Interviews

Polarkreis 18 – Interview – 10. Juni 2008

In der Festivalhochsaison sind es gerade die kleinen Festivals, die immer wieder mit ungewöhnlichem Line-Up versuchen die Besucher in die Dörfer zu locken. So auch das kleine „Rock am Bad“ im münsterländischen Dörfchen Schöppingen, das dieses Jahr mit Polarkreis 18 und den Shout out Louds gleich zwei für ein Dorffestival doch recht große Indiebands im Line-Up hatte. In diesem Rahmen hatten wir dann auch das Vergnügen mit Polarkreis 18 eine der besten deutschen Bands der Stunde zu interviewen.
Wir wurden durch das Hallenbad geführt, dass zu einer Art Backstage-Area umfunktioniert war. Die Shout Out Louds durften wir dann auch gleich in Badehosen bewundern, die plantschten nämlich gut gelaunt im Wasser, als wir zu den Umkleidekabinen weitergeführt wurden. Christian und Philipp zeigten uns dann mit einer Mischung aus reserviertem Scham und Ironie ihre persönliche Umkleidekabine auf der auf einem bedruckten Blättchen „Dressing Polarkreis 18“ zu lesen war. Laut Aussage der Band sei es der ungewöhnlichste Backstage-Bereich, den sie bisher besucht hatten. Glaubten wir gerne, kann mir auch kaum eine ungewöhnlichere Location für ein Interview vorstellen:

Wie der Name vermuten lässt fand das Festival dann auch auf dem Gelände des Schöppinger Hallenbads statt. Als die erste (Grand Island) von vier Bands an diesem Abend die Bühne betrat, war es für uns an der Zeit ein kurzes Gespräch mit Christian und Philipp von Polarkreis 18 zu führen.

Hi, vielen Dank erst mal, dass ihr euch ein wenig Zeit für uns nehmt. Habt ihr gut hergefunden?

Philipp: Ja doch, problemlos.

Wie gefällt euch die Stadt soweit?

P: Wir haben noch gar nicht soviel gesehen, ist ja doch so dörflich eher.

Christian: Ich hab gar nichts gesehen, ich hab grad in dem Moment an meinem Computer rumgeguckt.

Ach so, einmal auf den Monitor geguckt und schon durch?

Christian lacht: Ja, als ich hochgeguckt hatte warn wir auch schon hier auf dem Gelände gewesen.

P: Also ist sehr gemütlich und wir fühlen uns wohl auf jeden Fall, ist schön grün und schönes Wetter, das passt uns ganz gut. Man kann auch baden – im Gewächshaus [im Hallenbad selber war es noch mal 10°C wärmer als draußen im Sonnenschein]

Wie kommt es, dass ihr gerade auf diesem Festival spielt, mitten in der münsterländischen Tiefebene? Wie kam’s dazu?

Philipp schaut Christian an und meint: Wie kam’s dazu?

Christian lacht: Puh, ich hab keine Ahnung. Das läuft über eine Bookingagentur, die sich darum kümmern, uns Konzerte und Festivals zu buchen und da hat das halt hier geklappt.

P: Vorhin meinte der Veranstalter noch, dass er sich halt für so ne Musik interessiert, aber wie die jetzt immer genau auf die Bands kommen, die die dann buchen, weiß halt keiner, also wir zumindest nicht, aber dem Veranstalter hat das wohl sehr gut gefallen und der hatte Interesse.

Also verschlägt es euch auch teilweise in irgendwelche Dörfer ohne, dass ihr wisst, was euch genau erwartet?

P: Ja, also wir wissen das schon, also bei Zeiten.

C: Also, wir werden da immer mit Säcken überm Kopf im Dresden in nem Keller festgehalten und dann heißt es jetzt geht’s los Live-Konzert, werden wir in einen Proberaum geschafft zwei Tage vorher und dann landen wir irgendwo.

