Interviews

The Alexandria Quartet – Interview

Bereits im Vorprogramm von Travis überzeugten uns The Alexandria Quartet (TAQ) im Februar davon, dass Brit-Pop schon lange kein regional geprägtes Genre mehr ist. Größtenteils ist es eine Art musikalisches Verständnis, das sich inzwischen auch bei vielen Bands außerhalb Englands im eigenen Sound eingeschlichen hat. Mit ihrem nun im Mai auch europaweit veröffentlichten Debüt-Album trafen wir die Band nun auf ihrer ersten kleinen Headlining-Tour und befragten sie zu ihrem Verhältnis zum Brit-Pop, wie sie zu ihrem Sound fanden und natürlich wie die Tour mit Travis war.

Ihr habt gestern auf dem Southside und zuvor auf dem Hurricane gespielt, wie war’s?

TAQ: Toll, also viel Fahrerei, aber das Publikum war echt toll.

Im Januar und Februar seid ihr als Support mit Travis auf Tour, wie war das?

TAQ: Ja, das war toll. Das sind echt klasse Jungs und so höflich. Am Publikum war toll, dass wir jeden Abend die Möglichkeit hatten vor sehr vielen Menschen zu spielen, uns also auch so vielen Leuten präsentieren zu können. Das war auch toll für Travis, denke ich. Die haben uns jedenfalls auch fast immer unserem Auftritt zugeschaut. Wir konnten auch extrem viel lernen. Die sind sehr erfahren und wissen wie man mit der Menge spricht und sie unterhält. Das haben wir versucht etwas abzugucken. Toll war auch, wie bodenständig Travis sind. Bei unserem ersten gemeinsamen Konzert in Kopenhagen haben sie etwas länger für ihren Soundcheck gebraucht und als sie dann fertig waren haben die sich ein dutzend Mal entschuldigt, weil wir eine Verzögerung hinnehmen mussten. Natürlich passten wir auch musikalisch gut zusammen, wir spielen ja quasi beide das gleiche Genre. Also so Brit-Pop Zeug eben.

Wie habt ihr eigentlich zu eurem Stil, diesem ziemlich britischen Sound gefunden?

TAQ: Das war ziemlich normal. Wir haben eben alle einen ähnlichen Geschmack und ein bestimmtes Gespür für Songs und im Schreibprozess haben sich die Songs dann immer so entwickelt. Wir sind alle sehr inspiriert von britischer Musik, am Meisten von den Beatles, da war der Weg zum nennen wir es einfach Brit-Pop nicht so weit. Auf dem Hurricane waren wir jetzt die einzige Band, die aus diesem Genre kommt und da wurden wir umso wärmer willkommen geheißen. Viele Bands aus Skandinavien spielen ja nicht so einen Stadion-Rock-Sound, die beschränken sich eher auf Elektro, oder Rockmusik. Da füllen wir ja beinahe eine Marktlücke, die wird zwar von Aha beherrscht, aber im Indie-Bereich sind wir mit unserem Stil fast allein.

Auf eurem Myspace schreibt ihr, ihr hättet euch gegründet, nachdem ein Label sagte, es würde ein paar Songs von Martin, eurem Sänger mögen?

Martin: Ja, ich kannte jemanden beim Label und hab dann Øystein angerufen und die anderen beiden auch dazu genommen, nachdem das Label meinte, es würde meine Songs mögen und uns unter Vertrag nehmen wollen. Ich wollte keine Solokarriere machen, also hab ich mit den Dreien hier die Band gegründet.

Schreibt ihr eure Songs trotzdem demokratisch?

Martin: Jein, ich habe da meistens eine Idee, komme damit zu den Jungs und daraus machen wir dann ein Gesamtkonstrukt, also ich gebe den Anstoss und dann kommt der Rest. Wir machen das also gemeinsam.

Ihr habt das Album ja bereits im März 2008 veröffentlicht, wie war es nun die ganze Promoarbeit noch einmal zu machen?

TAQ: Es war ok. Auf dem Album sind drei neue Stücke, das Cover ist neu, es fühlt sich also beinahe neu an. Klar freuen wir uns auf das neue Album, aber so ist es auch gut, in Deutschland kannte das Album noch keiner, da war es ganz gut, mit dem ersten Album anfangen zu dürfen.

Warum euer Entschluss nach London zu ziehen?

