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Ra Ra Riot – Interview

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Ra Ra Riot veröffentlichten mit „The Rhumb Line“ nach einer sehr guten EP in 2007, ein eben so großartiges Album und machten sich nun auf, ihre Songs auch in Deutschland live zu präsentieren. Kurz vor ihrem Konzert im Kölner Blue Shell nahm sich Bassist Mathieu ein wenig Zeit, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Hi Matt, ihr seid ja jetzt das erste Mal auf Deutschland-Tour…

Ja, stimmt. lacht

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Nenn uns etwas, dass ihr toll an Deutschland findest.

Das Tolle an Deutschland ist, ähm, mal ganz abgesehen von der Kultur, die wir alle sehr genießen und dem tollen Essen das wir bekommen, vor allem dass das Publikum sehr enthusiastisch ist. Die haben sehr viel Spaß an der Musik, auch wenn da eine Band spielt, die noch nicht so bekannt ist, wie eben wir. Die Deutschland-Konzerte bisher waren deshalb auch sehr viel Spaß für uns.


Und etwas, dass ihr an Deutschland nicht ausstehen könnt?

Na ja, das Wetter war ein bisschen, sagen wir einmal durchwachsen, völlig verregnet und unerwartet kalt.


Aber das muss euch doch ein bisschen an die Ostküste in Amerika erinnern?

Ja, fühlt sich tatsächlich etwas wie zu Hause an. Ich habe mir Deutschland einfach mit vielen grünen Wäldern, Schlössern und blauem Himmel und so vorgestellt, wie du das immer in diesen Dokus auf National Geographic siehst. Aber bis jetzt war es immer dunkel und verregnet, aber damit kommen wir auch gut klar.

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Wenn du so zurück denkst, was war das Peinlichste, oder Witzigste, das euch bisher auf der Bühne passiert ist?

(lacht) Öhm, das war etwas, das uns auf der letzten Amerika-Tour passiert ist. Milo hat einen Part in einem Song, da spielt er eine Maracha, so eine Rassel und damit hat er ziemlich enthusiastisch gewedelt, in meine Richtung geschaut und in dem Moment ist der vordere Teil abgebrochen und hat mich direkt im Gesicht getroffen. Die Show wurde auch noch aufgezeichnet für eine Fernsehsendung, also ist das auch ein gut dokumentierter Vorfall, vermutlich auch der bisher schmerzhafteste, also für mich.


Ihr habt auch einige Konzerte mit den Los Campesinos! gespielt, die vor ein paar Tagen hier fünf Meter die Straße runter im Luxor gespielt haben. Wie fandet ihr sie?

Ja, die sind echt cool. Wir kannten die vorher noch nicht, also war das erste Mal, als wir die gehört haben, auch das erste Konzert, das wir mit denen spielten. Aber die Kombination mit uns hat natürlich super gepasst. Wir haben auch festgestellt, dass wir  ähnliche Erfahrungen gemacht haben und das Bandgefüge ähnlich funktioniert. Auch wenn wir an den Abenden nur für sie eröffnet haben, ist das Publikum doch extrem mitgegangen.


In einigen Rezensionen zu eurem Album “The Rhumb Line“ haben euch die Leute eben auch mit Los Campesinos! und auch The Arcade Fire verglichen. Welche Vergleiche hört ihr persönlich gern?

Hmm, gute Frage, ich glaube, am coolsten ist, wenn wir mit The Police oder den frühen U2 verglichen werden. Das sind nämlich meine größten Einflüsse und finde es immer cool, wenn jemand das bemerkt.

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Euer Debüt „The Rhumb Line“ wurde jetzt vor circa einem Monat veröffentlicht, darauf habt ihr auch einige neu eingespielte Versionen von Songs, die auch schon auf eurer EP enthalten waren. Warum habt ihr beschlossen, sie neu aufzunehmen?

(Überlegt) Hmm, ja, als wir die EP im Januar 2007 aufgenommen haben, war es unser erstes Mal im Studio und wir hatten keinen Produzenten, sondern nur einen Tontechniker. Wir waren also eher auf uns gestellt und hatten bis zu diesem Zeitpunkt unsere Songs nur live gespielt. Wir wussten auch gar nicht, was unsere Ziele sind, mal abgesehen natürlich davon, die Stücke aufgenommen zu bekommen. Sie sollten eben wie live klingen und sehr Energie geladen, die EP hat uns dann auch sehr weit gebracht. Aber wir hatten auch das Gefühl, dass sie den Songs noch nicht ganz gerecht wurde. Da steckte noch viel mehr in den Stücken, das wir, als es darum ging das Album zu produzieren, raus kitzeln wollten. Also haben wir unsere Lieblings-Stücke von der EP ausgewählt und die mit einem tollen Produzenten in einem echt großartigen Studio neu eingespielt, um ihnen die Produktion zu geben, die sie verdienen. Außerdem haben wir uns gedacht, die EP war ein Independent-Release, die Stücke sollen aber auch einen weltweiten, richtigen Release erfahren, deshalb sollten die auch unbedingt auf’s Album.