Wie kommt ihr eigentlich mit eurem zweiten Album voran, ist die Herangehensweise diesmal anders, als beim ersten mal, weil ihr mehr Mittel zur Verfügung hat, zum Beispiel habt ihr ja kürzlich auf eurer Homepage Bilder von den Orchesteraufnahmen gepostet?

P: Also wir machens eigentlich komplett anders, würd ich mal sagen. Also zum Teil, was auch daran liegt, dass wir uns irgendwie weiterentwickeln wollen, andere Sachen ausprobieren wollen und einfach auch ein bisschen weniger Zeit haben. Deswegen sucht man sich dann auch Leute, mit denen man zusammenarbeitet, die ein bisschen mehr Ahnung haben, also jetzt gerade im technischen Bereich. Beim ersten Album haben wir das auch so gemacht, dass wir viele Sachen selber gemacht haben und dann klingts natürlich nicht sofort so gut, wie mit einer etwas professionelleren Produktion. Und ich meine, man will ja auch immer das beste Ergebnis haben und wenn man die Möglichkeiten hat, dann versucht man natürlich schon die zu nutzen, sprich wir arbeiten jetzt mit nem Produzenten zusammen und gehen richtig gezielt ins Studio und so.

C: Wir machen zwar trotzdem noch viel selber, so zu Hause, aber die Basis ist einfach anders.

Es mischen jetzt also mehr Leute mit?

P: Ja nö, wir versuchen jetzt eben nicht mehr so viel zu frickeln, sondern direkt etwas geradliniges hinzubekommen.

C: Das hat viel mit der Zeit zu tun, die uns dafür zur Verfügung steht, da haben wir jetzt nicht wie bei der ersten CD vier Jahre, das ist jetzt natürlich irgendwie völlig anders, das muss jetzt alles viel schneller gehen und da ist es natürlich auch unglaublich wichtig, dass du auch Leute hast, die eine gewisse Erfahrung oder Routine mitbringen und einfach wissen, welche Abläufe sich wiederholen müssen und wie man so etwas effektiv gestalten kann. Besonders so verschiedene Aufnahmetechniken, du sagst halt, dass soll so und so klingen und dann bekommst du das. Der weiß dann halt was zu machen ist, ich sitze jetzt nicht zu Hause und werkel da rum und denk mir, uh, wie könnte das gehen, damit das so klingt. Du hast halt Leute, die dir sehr gut unter die Arme greifen können.

Nehmt ihr diesmal auch einen Song mit Stepptänzern auf, wie ihr Anfang 2007 in einem ARD-Interview angedeutet habt?

Beide lachen. P: Ne, leider nicht. Das war wieder so eine wirre Vision von Felix unserm Sänger wahrscheinlich.

C: Ich fand die Idee eigentlich auch mal ganz witzig, aber das müsste man ja auch erst mal irgendwie hinkriegen.

C: Na ja, kann man ja auch selber mal schnell lernen.

P: Aber auf jeden Fall cool, dass ihr uns noch mal dran erinnert habt.

Ja ja, jetzt wo ihr mitten in den Aufnahmen steckt, wollten wir einfach auch ein bisschen Einfluss nehmen.

Nach eigener Aussage begreift ihr Gesang in erster Linie auch als Instrument, wohl auch gerade wegen Felix’ Gesangsstil, weshalb eure Texte auch eher „unzusammenhängend“ und laut eigener Aussage erst einmal zweitrangig sind. Geht ihr inzwischen anders ans Texten ran, oder ist das noch genau so?

