Interviews

Scott Matthew – Interview

Unmittelbar vor seinem Konzert im Gleis 22, dem dritten Abstecher seiner Weihnachts-Tour durch Deutschland, stellte sich der sympathische Australier Scott Matthew unseren Fragen rund um Weihnachten, seine Musik und seine Tournee.

Hi Scott, wie geht’s?

(Scott grinst breit wie ein Honigkuchenpferd) Großartig, danke!

Freut uns zu hören. Ok, du bist nun hier auf Tour mit deiner Weihnachts-EP „Silent Nights“, was war der Auslöser für dich eine Weihnachts-EP aufzunehmen?

Ja, das war sehr spontan, ich war auf Tournee mit Sia, eine australische Sängerin, die wie ich in New York lebt. Sie bat mich, sie auf ihrer UK-Tour zu supporten, während der Tour hab ich angefangen einen Weihnachtssong zu schreiben und dachte „wow, ich möchte unbedingt ein Duett mit Sia aufnehmen“, also hab ich sie gefragt. Ich wollte auch immer „Baby, It’s Cold Outside“ aufnehmen, ein sehr traditionelles Weihnachtslied, zur selben Zeit habe ich ja auch mein Weihnachtslied geschrieben, also fühlte es sich ganz natürlich an, so ganz ohne Druck eine kleine Weihnachts-EP aufzunehmen. Als wir wieder in New York waren, sind wir für zwei Tage ins Studio gegangen und haben die Stücke aufgenommen. Das Ergebnis kennst du ja, drei Lieder, alle zum Thema Weihnachen.

Scott lächelt wieder breit und führt weiter aus

Und weißt du, ich liebe Weihnachten, vielleicht auch weil ich nicht religiös bin. Ich finde es ist eine ganz besondere Zeit im Jahr, besonders in New York. Die Menschen sind total nett und ganz New York ist dann wunderschön.

Er lächelt verträumt und nickt noch einmal, als wolle er sich noch einmal zustimmen.

Verstehe, dann wird dir unsere nächste Frage gefallen, du hast das ja gerade schon etwas angerissen, was bedeutet dir persönlich Weihnachten?

Oh ja, ich denke, wir gehen durch das Jahr und man hat bestimmte Highlights, wie deinen Geburtstag und andere Dinge. Bei Weihnachten denke ich, hast du ein kollektives Highlight, die ganze Familie feiert, die ganze Welt scheint für ein paar Wochen ein etwas besserer Ort zu sein. Alle sind freundlicher zueinander. Ich habe mich da auch nie mit der kommerziellen Seite anfreunden können, aber diese spirituelle Seite fasziniert mich. Da gibt’s zwar auch schlechte Seiten an Weihnachten, aber das musst du ja selbst nicht mit durchziehen. Ich nehme mir eben die Essenz daraus, bei der es ums Geben und Vergeben geht. Das finde ich sehr romantisch, du kannst auch dann ein ruhiges, etwas trauriges Weihnachtslied schreiben und darin Schönheit finden.


Auf die Allgemeinheit bezogen, was bedeutet Weihnachten da?

Im Wesentlichen soll es ja ein religiöses Fest sein, diese Bedeutung hat es aber verloren. Heute ist das Kommerz, ein wichtiges Geschäft.


Wenn du Weihnachten in den USA mit Weihnachten in Australien vergleichst…

Oh ja, da gibt es riesige Unterschiede, es ist quasi das genaue Gegenteil. Zum Einen ist es ja eine völlig andere Jahreszeit in Australien, es ist Sommer, aber alle tun so, als sei Winter, da gibt es dann Kerle im Santa Claus Kostüm, da denkst du, die müssen doch einen Hitzschlag kriegen, während die den kleinen Kindern Geschenke geben. Es ist auch seltsam, dass die Geschäfte Kunstschnee an die Fensterscheiben sprühen. Das macht gar keinen Sinn, es ist sozusagen die heißeste Zeit des Jahres, mitten im Sommer und jeder tut, als sei Winter. Das ist natürlich auch schön, du gehst an den Strand, es gibt BBQ und du isst Salate. In Amerika merkst du, diese Leute lieben ihre Feiertage, die Menschen nehmen Weihnachten deshalb auch wichtiger.


