Interviews

Monster Bobby – Interview

Hi Bobby, danke für das Interview, möchtest du dich vielleicht erst einmal vorstellen?

Hi, ich bin Bobby, wie geht’s? Sehr schön euch zu treffen!

Du bist so etwas wie das “kreative Genie“ hinter den Pipettes und hast in deren Begleitband The Cassettes gespielt. Ende 2007 hast du nun dein Soloalbum „Gaps“ veröffentlicht, woher dieses Bedürfnis, etwas solo zu machen?

Eigentlich habe ich schon lange unter dem Namen Monster Bobby Konzerte gegeben, auch schon bevor ich mit den Pipettes begonnen habe. Ich habe Ende der 90er in einer Band namens Ice-Nine gespielt, die nach und nach in die Auflösung abdriftete, am Ende des Jahrzehnts hatte ich dann auch einfach genug davon in einer Band zu sein und entwickelte auch zunehmendes Desinteresse an der Art Musik, die Bands machen – vor Allem, die Art, die Bands in England zu dieser Zeit gemacht haben – also entschied ich mich Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ein paar Jahre später haben dann bestimmte Ideen, die ich entwickelt habe, während ich meinen Abschluss machte, eine gewisse Dringlichkeit bekommen und mich nicht mehr losgelassen, also habe ich angefangen Wege zu erkunden, wie ich sie in die Tat umsetzen kann – so hat das auch mit den Pipettes angefangen.

Verglichen mit deiner Arbeit mit den Pipettes ist dein Soloalbum ziemlich Lo-Fi, war das so geplant? Wie schreibst du deine Songs?

Nun, ja und nein. Auf der einen Seite war der vermutlich wichtigste Einfluss, als ich vor acht Jahren als Monster Bobby angefangen habe der Gedanke, dass der Output von 555 Recordings (ehemals aus Leeds, nun aus Flagstaff, Arizona) der scheinbar perfekt den Lo-Fi Indie Pop der C86 / Sarah Records gang eingefangen hat und der dreckige Lo-Fi Electronic Sound von Bedroom Electronica und Glitch Techno eine seltsame Einheit bilden und zu einem Sound verschmolzen werden könnten. Dieses verschmelzen verschiedener Einflüsse in großem Ausmaß ist das, was ich erreichen möchte, wenn ich eine Platte machen. Ich war immer sehr angetan von Bertolt Brecht’s Vorstellung von Musik, „der Gesang arbeitender Frauen in Innenhöfen am Sonntagmorgen“, wie Hanns Eisler es ausdrückte. Ich denke, da ist etwas in Musik, die im Schlafzimmer aufgenommen wurde, Musik, die handgemacht klingt und zusammengeflickt, das mich an Brecht’s Auffassung von Musik ohne Fracks und Feierlichkeiten erinnert. Auf der anderen Seite ist liegt es natürlich auch ganz einfach an der Tatsache, dass ich meine Alben mit einem relativ niedrigem Budget aufnehme. Vielleicht, wenn ich bei meinen Albumaufnahmen zehntausende Pfund zum Verprassen hätte, würde ich eine aalglatte Pop-Platte machen, aber um ganz ehrlich zu sein, ich bezweifle es.

Du nennst ziemlich viele Einflüsse auf deinem Myspace, welche Künstler haben dich beeinflusst selbst Musiker zu werden?

Als ich ungefähr 5 war, habe ich Bad von Michael Jackson geliebt. Es war das erste Album, das ich je gekauft habe und ich war total besessen davon. Ich erinnere mich noch daran, wie ich in das Zimmer meiner Eltern gegangen bin, um ihnen zu erzählen, das ich nun schwarz werden möchte und sie gefragt habe, wie das geht (zu diesem Zeitpunkt wusste ich natürlich auch noch nicht, dass Michael Jackson just in dem Moment begann ein wenig an seinem Äußeren zu arbeiten, um ein Weißer zu werden…). Das also war eindeutig die erste Musik, an die ich mich erinnere, die mich in einem solchen Ausmaß gefangen genommen hat, dass ich selbst an der Stelle sein wollte und das tun wollte, was er machte. Das nächste war Trash Metal. Als ich ungefähr zehn war, kam ich in Berührung mit Metal – Bands wie Slayer, Metallica, Cannibal Corpse und Carcass – das war auch zu der Zeit, als ich mit meinen Freunden anfing Fantasiebands zu gründen. Keiner von uns konnte ein Instrument spielen, oder Songs schreiben, aber wir verbrachten Ewigkeiten damit, uns Künstlernamen für uns auszudenken und zu entscheiden, wie unsere Band heißen würde, wie wir uns kleiden, in welchen Städten wir spielen würden und wie unser Bühnenbild aussehen sollte.

Was ist heutzutage dein größter Einfluss und jetzt wo sich das Jahr so langsam dem Ende neigt, was sind deine drei Lieblingsalben des Jahres?

