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The Pains Of Being Pure At Heart – Interview

Mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album legten The Pains Of Being Pure At Heart im Frühjahr eines der Alben des Jahres vor. Auch auf ihrer kürzlich beendeten Deutschland-Tour wurden sie mit offenen Armen empfangen und gaben jede Menge unvergessliche Konzertabende. Die einhellige Meinung der Online-Welt schien zu lauten, diese vier New Yorker haben nicht nur brillante Songs, sondern sind auch noch ein großer Favorit im Rennen um den Titel netteste Band der Welt. Davon mussten wir uns natürlich überzeugen und trafen Sänger Kip Berman vor dem Konzert der Band im Utrechter Ekko zum Interview.

Hi Kip, ihr habt grad eure Deutschland-Tour beendet, wie war’s für euch?

Kip: Ja, das war fantastisch. Wir waren noch nie in Deutschland, wir wurden super angenommen, alle waren super freundlich und es hat echt Spaß gemacht und wir hatten eine gute Zeit.

Ihr habt als Band angefangen, um ein paar Songs auf einem Geburtstag zu spielen, nicht ganz zwei Jahre später lobt die New York Times euer Album in höchsten Tönen, wie haben sich die letzten Monate angefühlt?

Kip: Das war alles auf jeden Fall sehr aufregend. Der Entwicklungsprozess war auch immer sehr entspannend und es fühlte sich alles sehr natürlich an. Wir haben das eher schrittweise erlebt. Man übt für ein paar Konzerte, dann sind wir irgendwann auf kleine Tour gegangen, haben noch ein paar Songs mehr geschrieben, eine EP veröffentlicht und nach und nach kam eins zum anderen. Da kam natürlich nichts über Nacht. Es war eher so, dass immer mehr Menschen über verschiedene Kanäle von uns gehört haben und das mochten, was wir machen. Das war natürlich trotzdem harte Arbeit. Jetzt ist es richtig toll hier zu sein und so von den Leuten willkommen geheißen zu werden.

Ihr kommt ja aus New York, im Ballungsraum leben ja circa um die 18 Millionen Menschen

Kip: 18 Millionen, wow! Ich hab grad mal vier Freunde und da wohnen so viele?

Ja, sagt zumindest Wikipedia. Aus eurer Heimat kommen so viele tolle Bands, während die Niederlande etwa genau so viele Einwohner haben und wir nicht einmal fünf Bands zusammen bekämen. Denkst du, dass es die Kreativität fördert, wenn so viele Menschen auf so engem Raum zusammen leben?

Kip: Ich glaube New York ist eine Stadt, in die Leute ziehen, die häufig ein bestimmter Geist verbindet. Die meisten Leute, die ich dort kenne wurden nicht in der Stadt geboren, die sind dahin gezogen, nachdem sie die Schule verlassen haben, um sich Kunst und Kultur zu widmen. Das war bei mir genauso. Ich glaube New York hat auch eine Menge medialer Aufmerksamkeit für die Kunst, die von da kommt. Deshalb bekommen Bands von da auch häufig viel schneller Aufmerksamkeit. Das bedeutet nicht, dass du nur da kreativ sein kannst. Ich glaube eigentlich, dass tolle Musik von überall her kommen kann. Da ist es egal, wo du her kommst. Ein gutes Beispiel sind da The Faint, die kommen aus Omaha. Ihr ward vermutlich noch nicht da, aber man würde kaum glauben, dass da eine Band herkommt, die etwa 20 Millionen Lichter in ihrer Show benutzt. Die machen diesen harten Dance-Rock und sagen dann, „Hi, wir kommen aus Omaha, Nebraska“, das will nicht so recht zusammen passen, aber das macht auch den Charme aus. Das macht auch Musik für mich aus, die kann aus Indonesien, Japan oder New York kommen und klasse sein. Durch die heutige Technologie hat Musik aus der ganzen Welt auch eine Chance gehört zu werden, deshalb gibt es bald auch nicht mehr diese regionalen Zuordnungen, glaube ich. Selbst aus Taiwan hast du jetzt eine Chance den Leuten in Berlin zu zeigen, was für tolle Musik du machst.

Denkst du, eure Musik würde vielleicht dennoch anders klingen, wenn ihr nicht aus New York wäret?

Kip: Hmm, das ist schwer. Wir klingen glaube nicht wie eine typische „New York Band“, auch wenn es das gar nicht mehr gibt. Es ist nicht mehr so, dass es einen New York Sound gibt, der durch New York Dolls, Ramones und andere Punk-Bands geprägt wäre. Anfang der 80er gab es da diese Punk-Bewegung und die New Wave Szene danach, das war ein klarer Sound. Das hat sich aber geändert, der New York Sound ist jetzt total vielfältig. Aber wir kommen eh alle aus den Vororten, insofern können wir das vielleicht auch gar nicht sagen. Aber ich glaube, du siehst an den Yeah Yeah Yeahs, den Strokes und sagen wir uns, dass es da keinen durchgängigen Stil mehr gibt. Du kannst da jetzt den Sound spielen, den du willst und trotzdem Aufmerksamkeit erlangen.

