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Mumford & Sons – Interview

Seit ein paar Monaten gehören Mumford & Sons zu den am meisten gefeierten Bands der Stunde. Mit eindringlich vorgetragenen temporeichen Folk-Stampfern spielten sie sich direkt in die Herzen von Fans und Kritikern. Kurz nach dem Release ihres Debüt-Albums „Sigh No More“ trafen wir Ben Lovett, Keyboarder der Band, zum Kurz-Interview um mit ihm ein wenig über Mumford & Sons, das Debüt-Album und die Probleme einer Newcomer-Band zu sprechen.

Hi Ben, unser Interview hat sich ja nun doch etwas verzögert, gab’s Probleme beim Soundcheck?

Ben: Äh nein, wir mussten einige Zeit warten, bis wir anfangen durften. Der Sound hier ist aber toll, da freuen wir uns auch schon drauf, gleich zu spielen.

Wir freuen uns natürlich auch, klang beim Soundcheck ja auch schon ganz gut. Ich fang einfach mal an. Vor ein paar Wochen ist euer Debüt „Sigh No More“ erschienen. In den Texten nutzt ihr eine Menge religiöser Motive, wie kam es dazu, seid ihr sehr religiös?

Ben: Ich glaube Gott ist früher oder später ein Thema im Leben jedes Einzelnen. Unser Album behandelt Themen, die viele Menschen betreffen. Es ist natürlich kein religiöses Album, aber in der Bibel wurden Themen, wie das Leben, der Tod, die Liebe und solche Dinge sehr treffend und symbolträchtig beschrieben, das wollten wir uns zu nutze machen.

Wenn wir das richtig verstanden haben, habt ihr extra ein eigenes Label gegründet, um euer Album zu veröffentlichen?

Ben: Ja, das stimmt, „Gentlemen Of The Road“. Indem wir das selber machen, konnten wir unseren Sound kontrollieren und mussten uns vor niemandem, außer vielleicht unserem Produzenten, rechtfertigen. Wir sind immer noch unabhängig. Um den Vertrieb kümmern sich natürlich andere, das können wir selbst nicht, da haben wir aber auch tolle Partner. Wir sind stolz auf dieses Label und wollen darauf auch andere Künstler veröffentlichen. Nächstes Jahr wird es da den ersten Release geben, der nicht von Mumford & Sons ist, da freuen wir uns schon drauf. Das ist auch ein toller Weg Freunde zu unterstützen.

Ist es wahr, dass einige von euch beim Start der Aufnahmen zum Album nicht einmal eigene Instrumente besaßen?

Ben (lacht): Ja, absolut wahr. Jeder Einzelne hat immer noch kein eigenes Instrument, weil wir die ja als Band besitzen, aber ich weiß, worauf du hinaus willst. Ted’s Kontrabass ist bei einem Konzert in tausend Teile zerfallen, für die folgenden Konzerte hatte er sich dann einfach einen geliehen, weil er kein Geld für einen neuen hatte. Als wir dann im Studio waren wir wohl noch nicht ganz so weit. Wir hatten die Chance dazu, wussten aber gar nicht, was uns da erwarten würde. Wir stellten uns dann Markus Dravs, unsrem Produzenten vor und er fragte Ted welches Instrument er spielt. Er antwortete: „Einen Kontrabass“, darauf Markus: „und wo ist der?“. Ted meinte „ich hab keinen“. Dazu meinte Markus nur „dann verschwinde, kauf dir einen und komm wieder, wenn du bereit bist ein Album aufzunehmen“. Das war im ersten Moment hart, aber eine wichtige Lektion. Ich glaube, wir mussten uns erst klar werden, was wir da überhaupt machen.

Macht ja auch beinahe den Eindruck, als wärt ihr überhaupt noch gar nicht an einem Punkt gewesen, an dem ihr euch sicher wart, euch richtig ins Musikerleben stürzen zu wollen?

Ben: Wir sind immer noch nicht bereit. Ganz im ernst, ich glaube, wir fangen grad erst an zu begreifen, was da überhaupt abgeht.

Aber ihr könnt so langsam davon leben?

Ben: Ja, also so gerade. Wenn wir morgen aufhören würden zu touren nicht mehr, aber das ist klar, wenn du morgen deinen Job hinschmeißt kannst du davon ja auch nicht mehr leben. Sehr tiefsinnig, ich weiß (lacht).

Ihr seid ja quasi in einer Art Szene mit Laura Marling und Noah and The Whale aufgekommen. Viele sagen über euch, dass ihr alle nicht sehr „britisch“ klingen würdet. Was denkst du, woher das kommt?

Ben: Untereinander gibt es da ein paar gute Freundschaften, wir haben alle etwa zur gleichen Zeit angefangen Musik zu machen und auch schon mal zusammen gespielt, bevor es einzelne Bands gab. Wir waren halt Typen, die gleiche musikalische Interessen hatten. Das mit dem „klingt amerikanisch“ kommt wohl daher, dass insbesondere amerikanische Bands in den letzten Jahren in Sachen Folk tolle Alben heraus gebracht haben. Daher klingen wir dann auch gleich amerikanisch. Klar haben wir auch Bluegrass und Country in unserer Musik, aber auch jede Menge britischen Folks und auch Rock’N’Roll.

Wenn ihr einen Song von Noah and The Whale aussuchen könntet, welchen hättet ihr gern geschrieben?

Ben: Hmm, schwere Frage, die sind alle klasse. Wahrscheinlich „Give A Little Love“, der hat jede Menge Gefühl und eine tolle Melodie. Auf „First Days Of Spring“ sind aber auch ein paar tolle Sachen, da habe ich aber noch nicht oft genug reingehört.

Obwohl euer Album ja gerade erst erschienen ist, wart ihr schon im Sommer eine der am meisten gefeierten Bands auf dem Haldern Pop Festival. Wie würdet ihr diesen Hype um eure Band erklären?

Ben: Oh, ich weiß nicht. Wir haben viel getourt und uns so eine Fanbasis erspielt. So wurde unser Name weiter getragen und unser Ruf eilte uns voraus, eben auch nach Deutschland. Auch das Radio hat uns recht schnell entdeckt, sogar auf Radio 1 konntest du uns dann hören. Also, ich glaube, die Menschen sind einfach fasziniert von unserem Sound

Vor ein paar Tagen hat Baria Qureshi von The xx wegen Erschöpfung die Band verlassen. Was macht ihr, um als Newcomber-Band mit diesem Druck, der auf euch lastet klar zu kommen?

Ben: Weißt du, wir sind Männer, keine Mäuse. (lacht) Also, im ernst, wir beschweren uns zwar manchmal, wenn uns das touren ein wenig stresst. Aber größtenteils beziehen wir gerade daraus unsere Energie. Am schlimmsten sind eigentlich die freien Tage, wenn du eigentlich Zeit hättest, die Stadt zu erkunden, aber dann nur rumhängst. Das kann stressig werden. Aber ich denke, wir sind psychisch genügend auf der Höhe, um mit Stress klar zu kommen. Wir lieben die Musik von The xx, die sind glaube ich auch alle noch ein paar Jahre jünger als wir, vielleicht war Baria einfach noch nicht so weit.

Das wünschen wir euch natürlich auch und viel Spaß dann auch gleich auf der Bühne..

Ben. Danke, wir freuen uns drauf.

Fotos:
1 + 2, Ariane WhiteTapes
3, Myspace der Band

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