Interviews

Scott Matthew – Track By Track „There Is An Ocean That Divides“

Vor ein paar Tagen erschien mit „There Is An Ocean That Divides“ das zweite Soloalbum des australischen Songwriters Scott Matthew, der schon vor einer Weile in New York zu seiner Heimat erwählte, den also auch mehr als ein Ozean von seinem Herkunftsland trennt. Mit nur einem Ozean zwischen den WhiteTapes und Scott baten wir ihn nun zum ausführlichen Track By Track Interview zu Album Nummer 2. Dabei erwies sich Matthew nicht als Morgenmuffel, sondern als hellwach und charmant wie, auch schon im Interview mit uns im Dezember.

Hi Scott, oder Guten Morgen, egal, wie geht’s?

Großartig, danke.

Freut uns, dann wollen wir einmal direkt losstarten. „There Is An Ocean That Divides…“ wurde jetzt vor ein paar Tagen veröffentlicht. Magst du uns zu Beginn den Titel kurz aus deiner Sicht erklären?

Also, ursprünglich war das als Text für den Titel-Song gedacht. Das funktionierte dann aber gesanglich nicht wirklich, aber in der Zusammenarbeit mit Marisol habe ich dann beschlossen, dass ich das als Album-Titel nehmen sollte. Es fasst nämlich irgendwie alle Themen des Albums zusammen. Manche sagen, es sei etwas schwer zu interpretieren. Es beschreibt natürlich größtenteils um Distanz, Trennung und Verlangen.

Beim ersten Song „Every Traveled Road“ zitierst du Thomas Luz, hat er dich beim Schreiben sehr beeinflusst?

Ja, hat er, würde ich sagen. Aber nicht direkt, ich fand eben diese Zeilen gut. Es ist natürlich auch so, dass ich keine wirkliche musikalische Ausbildung habe, da haben andere Künstler natürlich schon mal einen Einfluss auf mich. Es geht dabei ums Schlussmachen und dafür nutze ich im Song gern Gegensätze, wie Luz das auch gemacht hat. Darin geht’s ja auch um Leben, um die ständigen Gegensätze, Schwarz und Weiß, gut und schlecht.

Song 2, „For Dick“. Offensichtliche Frage, wer ist Dick?

Dick ist ein Kerl namens Richard, er hat aber nichts dagegen, dass ich über ihn singe, er fand das ok.

Du nutzt dabei eine Metapher aus der Tiermast, denkst du, Liebe ist wie gemästet werden und die Trennung dann wie die Schlachtung?

Oh ja, manchmal. Besonders, wenn es wirklich scheiße gelaufen ist. Du bist erst übersättigt und dann ist plötzlich Schluss und du möchtest einfach nur sterben.

„Ornament“ erscheint uns dann im Vergleich zum Rest sehr fröhlich, siehst du das ähnlich?

Ja klar, es ist vielleicht nicht der aller fröhlichste, aber er ist eindeutig schon gut gelaunt. Positiver als viele andere. Es ist ja auch so, es gibt auch Hoffnung in meinem Leben. Ich bin nicht immer depressiv und mies drauf.

Das wolltest du dann auch zeigen?

Natürlich, sonst gelte ich noch irgendwann als alte Heulsuse. Ich bin eigentlich meistens glücklich. Aber in „Ornament“ gibt’s natürlich auch einen kleinen Moment des Zweifels. Es geht darum, dass man nicht immer sicher mit sich selbst ist.

Nun zu unserem Liebling „White Horse“, es geht um Unschuld, richtig?

Ja, im Grunde schon. Liebe ist erst einmal ja unschuldig. Da geht es um eine Liebe, die ausbrechen möchte, aber vom anderen nicht erwidert wird, um Liebe, das White Horse, das dich innerlich auffrisst.

Beim nächsten Song „Dog“ singt Holly Miranda die Backing Vocals.

Oh ja, und da bin ich stolz drauf, sie ist großartig.

Das findet auch Kanye West, wusstest du das?

Ja, ich glaube, der ist tierisch in sie verknallt. Das kann ich aber auch verstehen, sie wird verdammt groß durchstarten. Gerade hat sie einen Vertrag bei XL Recordings unterschrieben und nimmt ihr Debüt auf. Es ehrt mich natürlich, mit ihr befreundet zu sein und sie auf meinem Album zu haben.

