songs, die in ihnen irgendetwas auslösen. Wir haben das Glück, dass wir das bei Menschen erreichen und darauf sind wir stolz und geben alles, um das auch zu erhalten. Dabei denken wir nicht, wie werden die Leute in jenem Teil Deutschlands auf diesen Aspekt des Songs reagieren, sondern vielmehr, fühlt sich der Song an, wie The Rakes? Dann werden ihn die Fans mögen. Alles andere wäre irgendwie zynisch.

Denkt ihr die Futureheads könnten da als Vorbild herhalten, wie man in der Musikbranche überlebt?

Ja, das ist spannend, als wir angefangen haben und die erste Welle losging waren die Futureheads die Band mit dem größten Hype, die hatten einen großen Deal mit Warner und es sah so aus, als könnten die so groß werden wie Oasis. Als es dann nicht klappte, war das natürlich traurig, aber die Jungs haben weiter gemacht und das ist toll. Denen war es offensichtlich wichtig weiter zu machen, da raus zu gehen und ihre Musik unter die Menschen zu bringen. Was daran wohl am Härtesten ist, ist dass sie jetzt die volle Kontrolle haben, das ist zwar toll, man muss sich aber auch um alles kümmern und kann keine Entscheidungen an ein Label abtreten.

Auf welche Bands und Alben freut ihr euch dieses Jahr?

Ähm, zum Einen es gibt dieses Jahr ein Soloalbum von The Knife, Fever Ray, darauf freuen wir uns, das neue Franz Ferdinand Album und ähm, das ist es wohl.

Wir haben gelesen, ihr seid große Leser, was lest ihr gerade?

Matt: Dann müssen wir jetzt wohl was Bedeutungsvolles sagen. Äh ich lese „Women In Love“ von D. H. Laurence aus den 20ern.

Lasse: Ja, das ist wirklich beeindruckend lacht Ich lese gerade „Hunger“ von einem schwedischen Autoren.

Matt: Oh ja, gibt’s da nicht einen Film, der gerade läuft.

Lasse: Ja, der basiert aber nicht auf dem Buch.

Matt: Ah, das ist aber nicht „Thinner“? Das ist Stephen King, stimmt’s?

Lasse: Oh, ja. Ich habe mich auch einmal auf einer Halloween Party als der Typ aus „Thinner“ verkleidet und keiner hat erkannt, was ich darstelle.

Matt: Kein Wunder, du bist ja schon so dürr, wisst ihr, Lasse ist unser „Suppenkasper“, du stellst ihm Essen hin und er sagt „No, I won’t eat that“.

Hattet ihr gute Vorsätze für’s neue Jahr?

Nein, obwohl, Lasse wollte aufhören zu trinken. Das Problem, er war betrunken, als er sich das vorgenommen hat, deshalb hat er sich dann nicht mehr dran erinnert. Traue nie einem betrunkenen Dänen, das könnt ihr vielleicht auch als Lektion aus dem Interview nehmen.

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