Auf mich hat im Moment wahrscheinlich 2-Step Garage den größten Einfluss, so Zeug, für das ich jetzt so ca. 10 Jahre zu spät dran bin. Ich finde da aber gerade richtig rein und begeistere mich dafür. So ziemlich alles, was in den letzten zehn Jahren aufregend war hatte damit zu tun, 2Step – Grime, Dubstep, Bassline, Donk… Ich merke immer mehr, dass ich Teil dieses Kontinuums sein möchte, um Relevanz für die heutige Musik zu haben. Ich werde auch immer stärker von der Vorstellung von „Hauntology“ beeinflusst, die von Kritikern wie Mark Fisher und Simon Reynolds entwickelt wurde, die sie Jacques Derrida’s Vorstellung vom Geist des Marxismus entliehen haben, um Musik wie die von The Focus Group, The Caretaker und Belbury Poly zu besprechen – packende Musik und Musik, die von Nostalgie ergriffen ist, für eine Zukunft, die es nie geben wird. Ich kaufe auch eigentlich sehr selten neue Alben, aber nach den Singles zu urteilen, die ich gehört habe, würde ich sagen, dass die drei besten Alben dieses Jahres die von Burial, Roisin Murphy und Hercules And Love Affair sind.

Du hast Ende der 90er Clubnächte in Brighton organisiert, weil du die lokale Musik- und Clubszene als langweilig empfunden hast. Denkst du, in der Zwischenzeit hat sich da etwas getan, vor Allem in Hinblick auf die ganzen Indiebands, die überall aus dem Nirgendwo auftauchen?

Es war toll für uns zu sehen, wie Bands, denen wir Ende der 90er geholfen haben es zu verschiedensten Arten von Erfolg gebracht haben. Das spannendste an der Szene in Brighton im Moment ist die Menge an aufregender elektronischer- und Folk-Musik und die Art des Austausches, die zu einer gegenseitigen Befruchtung dieser beiden Gruppen führt.


Kommst du jetzt das erste Mal nach Deutschland?

Nein, ich war schon ein paar Mal mit den Pipettes hier – meistens habe ich auch als Support für sie eröffnet. Aber das ist jetzt das erste Mal, dass ich allein nach Deutschland komme um Konzerte zu geben. Ich freue mich wirklich sehr auf diese Tour – weil ich im Grunde Konzerte in meinen drei Lieblingsländern gebe. Deutschland, Schweden und Dänemark, waren glaube ich schon immer die Länder, in denen ich am liebsten spiele.


In Münster eröffnest du für Look See Proof, hast du die schon einmal getroffen?

Nein, hab sie bisher nicht getroffen, aber ich freue mich darauf sie zu treffen und vielleicht neue Freunde zu gewinnen.


Nach deinem Konzert in Münster wirst du auch ein DJ-Set spielen, welche Musik wirst du spielen?

Hmm, gute Frage, ich denke es soll wohl so etwas wie Indie Disko sein, also werde ich mein Bedürfnis Bassline House und Dancehall zu spielen unterdrücken müssen. Stattdessen werde ich dann wohl Sachen wie MGMT, Max Tundra, Yo Majesty, A-Trak, Kid Sister, Robyn, Grace Jones, The Whitest Boy Alive, Girl Talk, NYC Peech Boys, Daft Punk, Spank Rock, Arthur Russell, Wiley, Jens Lekmann, Scritti Politti, The Pet Shop Boys, The B52s, Orange Juice, Prince, The Knife und vielleicht auch etwas Brazil Funk, Baltimore Club und Old School Hip Hop spielen.


Gibt es noch Dinge, die du gern sagen möchtest, bevor wir das Interview beenden?

Oh ja, nur ein paar Dinge, meine neue Single „I Am A Pedestrian“ (kostenloser Track hier zum Download), die am 23. September bei Hupatch Records und Total Gaylord Records erscheint. Dann meine neue Website, die gerade fertig geworden ist und natürlich die Tour als solche:

Stockholm (18th September @ Landet),
Linkoping (19th september @ Nationernas hus),
Malmo (20th September @ Debaser),
Copenhagen (22nd September @ Jolene),
Hamburg (25th September @ Haus 73)
Berlin (26th September @ Madame Claude)
Munster (27th September @ Gleis 22),

Und falls jemand mich gerne irgendwo für ein Konzert haben möchte, soll er bitte einfach Kontakt zu mir aufnehmen, ich hätte in den Tagen zwischen den einzelnen Konzerten auf jeden Fall Zeit und Lust, erst Recht nach dem Konzert in Münster, ich würde mich freuen, wenn sich jemand meldet. Oh und ich werde auch regelmäßig auf Twitter und Brightkite Dinge posten, während ich unterwegs bin, also schickt mir Freundesanfragen und ihr seid immer auf dem Laufenden.

Fotos von Monster Bobby

Weiterführende Links:

Monster Bobby’s Myspace
Monster Bobby bei Twitter
Monster Bobby bei Frienfreed
Monster Bobby bei last.fm
Videos von Monster Bobby bei Youtube
Homepage von Monster Bobby
Monster Bobby bei Wikipedia

Ariane WhiteTapes

Discussion

Comments are closed.

Archive