Habt ihr einen Lieblings-Song auf “The Rhumb Line“?

Äh, ja! Ich kann jetzt natürlich nicht für alle sprechen, aber ich glaube, das gilt trotzdem für den größten Teil der Band, wenn ich sage das ist “Oh, La“. Es war eines der ersten Stücke, das wir zusammen geschrieben haben, aber wir kamen mit dem irgendwie nicht weiter, also wir haben es nicht geschafft, das fertig zu bekommen. Das lag dann eben rum. Die anderen Songs haben wir in Wes’ Haus geschrieben, das ging immer recht schnell und relativ einfach, aber mit “Oh, La“ wollte das nicht so klappen. Im Studio ist dann der Knoten irgendwie geplatzt, wir hatten da neue Techniken gelernt und über diesen neuen Prozess, an einem freien Tag im Studio ohne Produzent, haben wir “Oh, La“ einfach noch einmal rausgekramt und dann auch endlich vollenden können. Darauf waren wir dann natürlich besonders stolz.


In eurem Song “Dying Is Fine“# zitiert ihr ein Gedicht von E.E. Cummings, nämlich “Dying Is Fine) But Death“. Habt ihr das gewählt, weil es euch wirklich beeinflusst hat, oder einfach nur, weil es einfach gut zum Song passte?

Ja, ich glaube es ist eigentlich das letztere. “Dying Is Fine“ ist das allererste Stück, das wir geschrieben haben. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie die Umstände da waren, aber ich glaube das ging von Milo aus. Er begeisterte sich zu der Zeit sehr für diese Gedichte und hat ein wenig davon in die Texte eingebaut.

Video zu „Dying Is Fine“:

httpv://www.youtube.com/watch?v=NGuP6ZN8Qxo

Ihr scheint auch eine gewisse Schwäche für Kate Bush zu haben. Mit “Suspended In Gaffa“ habt ihr eine Cover-Version von ihr auf “The Rhumb Line“ und mit “Hounds Of Love“ spielt ihr noch ein Cover von ihr live. Woher kommt diese Begeisterung für Kate Bush?

Kate Bush ist einfach eine großartige, unheimlich inspirierende Künstlerin. Bevor wir Ra Ra Riot gestartet haben kannte ich sie noch gar nicht, aber Wes war immer ein großer Fan und hat sie uns näher gebracht. Als es dann einmal darum ging eine Cover-Version zu wählen, damit wir live ein paar Stücke mehr in unserem Set haben, hat er “Hounds Of Love“ vorgeschlagen. Ich habe mir das dann ein paar Mal angehört und konnte den Song gar nicht richtig greifen, aber je mehr ich ihn hörte, umso mehr hab ich das Stück dann auch genossen. So sind wir auch über die letzten Jahre alle große Kate Bush Fans geworden. Es ist eben auch sehr schwer eine Cover-Version zu finden, da natürlich jeder unterschiedliche Vorstellungen hat und wir verschiedene Musik-Geschmäcker haben. Zudem müssen wir auch noch Geige und Cello integrieren können und das geht bei Kate Bush Songs super, ihre Musik ist einfach so vielschichtig und gibt so viel her, das man auch als Band interpretieren kann.

Ariane WhiteTapes

Foto: Ariane WhiteTapes

Da ja jetzt beinahe Weihnachten ist, was ist euer Lieblings Weihnachtssong?

Oh cool, ja. Wir mussten tatsächlich vor ein paar Tagen einen Weihnachtsong für eine TV-Show oder so etwas spielen, da haben wir dann “War Is Over“ von John Lennon gespielt, ein Stück, das ich auch sehr liebe. Aber ich glaube, mein Liebling ist “Simply Having A Wonderful Christmas Time“ von Paul McCartney. Der Song ist echt toll und irgendwann bekomme ich die Band dazu den zu covern, vielleicht für so etwas wie eine Weihnachts-EP.


Fotos: Myspace der Band, falls nicht anders angegeben

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