Gibt es denn in der Szene Bands, die ihr richtig toll findet und die ihr empfehlen möchtet?

Kip: Ja, Ed zum Beispiel trägt ein Crystal Stilts T-Shirt, mit denen sind wir auch befreundet. Da gibt es auch so viele klasse Bands, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ein Freund von mir spielt in einer Band namens Zaza, die sind klasse. Die klingen nicht wie wir, aber sind natürlich cool. Kurt spielt auch manchmal mit denen. Fan bin ich natürlich auch von Grizzly Bear, aber auch kleine Bands gibt’s viele, die wir regelmäßig sehen. Zum Beispiel Knight School, die spielen so was in Richtung Guided By Voices. Da gab es auch mal eine Band die hieß My Favorite, die waren auch zur falschen Zeit am falschen Ort, haben mich aber sehr beeinflusst. Von denen gab es ein tolles Album und eine EP. Leider wurde ihr Sound erst ein wenig später populär, so dass es die schon nicht mehr gibt.

Ihr wurdet doch auch sehr von Nirvana beeinflusst, oder? Da ist „Kurt Cobain’s Cardigan“ ja mehr als ein Wink mit dem Zaunpfahl. Wir finden ja, der Song klingt auch sehr nach „Molly’s Lips“ von Nirvana, habt ihr es gerade auf den abgesehen?

Kip: Ja es dürfte schon selbstverständlich sein eine Anspielung an Nirvana in einen Song mit dem Titel einzubauen. Wir haben’s jetzt aber nicht direkt auf den Song abgesehen. Wir wollten einen Song machen, der nach The Vaselines klingt, also es klingt wie ein Nirvana Cover eines The Vaselines Song. Wir wollten damit einmal über unsere Liebe zu Kurt Cobain sprechen und ihm die Ehre erweisen. Er hat glaube ich die gesamte heutige Szene von Indie Bands und auch Rock Bands mitgeprägt. Das war die erste Band, die ich richtig geliebt habe als junger Teenager. Das war auch ganz witzig, da der beste Freund meines älteren Bruders Guns n’ Roses Fan war. Das war so der Wechsel der Generationen von oberflächlichem Rock zu Grunge und später zu neuen alternativen Bands. Das war ein wenig wie die Entdeckung, dass es noch mehr als Lenny Kravitz da draußen gibt.

Du sagtest einmal, ihr versucht Musik zu spielen, die du als 17jähriger geliebt hättest, denkst du, euch ist das gelungen?

Kip: Ich glaube, ich bin nicht wirklich viel reifer geworden, seit ich 17 war und ich mag unsere Band, also würd ich wohl sagen ja. Ich fühle mich meinem 17jährigen ich immer noch sehr nahe, da ist das wohl klar.

Was mochtest du denn als 17jähriger?

Kip: Größtenteils Emo. Also nicht so etwas wie heute, sondern eher Bands, die halt nicht so Alternative-Rock machen wollten und sich entschieden haben was anderes zu tun. Das waren dann eben The Promise Ring, Jimmy Eat World und so Bands. Ich habe aber auch 90er Jahre Indie gehört, mit Pavement, Sonic Youth und Yo La Tengo und viele andere.

Bei euren Konzerten wirkt ihr immer höchst konzentriert und redet fast gar nicht mit dem Publikum. Würde euch das zu sehr ablenken, oder seid ihr einfach so vertieft in euer Spiel, dass ihr das gar nicht mitbekommt?

Kip: Ich glaube, ich bin zwar selbstbewusst, also wäre es kein Problem mit dem Publikum zu sprechen, aber ich finde das gar nicht nötig. Ein Konzert sollte eine gewisse Dramatik haben und in sich geschlossen sein. Da stört sprechen vielleicht nur. Es sollte einfach weiter gehen und die Leute sollen nicht gestört werden, die sollen sich aufsaugen lassen. Du gehst ja auch nicht ins Kino und lässt dir nebenher vom Regisseur erklären, was er sich beim Licht gedacht hat. Nach den Konzerten spreche ich aber gern mit den Leuten und hör mir an, was die zu unserer Show sagen. Das hat glaube ich nichts mit meinem Selbstbewusstsein zu tun.