C: Ne, das ist schon ziemlich anders geworden, also es ist schon der Wille da, dass wenn du jetzt was singst, dass das auch was überlegtes ist und nicht halt so fiktive Worte, wie das bei der ersten CD halt sehr oft der Fall war, sondern dass es da jetzt auch wirklich Texte gibt und der Mensch der da singt auch wirklich einen Text singt und nicht halt immer ein bisschen beliebig nur Instrument ist, sondern halt ein Stück durchdachter auch das Ganze.
Sonst könntest du ja auch die ganze Zeit einfach Uh und Aah singen. Wir wollen halt einfach auch mal ein Inhalt präsentieren, der jetzt nicht irgendwas verändern soll, aber eigentlich das gleiche Ziel verfolgt, wie das die Lieder auch bei der ersten CD getan haben, nämlich ein Bild, oder einen emotionalen Zustand zu schaffen und zu transportieren. Das unterstützt jetzt der Text noch genauso. Ist jetzt nicht so, dass wenn du dich hinsetzen würdest und jetzt irgendwie sagen kannst, ah krass, philosophisch, es geht nicht darum, Leuten irgendwas mitzuteilen, sondern an sich halt keine tierische Message oder so, es geht einfach darum, wenn man das macht, dass es einfach als Unterstützung der Sache dient und nicht einfach beliebig ist.

Als deutsche Band kommt man heutzutage am Besten an, wenn man deutsch singt, käme es für euch in Frage, dass ihr einen Song oder auch nur Teile davon auf Deutsch macht?

P: Hmm, ja wir sind da eigentlich sehr offen und haben da auch schon viel rumprobiert, aber jetzt nicht aus dem Grund, weil das gut ankommt, sondern weil das natürlich auch auf der Hand liegt, dass man in seiner Sprache auch mal anfängt, halt irgendwie Texte zu schreiben und so.

C: Ja, das wird definitiv passieren, es gibt im Moment drei Lieder für das neue Album, wo das vorkommt, dass man mal einen Teil in einem Lied, eine wiederholende Textzeile halt einfach auf Deutsch hast. So hast du dann halt auch mal was drin, wo die Leute gucken und sagen, was singt der, oh das ist Deutsch!

Gibt es aktuell deutsche Bands, die ihr als Vorbilder bezeichnen würdet, oder auch einfach nur gut findet?

P: Och klar, da gibt’s ne Menge find ich.

Christian lacht: Jo, und wer wäre das dann?

P verlegen: Also ich bin schon etwas länger Blumfeld Fan zum Beispiel, also ich meine, die gibt’s jetzt nicht mehr aber super deutsche Band.

C: Also aktuell find ich jetzt gerade auch wieder Notwist sehr…

P: Ja voll geil.

C: …am Start jetzt mit ner sehr guten CD.

P: Super ist die Platte, ich finds klasse, dass die das Songwriter-Ding halt wieder so ein bisschen mehr für sich entdeckt haben und das ist jetzt so ein bisschen mehr im Vordergrund.

Die frickeln ja noch mehr als ihr.

P: Ja besser.

Christian lacht: Nein, länger!
Die haben mit dem Martin Kretschmann da ja auch einen, der mit seiner jahrelangen rumtüftelei und rausgefinde, was so geht, merkt man natürlich, dass da das nicht so von irgendwo herkommt, sondern schon ein Haufen Erfahrung drin ist. Find auch einfach toll, zu hören, was dann da so rumkommt, die letzte CD ist ja nicht auch erst ein Jahr her, sondern das hat ja schon ne Weile gedauert. Einfach mal zu gucken, was die jetzt so machen, fand ich schon sehr spannend.

Ist denn unter den ganz neuen deutschen Bands irgendwas dabei, wo ihr sagen würdet, das finde ich toll, da bin ich Fan, oder denkt ihr, da erinnert sich in fünf Jahren eh keiner mehr dran?

P: Also ich kenn da gar nicht so viel, deswegen kann ich da jetzt irgendwie halt nichts sagen.

C: Ja, wir sind Helden, die sind ja schon richtig groß, das ist ja schon ne etablierte Nummer, du musst ja auch erst mal an den Punkt kommen, an dem du deine eigene Tour spielst und vor mehreren Tausend Leuten da in der Halle stehst. Das ist dann schon krass. Das schafft nicht jeder.

P: Ja, das schaffen sehr wenige.