Habt ihr mal drüber nachgedacht, eure Version von „Heaven Knows I’m Miserable Now“ aufzunehmen?

Nein, nicht wirklich. Das war toll live, aber im Moment möchte ich keine Cover-Versionen aufnehmen, weißt du. Aber wenn ich das mal doch tue, möchte ich das auf jeden Fall mit Holly machen, ja.

Bei „Community“ hast du wieder diese fröhliche Melodie. Du sagst quasi, dass Liebe größer als Gott ist.

Ja stimmt, aber eigentlich ist Gott die Liebe. Leider verstehen das viele Menschen nicht.

Das ist witzig, weil du ja häufig betonst, überhaupt nicht religiös zu sein.

Das ist auch so, es ist ja leider so, dass viele religiöse Menschen denken, dass die Liebe in bestimmten Arten eine Sünde ist. Das möchte ich aber nicht glauben, weil die Liebe von Gott kommt. Ich weiß, das klingt wieder religiös, aber das ist nun einmal so. Ich benutze auch das Wort „Community“ mit der Absicht, religiöse Gemeinschaften und schwule Gemeinschaften zu vergleichen. Religiöse Bilder benutze ich da auch, klar. Ich weiß auch gar nicht warum. Es ist wahrscheinlich so, dass es Bilder sind, die einfach bekannt sind, auch wenn man nicht daran glaubt. Das sind starke und universelle Bilder.

In „There Is An Ocean That Divides“ sind es nur du und das Klavier, wolltest du die Einsamkeit und Trennung auf die Art darstellen?

Ja, schon. Es geht da wieder um eine unerfüllte Liebe, so bin ich halt. lacht Du brauchst eben deine ganze Kraft, um darüber hinweg zu kommen und die Liebe zu begraben. Dabei bist du natürlich meist ganz allein mit dir selbst.

Beim nächsten Song haben wir wieder eine sehr offensichtliche Frage, warum nämlich der Titel „German“?

Das war auf Tour, ich fühlte mich ziemlich selbstbewusst und nahm den Mut zusammen, einen Song aus der Perspektive der dritten Person zu schreiben. Sonst singe ich ja quasi immer von mir. Da habe ich einmal das Bild eines deutschen Touristen benutzt, der sich fremd fühlt. Das wollte ich einfangen, auf Tour bin ich natürlich häufig fremd.

Mag nun eine gewagte Interpretation sein, aber versuchst du mit der Zeile „Make It Beautiful Now“ den deutschen Perfektionismus auszudrücken?

Cool, nein, so habe ich das noch nicht gesehen. Also ja. Ich hab da aber nicht so stark drüber nachgedacht. Das ist schon ein Klischee, ja. Es ist aber eher emotional motiviert.

„Thistle“ ist dann wieder sehr fröhlich.

Ja, oberflächlich. Aber der Text ist wieder sehr dunkel. Da wollte ich einmal Pop machen, aber meinen Stil beibehalten. Wieder so ein Gegensatz. lacht

In „Wolverine“ singst du von dem Tier, stimmt’s?

Ja, es ist ganz schrecklich, da ja jetzt der neue Film kommt, denkt natürlich jeder and die Comic-Figur, damit hab ich’s aber nicht so. Ich wollte aber nicht wirklich über Hugh Jackman singen.

Eine sicherlich willkommene Referenz, da du ja auch viel mit Animes gemacht hast.

Stimmt, aber das waren eher nur Jobs für mich. Das hat zwar Spaß gemacht, das sind aber nicht meine Stücke, die hat jemand anders geschrieben, ich hab die gesungen und das war’s. Wenn Leute mich darüber kennen gelernt haben, ist das natürlich toll. Aber viele davon sind mir nicht einmal mehr bewusst.

Und nun zum letzten Song „Friend and Foe“. Du singst „To Love Is To Live“.

Genau, das ist auch meine letzte Zeile. Damit wollte ich gern ein Buch beenden, da ich aber keine schreibe, hab ich das als Schluss genommen lacht. Ich denke, damit konnte ich den Inhalt ganz gut zusammen fassen und hoffe, es gibt abschließend etwas Hoffnung, auch wenn das Album größtenteils traurig ist.

Fotos: Scott Matthew Myspace

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