TAQ: Das lag an unserem Label, das sitzt da und meinte, es wäre gut, wenn wir in der Nähe sind. Also sind wir da jetzt. Wir ziehen aber bald wieder nach Norwegen. Toll war aber, das Album in Abbey Road aufzunehmen, wo auch die Beatles und Oasis ihre Alben aufgenommen haben. Es ist auch ein tolles Gefühl, auf derselben Toilette zu sitzen, auf der schon John Lennon gesessen hat lachen.

Dann nehmt doch euer nächstes Album in Hamburg auf, da hatten die Beatles ja quasi ihren kleinen Durchbruch.

TAQ: Stimmt, wir haben da tatsächlich schon drüber nachgedacht, viel mehr gibt es da aber noch nicht zu sagen.

Plant ihr auch schon eine größere Tour hier in Deutschland?

TAQ: Ja, im Herbst haben wir da was geplant, aber mehr wissen wir auch noch nicht.

Fanfarlo aus London haben kürzlich ihr Album für einen Dollar über das Internet veröffentlicht, könntet ihr euch vorstellen ein Album ähnlich zu promoten?

TAQ: Hmm, schwer. Die Sache ist ja, dass wir noch in der glücklichen Lage sind, als Band vom norwegischen Kulturministerium über eine Art Stipendium. Ohne das hätten wir uns wohl auch kaum den Aufenthalt in London, oder allein diese Tour leisten können. Letztlich verdienen wir mit Plattenverkäufen nicht einmal einen Dollar, in sofern wäre es vielleicht doch ganz nett, auf diese Art Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber das wurde ja jetzt schon getan. So mit dem Stipendium und auf Tour kommen wir so gerade über die Runden und so ist auch unser zweites Album schon gesichert.

Denkt ihr also, Filesharing ist vielleicht das kleinere Übel für die Musikindustrie?

TAQ: Nein, also unsere Meinung ist, dass es dem Künstler überlassen bleiben sollte, ob er seine Musik kostenlos hergeben möchte, oder nicht. Wenn dann doch jemand unser Album illegal runter lädt und dafür auf unser Konzert kommt und ein T-Shirt kommt, dann freut uns das, er ist aber immer noch jemand, der uns auf eine gewisse Art bestohlen hat. Aber klar, in der Live-Musik liegt die Zukunft der Branche. Deshalb musst du auch eine gute Live-Band sein, um die Leute auch zu unterhalten und zum Wiederkommen zu bewegen. Klar, warum Mando Diao so bekannt sind ist uns dennoch ein Rätsel, aber in der Zukunft wird es wieder auf die Qualität deiner Show ankommen. Bald werden die Fans eh nur noch das kaufen, was sie möchten, da ist es egal, was irgendwo auf einem Online-Banner steht. Die hören sich das bei Spotify an und kaufen sich dann vielleicht das Album. Solche Streamingseiten sind glaube ich auch immer wichtiger. Die sind eine tolle Alternative zu den Download-Seiten. In zehn Jahren werden wir denke ich wissen, wie sich die Branche durch die illegalen Downloads entwickelt hat. Ganz wichtig wird da auch die Förderung echter Talente und Bands, wie es ja in Skandinavien schon von der Regierung gemacht wird, denn ohne die wäre viel weniger für uns möglich.

Als letztes haben wir doch noch eine Frage zu eurem Namen, er basiert auf dieser Roman-Reihe mit dem gleichen Namen, stimmt’s? Ihr sagt zwar, ihr habt die nie gelesen, wurdet ihr aber dennoch auch von Literatur beeinflusst?

TAQ: Nein, eigentlich nur von Musik. Wir haben diesen Namen mal gelesen und fanden ihn ganz gut. Der ist ungewöhnlich und fällt hoffentlich auf. Wir werden die Reihe wohl auch niemals lesen, aber als Musiker müssen wir das ja auch glücklicherweise nicht. Also, unsere Einflüsse beziehen sich nur auf Musik.

Fotos: Myspace der Band

Anmerkung: Auch wenn wir die ganze Band zum Interview hatten, war es aufgrund der Geräuschkulisse beim Inder, bei dem wir das Quartett zum Gespräch trafen, später unmöglich noch die einzelnen Personen zu unterscheiden, deshalb steht an den meisten Stellen der Einfachheit halber nur TAQ.

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