C: Aber ansonsten ist diese ganze Deutschmusikszene irgendwie da gibt’s auch viele, die mir nicht gefallen, das nicht so meinen Geschmack trifft.

Als deutsche Band seit ihr ja auch letztes Jahr richtig durchgestartet und kommt aus Dresden, das ja jetzt nicht gerade als Indiemusikhochburg bekannt ist. Denkt ihr gerade das, also das keine Szene vor Ort da ist, von der ihr hättet beeinflusst werden können, hat euch besonders geholfen, euren eigenen Stil zu entwickeln. Also, dass ihr jetzt nicht, wie etwa in das Fahrwasser eines gewissen Grand Hotel gelangen konntet?

P: Och ja, also das kann schon sein, aber man ist ja jetzt auch nicht so abgeschnitten von der Welt, man kann sich das jetzt trotzdem alles anhören.

C: Also man bekommt ja schon was mit, von dem musikalischen Geschehen, also da kann ja auch ne Band sein, die in der gleichen Stadt wohnt, die man kennt sich trotzdem nicht und hörst deren Musik nur über Tonträger oder digital. Ist ja ähnlich, aber was du meinst, ist ja, dass wenn man in der gleichen Stadt lebt, dass da ja so ein gewisses Grundgefühl einfach ist, wo du ganz genau auch diesen Background ein bisschen verinnerlicht hast, also was ist hier passiert und, was ist so der Stil hier. So was gibt’s in Dresden halt einfach mal überhaupt nicht. Es gibt natürlich schon Bands, die schon ganz lange Musik machen, aber das ist dann halt auch eher immer wechselnd gewesen und von daher gibt’s diesen Background halt eben nicht.

2008 hat ja für euch auch nicht gerade schlecht für euch angefangen sag ich mal, also erst Tour mit den Smashing Pumpkins und dann umjubeltes Unplugged in Dortmund. Bei welcher Show wart ihr vorher aufgeregter?

P: Beim Unplugged, oder?

C: Ich für meinen Teil absolut ja. Das ist ja auch mal ein komplett anderer Rahmen gewesen.

P: Ja, das war für mich auch, wir haben da halt sehr intensiv für geprobt, also nicht lange, aber dafür sehr am Stück. Und dann so in drei vier Tagen am Stück. Wir waren halt grad so mitten in den Aufnahmen für das neue Album und dann kamen wir nach Hause und dann war man vorher halt tierisch aufgeregt, also ich zumindest, weil wir hatten halt alles umarrangiert natürlich und da kamen ziemlich viele neue Sachen und dann kam die Frage, ob das denn jetzt überhaupt klappt und so. Aber bei den Smashing Pumpkins Shows, doch am Anfang war ich dann doch auch aufgeregt, aber die waren so entspannt und auch die Crew von denen, dass sich halt eben schnell so ne Art Routine eingestellt hat, also das war echt sehr angenehm mit denen zu touren, also so gut wurden wir fast noch nie behandelt.

C: Ja, die wollten ja genau so, dass das alles möglichst schnell von der Bühne geht, damit das dann auch bei den Pumpkins möglichst irgendwie glatt läuft. Deswegen waren die ja auch bei uns darauf erpicht, dass das bei uns halt alles schön flüssig läuft und haben sich da natürlich auch Mühe geben müssen, aber das war ja auch so unser Vorteil. Aber die waren eben auch sehr nett. Aber jetzt der Unterschied Unplugged und Pumpkins, waren wir bei dem Support halt ein gut behütetes Kind, so in der Wiege halt, dass so ein bisschen hin und hergefahren wird und du hattest halt so Leute dabei, was für uns halt im Moment halt überhaupt nicht Normalzustand ist, da war einer dabei, der hat für uns Licht gemacht, und so weiter. Das war einfach ein viel größerer Aufwand, halt dadurch, dass jetzt auch mehr Leute da waren einfach viel besser organisiert und bei dem Unplugged Ding war das eben mehr so eine unsichere Ebene, weil wir einfach auf ner ganz anderen Art und Weise eben unsere Musik gemacht haben, als wir das sonst gemeinsam machen und das ist natürlich eine ganz andere Herausforderung.