Wenn du auf 2008 zurück blickst, was war dein persönlicher Höhepunkt?

Oh, das ist schwer. Wenn ich drüber nachdenke, eigentlich war ich auf einem konstanten Höhenflug dieses Jahr. Alles war so toll dieses Jahr, es war aber auch hart stellenweise. Im Moment sind wir ja noch am Anfang, wir freuen uns total darauf, was die Zukunft für uns bereit hält, im Moment bin ich einfach total glücklich. Hmm, ein Höhepunkt war ganz sicher, dass wir es auf Platz 1 in Japan geschafft haben. Das Haldern Pop Festival war toll, auch wenn wir da sehr müde waren. Oh ja, und unser Konzert im Shepherd’s Bush Empire in London war klasse, ganz einzigartig. Es ist auch toll, dass wir die Welt zu sehen bekommen, zwar nicht viel von jeder Stadt, weil wir nie viel Zeit haben, aber wir kommen rum. Ich habe zum Beispiel nie gedacht, dass ich jemals in Münster sein werde, um ehrlich zu sein hab ich noch nie von dieser Stadt gehört, aber sie ist toll. Vor ein paar Tagen waren wir beispielsweise auch noch in Madrid, vorher in Barcelona, oder auch in Rom, das ist echt klasse.


Was denkst du, wird die Welt aus 2008 am Meisten in Erinnerung behalten?

Ganz klar, Obama, Wechsel. Das finde ich aber auch traurig, weil, mit jedem Positiven, wie Obama, kommt auch immer irgendetwas Negatives, so als wäre es uns nicht gestattet, sich einfach einmal völlig über eine Sache zu freuen. An dem Tag nämlich, an dem Obama gewählt wurde, trat in Amerika auch dieses Gesetz, Proposition 8, in Kraft. Du hattest also diese extreme Freude über Obama und hast im gleichen Moment einen Schlag ins Gesicht erhalten mit diesem Gesetz. Das zeigt auch, dass du in Amerika immer weniger Bürgerrechte hast, was ich extrem traurig finde. Aber ich bleibe Optimist und freue mich auf 2009 und den eingeläuteten Wechsel.

(c) WhiteTapes

Nun zu 2009, was sind deine Pläne, abgesehen von deinem zweiten Album, dass ja so gut wie fertig ist, wenn unsere Informationen stimmen…

Oh ja, das ist so gut wie fertig. Also, sobald wir wieder in New York sind, werden wir den Feinschliff an das Album legen, danach den Release vorbereiten und natürlich auf Tour gehen, was ich sehr genieße und noch mehr im Vordergrund stehen wird. Das wird so ab Mai sein, bis dahin wollen wir das Album vollenden. Dazu arbeiten wir auch noch an einem Release des ersten Albums in Amerika, da ist es nämlich noch nicht veröffentlicht. Das wird im Februar sein, kurz danach wird eben weltweit auch das zweite Album kommen und dann sehen wir uns hoffentlich bald wieder. grinst


Ein Spruch der uns häufiger begegnet besagt, „jemand der noch nie zu Musik geweint hat, hat Musik noch nicht richtig erlebt“, was hälst du davon und welche Emotionen denkst du sind wichtig, um Musik als Ganzes zu verstehen?

Ja, ich glaube Musik ist eine so umfassende, kreative und vielschichtige Macht. Sie kann dich zum Tanzen bringen, zum Singen „and it can make you wanna fuck“ (O-Ton). Sie bringt dich dazu alles möglich zu tun und das ist alles richtig und alles gut. Aber Weinen im Allgemeinen, kannst du denke ich nicht vorspielen. Ok, du kannst, aber nimm jemanden, der in New York auf die U-Bahn wartet und weint, wie ich das schon häufiger gesehen hab, das kannst du nicht vorspielen, das ist echt, weil eigentlich willst du nicht, dass dich Leute so sehen, aber du lässt es trotzdem raus, weil du nicht anders kannst und das ist ehrlich. Das ist eben ehrlich und wenn wir im Leben alle ehrlich wären, dann wäre die Welt wahrscheinlich noch etwas besser und wir hätten auch nicht diese Proposition 8 und solchen Scheiß. Für mich ist zum Beispiel Traurigkeit in der Musik extrem wichtig, weil ich das auch sehr ehrlich finde. Äh, was wollte ich jetzt sagen. lacht laut los


Ich glaube, deine Kernaussage ist, dass ehrliche Gefühle extrem wichtig sind, um Musik als Ganzes zu erfahren und zu greifen.