Wir haben da auch nichts gegen. Es gibt ja Bands, wie ihr, die erst ein Album raus haben und vielleicht genug Material für 45 Minuten Konzert, die sich denken, die müssten das auf eine Stunde strecken, in dem sie ein wenig Small Talk während der Show halten.

Kip: Oh ja, ich würde aber gar nicht für eine Stunde auf der Bühne sein wollen. 45 Minuten können auch schon sehr lang sein, wenn du da stehst. Das ist wohl so eine Art Raum-Zeit-Kontinuum, da das Publikum sich denkt, wow, schon vorbei und wir völlig geschafft sind und uns fühlen, als hätten wir mehrere Stunden Sport getrieben. Es ist aber natürlich immer toll.

Alle sagen auch, wie charmant, freundlich und toll ihr seid. Versucht ihr extra, ein möglichst gutes Bild von euch zu vermitteln, oder seid ihr halt einfach so?

Kip: lacht Klar, so sind wir. Es ist jetzt nicht so, dass ich jetzt extra versuche mich gut zu benehmen. Dennoch wissen meine Großeltern jetzt, wie man Google benutzt, so ist eben auch das einzige, was sie heraus finden können, dass sie höchsten mal hören, dass ich einen Kater hatte. Das klingt zwar langweilig, aber wir sind jetzt nicht die exzessiven Typen, die Leute verprügeln, oder Drogen nehmen.

Du sagtest in einem Interview, dass es bei The Pains Of Being Pure At Heart ums jung sein und ums zusammen sein mit seinen Freunden geht. Bedeutet dass, es kann euch in 30 Jahren nicht mehr geben, oder haltet ihr das wie Sonic Youth, die auch mit 50 noch jung sein auf ihre eigene Art vorleben?

Kip: Ja, ich glaube, genau das ist es. Es geht bei denen ja auch nicht darum, 17 zu sein, auch wenn sie die Verspieltheit und ihren eigenen Willen in ihrer Musik noch immer durchsetzen. Sie haben diesen jugendlichen Geist behalten. Das wollen wir natürlich auch. Unser Name stammt ja aus dieser Kurzgeschichte und die besagte, dass du die Erfahrungen, die du machst ganz fest verinnerlichen sollst und versuchen sollst, sie zu genießen. Ich fühle mich jetzt mit 29 noch nicht alt, sondern immer noch wie mein 17 jähriges Ich.

Also denkst du nicht, wie Chris Martin, dass du mit 33 zu alt für Musik sein könntest?

Kip: Was, der ist erst 33. Verdammt, ich habe nur noch 4 Jahre so cool zu werden wie Chris Martin. Aber nein, ich denke, dass ich auch mit 55 Jahren noch mein 17 jähriges Ich sein kann, wenn ich mir das bewahre.

Ihr spielt ja heute mit Hatcham Social. Kanntet ihr die schon?

Kip: Ja, wir kennen ihre Musik und finden sie richtig toll. Sie kommen ja auch aus dieser tollen Londoner Szene und leihen mir zum Glück eine Gitarre, weil meine gestern kaputt gegangen ist.

Ihr habt auch schon mit The Wedding Present gespielt, wie war das für euch?

Kip: Ja, das war klasse. Es war schon eine Ehre, mit einer Band zu spielen, die wir schon lange kennen. Da konnten wir auch viel abschauen, zu sehen, wie die ihren Soundcheck machen, sich auf ihre Shows vorbereiten, mit den Fans kommunizieren und sich verhalten. Toll war natürlich auch sie jeden Abend zu sehen und mit ihnen sprechen zu können.

Es war also nicht so, wie bei den Kaiser Chiefs? Die sagten nämlich, auf ihrer Tour mit Green Day konnten die nichts lernen?

Kip: Nein, überhaupt nicht, es waren einige Lektionen, die wir als Band lernen konnten. Ich meine, dass ist eine Band, die seit 20 Jahren Unterstützung von ihren Fans erfährt, das wollen wir natürlich auch gern erreichen, also ist bei denen abgucken zu können eine wertvolle Sache. Es war natürlich auch toll zu sehen, dass die nach den Shows noch mit ihren Fans beim Merch gesprochen haben und so unglaublich dankbar waren.

Ok. Abschließend suchen wir noch das Album des Jahrzehnts. Was wäre deine Wahl?

Kip: Hmm, die 2000er? Ist zwar ziemlich offensichtlich, aber ich wähle „Is This It“ von The Strokes. Es hat irgendwie das Jahrzehnt geprägt. Danach kam dieser Indie-Trend und „The“ Bands von überall. Animal Collective haben meiner Meinung nach auch diesen Bogen mit ihrem Album geschlossen und wir sind nun am Beginn einer neuen Ära.

Fotos 1 und 2, Ariane WhiteTapes, mehr hier
Restliche Fotos vom Myspace der Band

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