Wie ist Billy Corgan so privat drauf?

C und P lachen. P: Keine Ahnung, also die haben sich schon ein bisschen so abgeschottet.

C: Da war kein Kontakt so wirklich da, außer das Felix glaub ich mal kurz mit ihm gesprochen hatte und dann so Worte kamen, wie „Keep your mind clear“ oder so.

P: Ne ja, ich war mit dem Felix da, wir wollten uns einfach so bedanken, weil das halt einfach so wirklich cool war, weil das ja auch im „Showbusiness“ jetzt nicht so alltäglich ist, aber das war wirklich angenehm und da zu dem in den Backstage-Bereich gehen und uns da so bedanken und auf Wiedersehen sagen, aber da mussten wir dann erst eine halbe Stunde da stehen mit der Sercurity und dann wurden wir eingelassen in den Hof und dann mussten wir dann noch mal warten, bis wir an der Reihe waren und dann so kurz. Der hat dann auch eher so gemeint, dass er sich eher so nie so richtig um die Vorbands halt, sich das nie so anhört und immer keine Zeit hat. Aber er hat uns dann noch so ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg gegeben „keep your heads straigt, it’s a hard business“ und dann ist er gegangen.

Hat euer Label nicht geschrieben er hätte gesagt „I want this band“?

C: Ja klar, die Mail kam auch so aus diesem Bereich, aber man weiß ja nie so, wer das dann gesagt hat. Die hat uns so erreicht, was ja auch cool war und da haben wir gedacht „Hey das fetzt“, aber ist ja auch die Frage, wie das dann tatsächlich so ist.
Ja, das wird denen dann schon relativ egal gewesen sein, wer dann da als Vorband spielt.

Sind ja zwei außergewöhnliche Gesangsstile aufeinandergetroffen!

P: Ja stimmt, Freak Show! Nein, also das ist wirklich gut angekommen, also hatten wir das Gefühl, also wir wurden jetzt nie von der Bühne geschmissen so mit Bierflaschen und ausgebuht und so was. Es wurde auch applaudiert, was auch eigentlich ganz cool war.

Wir hatten in Oberhausen auch das Gefühl, die wollten jetzt vielleicht eher teilweise Billy Corgan von der Bühne buhen oder schnarchen, weil ein Teil des Publikums wohl geschlafen hat.

C: Oh, ihr wart in Oberhausen?

P: Das war diese König-Pilsener-Arena.

C: Ja, das war da irgendwie komisch.

Noch einmal auch zum Unplugged, ihr sagt, ihr habt da sehr intensiv dran gearbeitet. Wie lange, also wie lange habt ihr gebraucht, die Songs so umzuschreiben?

P: Ja, wir hatten das ja schon mal so von eineinhalb Jahren oder so, wo wir immer so Theatershows gespielt haben, wo wir halt so ähnlich gespielt haben, aber haben da trotzdem eigentlich noch viele elektronische Elemente gebraucht. Wir haben ja auch oft schon Sachen umarrangiert oder so. Das Problem war halt, dass wir sonst so, uns eigentlich recht viel Zeit nehmen und eben ein paar Mal in der Woche proben oder so und uns dann richtig vorbereiten. Aber diesmal hatten wir Aufnahmen, waren im Studio und kamen kurz nach Hause hatten halt so eine Woche Zeit, davon glaub ich mal eben so zwei gechillt, weil man sich halt immer mal so ausruhen muss, nach so einem Studiotrip und man den Anderen vielleicht nicht mehr sehen kann. Na ja und dann haben wir ich glaub drei Tage oder so…?

C: Ja drei oder vier Tage.