Lacht weiter Ja genau, ich glaube das ist es, ganz genau so, nur dass ich es nicht so gut sagen konnte. Danke Mann!


Nun auf deine Musik bezogen, wenn ich deine Songs höre, dann überkommt mich so ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit, weil da so viel Hoffnung drin steckt…

Scott schaut fasziniert und glücklich Ehrlich? Cool, ich finde es toll, so was zu hören, ich will nämlich auch, dass Leute das merken.

Welche Emotionen möchtest du persönlich mit deinen Songs transportieren.

Hmm, ich würde jetzt auch Hoffnung sagen, das finde ich nämlich auch absolut zutreffend, nur jetzt denken die Leute, das hätte ich nur von dir aufgegriffen, also muss ich mir selbst was überlegen (grinst) Okay, ich würde sagen Trost. Ich möchte die Leute auf jeden Fall nicht aufregen mit meiner Musik. Manchmal bin ich etwas Paranoid, wenn ich auf Tour bin und mir die Leute sagen, hey, deine Musik bringt mich zum Weinen, dann fühle ich mich etwas verantwortlich, aber zur gleichen Zeit denke ich, geil, weil mich das glücklich macht, dass Menschen mit meiner Musik ehrliche Gefühle verbinden und diese dann auch ausdrücken, sogar während meinen Konzerten. Dann weiß ich, ich hab meinen Job richtig gemacht. Aber noch toller finde ich es, wenn die Leute nach meinen Konzerten nach Hause gehen und so etwas wie Trost, oder eben Zufriedenheit und Glück verspüren. Dazu musst du wissen, als ich aufgewachsen bin, haben traurige Lieder im wahrsten Sinne des Wortes, mein Leben gerettet.


In welcher Atmosphäre sollte man deine Musik am Besten hören?

Hmm, ich glaube, das ist sehr individuell. Auf mich persönlich bezogen, wenn ich sensible, sanfte Musik höre, dann tue ich das zu Hause, mit einer Flasche Whiskey, am Besten mit meinem Liebhaber, oder in deinem Fall mit deiner Liebhaberin, oder allein. Im öffentlichen Zusammenhang haben wir festgestellt, dass bestuhlte Locations besser sind, ganz einfach aus dem praktischen Grund, weil die Leute dann ruhiger sind. Ich habe mal in einer Rezension zu meinem Album gelesen, dass es eine gute Hintergrundbeschallung für einen Starbucks sei, ich glaube, das sollte so etwas wie Kritik sein, aber ich fand das verdammt passend und toll.


Okay, noch einmal zu den Emotionen, die Beatles haben einmal, eher kritisch gesagt, „Happiness is a warm gun“, was bedeutet Glück für dich?

Lacht schmutzig Was anderes warmes auf jeden Fall. Ich sage jetzt aber nicht was. Also, Liebe ist Glück, sei es das Gefühl, oder auch körperliche Liebe, beides bedeutet Glück. Liebe in jeder Form eben.


Gut, vielen Dank. Da wir jetzt das Ende erreicht haben, welche Fragen hörst du gern und welche Fragen hasst du an Interviews?

Ja, cool. Ich finde es gut, wenn Leute mich fragen, wie es mir geht, 1 zu 0 für dich. Und ich kann es nicht ausstehen, wenn mich Leute fragen, ob meine Musik androgyn ist. Das verstehe ich nicht, ich denke Androgynität ist absolut missbraucht in der Musik, ich weiß auch gar nicht, warum Musik so klingen sollte und warum Leute das mit meiner Musik verbinden würden. Aber das hast du ja nicht gefragt, noch ein Plus also.

Fotos: Myspace von Scott Matthew, falls nicht anders angegeben

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