P: Ja, es hat aber auch tierisch Spaß gemacht dann am Ende, weil wir haben uns so lustige Instrumente so ausgeliehen und so.

Aber die Bohrmaschine war jetzt nur Posing, oder hatte sie einen so unersetzlichen Beitrag zum Sound, der einfach unterging?

C: Ja, ne wir hatten uns eigentlich erhofft, dass das so’n fieses Geräusch was wiederum den Synthesizer ersetzt, der eigentlich in dem Lied so klingt ähneln könnte, was dann aber jetzt leider halt nicht so ganz funktioniert hat.

Beeindruckend war ja die kleine Gitarre mit dem Lautsprecher drin.

P: Ich hab die aber nicht behalten, weil die war nur ausgeliehen, ich hatte noch kurz überlegt, aber ne.

Machen euch diese ungewöhnlichen Wege besonders Spaß, sucht ihr bewusst danach, um euch auch abzugrenzen, oder kommt das dann eher spontan?

P: Nö, man sucht natürlich irgendwie nach Mitteln, um seine Vision halt umzusetzen und gerade bei uns ist ja auch schon immer irgendwie Action und auch viele Instrumente und halt dann nur mit ner Akkustik-Gitarre und so ein paar Besen sich da hin zu setzen, wäre uns nie, also unseren Ansprüchen gerecht geworden.

Wir waren ja anfangs über die fehlenden Streicher enttäuscht.

C: Ja, Streicher sind ja auch immer finanziell so ne Sache.

P: Wir haben sogar probiert die vom Veranstalter zu bekommen, oder?

C: Ja, genau, wir hatten angefragt, aber war nicht drin.

Was anderes, hattet ihr seit dem Release eures Debütalbums eigentlich auch mal ein bisschen Pause, also Zeit für euch, oder wart ihr nur unterwegs?

C: Es war immer was los, ne?

P: Doch ja, wir waren schon viel unterwegs, aber man hat auch ab und zu mal ne Pause, sieht jetzt glaub ich auf dem Terminkalender schlimmer aus, als es jetzt auch tatsächlich ist, also finde ich zumindest.

C grinst in Richtung Tourmanager: Und es macht ja auch so viel Spaß, ne! Ist natürlich aber auch die Frage, wie jeder jetzt damit umgeht, du kannst natürlich immer dran denken, was jetzt alles los ist und dann in deinen Terminkalender gucken und sagen, oh ist das viel, belastet mich, oder du denkst dir halt irgendwie, wie der Philipp das ja auch mit Bravour löst, a joa, was ist los, machen wir und dann kann man ein bisschen entspannen und dann geht’s weiter. Aber das ist auch bei jedem unterschiedlich, also ich fands teilweise auch ein bisschen stressig, jetzt gerade auch in den letzten Monaten so im Studio zu sein und dann wieder auch woanders dann aufzutreten und wieder hin und her und du warst die ganze Zeit nicht zu Hause, was ich persönlich schon sehr wichtig finde, auf Dauer einfach auch mal wieder ein paar Tage zu Hause zu sein und auch mal ein bisschen runter zu kommen, seine Ruhe zu haben. Aber ne, ansonsten haut das schon sehr gut hin, es ist nicht so, dass wir uns mit irgendwas kaputt machen würden oder so.

P: Ich glaub, was auch total krass daran ist, ist auch diese soziale Komponente, weil du zu sechst aufeinander hockst und es ist halt wie bei so einer Art „Expedition“, wo die Leute dann so durchdrehen auf dem Eisbrecher. Weil du da monatelang nur irgendwie dieselben Leute siehst, also das ist schon sag ich mal so, ne Erfahrung, die schon, na ja lehrreich ist. Auch öhm, da übt man sich in Toleranz, oder muss es, sonst wird’s halt auch ganz schnell nervig.

Ihr kennt euch ja größtenteils nun auch schon 10 Jahre als Band, denkt ihr das hilft auch dabei?

P: Ja also drei von uns sind ja schon seit 10 Jahren.. aber wir kommen ja auch alle aus der gleichen Ecke. Also den Christian kenn ich ja jetzt noch nicht so lange…

C: …sind eigentlich.. sind wir uns fremd.

P: Aber so die Anderen, also man hat sich auch immer so in der Schule und so gesehen, also haben auch irgendwie den gleichen Background und daher ist es glaub ich schon leichter, als wenn man jetzt auch wirklich zusammengewürfelt ist, aber wir kennen das ja jetzt auch nicht anders.

Worauf freut ihr euch dieses Jahr am Meisten?

P: Das das Album fertig wird!

C: Ja total, wir wollten ja eigentlich, dass es jetzt schon fertig ist, aber wie das halt bei uns so ist dauert das alles viel viel länger. Aber dafür wird’s dann auch hoffentlich noch viel viel besser.

Also Release im August dann eher doch nicht?

C: Also ist grad alles eher noch so am Variieren und es geht gleich einfach nur so darum, dass das einfach mal so fertig wird, alles andere ist mir im Moment ganz einfach erst mal egal.

P: Aber dieses Jahr ist auf jeden Fall drin.

Wir finden’s ja auch immer sehr interessant, wie sich Bands auch selbst beschreiben würden, also ohne andere Bands als Referenzen zu nennen. Also nach was hört ihr euch für euch selbst an?

Foto: Matthias Popp

P: Also das ist total komisch, die Frage stellt man sich ja selbst auch ab und zu mal so, oder zumindest versucht man zu reflektieren und ich kanns wirklich nicht sagen, weil wenn ich mir zum Beispiel irgendwelche Konzerte so anguck auf video denk ich mir immer, oh mann, mist, wir haben voll verspielt und so und ah nä, wie klingt denn das, ich kann das nicht so objektiv beurteilen, also ich für meinen Teil.

C: Ja, kann ich auch nicht sagen. Ich würde sagen, wir klingen auf jeden Fall ziemlich abwechslungsreich, da jeder schon auch total viele Sachen macht.

P: Also ich für meinen Teil spiel halt Keyboard und Gitarre, deswegen ist es für die Anderen vielleicht schon eher interessanter.

C: Ich kann das ja mal versuchen, als jemand der diese Musik erst zum ersten Mal hört zu beschreiben, also eigentlich kann ich das überhaupt nicht. Also, was als erstes das Ziel ist, ist natürlich erst einmal den größtmöglichen emotionalen Effekt so zu erzielen

Emotional Soundscapes, wie ihr es so schön auf eurer Homepage beschreibt?

C: Ja genau, das triffts dann auch als Anglizismus so ganz gut auf den Punkt, aber wie man das so mit fachlich spezifischen Worten zuordnen würde, keine Ahnung. Klar hat das auch immer was treibendes und sehr emotionales, das sind eben so zwei wichtige Faktoren. Aber was das so genau alles ist, ist schwierig.

Vielleicht versuchen wir, in dem wir euch mit Bands vergleichen. Denkt ihr Blur ist noch drin, oder war das nur der Wendepunkt für euch?

P: Also ich denke, es war eher so der Wechsel.

C: Ja man hat ja manchmal so halt geschmackliche Umbrüche, so in der Jugendzeit.

P: Wenn man halt irgendwann aufgehört hat so Dancefloor zu hören und hat dann mal Rockmusik gehört und das hängt dann eben immer so mit den Künstlern zusammen und ich glaub beim Felix war das dann halt Blur. Und da hat dann halt jeder seine Bands, die einen in eine Richtung bewegt haben. Ich find die aber auch immer noch cool, die Band, also Blur.

C: Ja ich mag ja alles, was der Damon so macht.

Ok, vielen Dank, unsere Zeit ist dann jetzt leider auch um. Vielen Dank, dass ihr ein wenig Zeit für uns hattet.

C+P: Danke euch.

Discussion

Comments are closed.

Archive